Schaffen Kapitalziel ohne Staat und ohne Beteiligungsverkäufe
Raiffeisen werde der Europäischen Bankenaufsicht noch vor Weihnachten ein Konzept vorlegen, wie sie die vorgegebene Mindestquote erfüllen werde.
Wien - Vor Weihnachten wird Raiffeisen der Aufsicht ein Konzept vorlegen, wie die RZB (und die Raiffeisen Bank International) bis Juni 2012 die von der Europäischen Bankenaufsicht EBA vorgegebene Mindestquote von 9 Prozent beim harten Kernkapital aufstellen wird. RZB-Chef Walter Rothensteiner versicherte am Weltspartag vor Journalisten, dass dies ohne weitere Staatshilfe und auch ohne Beteiligungsverkäufe vonstatten gehen solle.
Zeit zu kurz
Von den 2,9 Mrd. Euro, die die EBA bei den drei systemrelevanten Großbanken Raiffeisen Zentralbank, Erste Group und ÖVAG als Kapitalbedarf ausmachte, entfielen nach EBA-Rechnung 1,9 Mrd. Euro auf Raiffeisen. „Die Zahl hat uns überrascht“, so Rothensteiner. Und die bemessene Zeit sei kurz.
Das laut EBA geforderte harte Kernkapital besteht aus gezeichneten Aktien, aus einbehaltenen Gewinnen sowie den anrechenbaren staatlichen Partizipationsscheinen, die der Bund bei den Großbanken in der ersten großen Finanzkrise gezeichnet hat.
Rothensteiner beklagte heute, es sei schwer verständlich, dass die privaten Partizipationsscheine (bei Raiffeisen 1 Mrd. Euro) nicht anrechenbar seien, obwohl sie die selbe Wertpapiernummer hätten wie die staatlichen PS (1,75 Mrd. Euro). „Wir gingen eigentlich davon aus, dass Kapital angerechnet wird, das wir haben“.
Würden private PS mitgerechnet, hätte die RBZ Gruppe nur noch 900 Millionen aufzustellen - „und alle drei österreichischen Großbanken bräuchten wohl zwei Milliarden Euro weniger“, rechnete Rothensteiner heute vor. Auch Erste und ÖVAG haben zusammen rund eine Milliarde an privatem PS-Kapital.
900 Mio. Euro wären für Rothensteiner locker drin, er hält aber auch 1,9 Mrd. Euro für machbar. „Wir haben auch Gewinne“. Zu einer Aktienkapitalemission der RBI sagte er nichts.
Mit Eigentümern reden
Rothensteiner geht nicht davon aus, dass sich die per Juni erhobenen Kapitalbedarfszahlen bei Raiffeisen nach dem 3. Quartal wesentlich ändern. Die Abwertungen von Anleihen aus Euro-Schuldenländern (Obligo: Rund eine halbe Milliarde Euro) auf Marktwerte machten ihm keine Sorgen.
Ob Raiffeisen, wie vom Markt erwartet, seine privaten PS in anrechenbares Grundkapital umwandelt, darüber wollte Rothensteiner heute keine Angaben machen. Er wolle vorher mit den Eigentümern reden. Sie „sollen nicht in der Zeitung lesen, worüber sie befinden“. Die privaten PS sind von Raiffeisenlandesbanken, aber zum guten Teil auch von Privatanlegern gezeichnet.
Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad hielt am Montag fest, er gehe „mit Sicherheit“ davon aus, dass die RZB die Frage der Kapitalausstattung ohne Staatshilfe lösen wird können. Verkäufe bzw. Geschäftsrückführungen seien kein Thema, das müsse vermieden werden, so weit das irgendwie gehe. „Wir haben auch nichts zu verschenken. Wir sind ja nicht Feind unseres Geschäfts“, so Konrad zur APA. „Man verkauft keine Beteiligungen, wenn alle Welt darauf schaut“, bekräftigte Rothensteiner dazu. „Da könnte man nur billig verkaufen.“ (APA)