Deutschland

Thema Mindestlohn sorgt für Streit in der CDU/CSU

Die Kehrtwende der CDU-Führung beim Thema flächendeckender Mindestlöhne in Deutschland stößt bei Teilen der Partei auf Widerstand.

Berlin - Die Kehrtwende der CDU-Führung beim Thema flächendeckender Mindestlöhne in Deutschland stößt bei Teilen der Partei auf Widerstand. Die Unions-Mittelstandsvereinigung kritisierte am Montag den Vorstoß der CDU, allgemeinverbindliche Lohnuntergrenzen festzulegen. Unionsfraktionschef Volker Kauder erklärte, die Vereinbarung von Löhnen bleibe weiter Aufgabe der Tarifpartner.

Politisch nicht vertretbar

Die Festlegung einer Lohnuntergrenze sei „ordnungspolitisch nicht vertretbar, damit können wir nicht leben“, sagte der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung, Hans Michelbach (CSU), dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom Montag. Ein branchenübergreifender Mindestlohn widerspreche „den Prinzipien der Marktwirtschaft“, für die die Union stehe.

Kauder sagte der „Bild“-Zeitung (Montag-Ausgabe), er halte „nach wie vor“ nichts davon, dass die Politik allein einen Mindestlohn per Gesetz vorschreibe. Die Vereinbarung von Löhnen bleibe weiter Aufgabe der Tarifpartner. Arbeitgeber und Gewerkschaften müssten sich auf eine Lohnuntergrenze verständigen, die Politik könne dabei aber „durchaus einen Schritt machen“.

Auch Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sagte, über eine gemeinsame Lohnuntergrenze würden weiterhin die Tarifparteien befinden. „Wir haben nicht umgedacht, wir vollziehen keine Wende“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ vom Montag. Voraussetzung für einen Mindestlohn sei, dass er nach dem Prinzip der Tarifautonomie zustande komme.

Einem Pressebericht zufolge hatten sich Fuchs, der auch Leiter des Parlamentskreises Mittelstand ist, und der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmer (CDA), Karl-Josef Laumann, darauf verständigt, dass eine Kommission künftig eine Untergrenze für Löhne festlegen soll, die anschließend von der deutschen Regierung bestätigt werden soll. Die CDU hatte einen gesetzlichen Mindestlohn bisher stets abgelehnt.

Kurz vor dem Durchbruch

Laumann zeigte sich überzeugt, dass der Vorstoß der CDA auf dem Parteitag in der CDU im November große Unterstützung finden wird. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag-Ausgabe) sagte er, er sei froh, dass die CDU-Führung das Anliegen unterstütze. Er sei sicher, dass die Mehrheit der Delegierten beim Parteitag dafür gewonnen werden könne.

Die Schwesterpartei CSU reagierte positiv auf den Vorschlag, Mindestlöhne künftig von einer Kommission der Tarifpartner festlegen zu lassen. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sprach von einer „überlegenswerten“ Idee. Die Tarifpartner dürften „nicht aus der Verantwortung entlassen werden“, verlangte die CSU-Politikerin im „Hamburger Abendblatt“ (Montag-Ausgabe).

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, zeigte sich unterdessen optimistisch, dass Mindestlöhne für alle Branchen noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich geregelt werden können. „Ich habe das Gefühl, wir stehen kurz vor dem Durchbruch“, sagte Sommer am Sonntag dem Radiosender HR-Info. Er glaube, dass sich nach dem CDU-Parteitag im November sehr viel tun werde.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Hubertus Heil zog dagegen die Ernsthaftigkeit des CDU-Kurswechsels in Zweifel. „Es ist ja schön, wenn die CDU sich auch in dieser Frage sozialdemokratischen Positionen nähert, aber ich sehe nicht, wie sie sich in dieser Koalition damit durchsetzen könnte“, sagte Heil dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom Montag. (APA/AFP)