Erstes US-Finanzinstitut Opfer von Euro-Krise
MF Global hatte zuletzt ausgiebig in europäische Staatsanleihen investiert - und ist damit das erste US-Unternehmen, das der Euro-Krise zum Opfer gefallen ist.
Die Pleite des US-Wertpapierhändlers MF Global bringt dessen Chef Jon Corzine in Bedrängnis. Das Unternehmen beantragte am Montag Gläubigerschutz, wie aus Unterlagen der zuständigen New Yorker Justizbehörden hervorgeht. Unter Corzine hatte MF Global zuletzt ausgiebig in europäische Staatsanleihen investiert - und ist damit das erste US-Unternehmen, das der Euro-Krise zum Opfer gefallen ist.
Bei dem insolventen Brokerhaus MF Global werden einer US-Zeitung zufolge Kundengelder in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar vermisst. Wie die „New York Times“ in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertraute Personen berichtete, haben US-Aufsichtsbehörden das Fehlen der Gelder in den vergangen Tagen bemerkt. Zunächst seien fast eine Milliarde Dollar vermisst worden. Die Summe habe sich bis zum späten Montagabend dann auf weniger als 700 Mio. Dollar (500 Mio. Euro) verringert.
MF Global hatte den Behörden zufolge riskante Wettgeschäfte mit europäischen Schuldpapieren abgeschlossen. Für rund 6,3 Mrd. Dollar kaufte das Unternehmen Staatsanleihen in der Hoffnung, dass diese an Wert zulegen würden. Mehr als die Hälfte des Geldes steckte das Unternehmen den Angaben zufolge in Papiere aus Italien und Spanien - Länder, die an den Finanzmärkten immer noch stark unter Druck stehen.
Der „New York Times“ zufolge entdeckten Regulierungsbehörden am Wochenende in den Büchern von MF Global das enorme Finanzloch - die erwähnten 700 Mio. Dollar. Derzeit laufe eine Untersuchung, die klären soll, ob das Unternehmen das Geld seiner Kunden genutzt hat, um damit im eigenen Namen Geschäfte zu machen, berichtete die Zeitung. Die Behörden untersuchen demnach, ob MF Global das Geld seiner Kunden investierte, um damit den eigenen Niedergang noch abzuwenden.
Beobachter erwarten nicht, dass eine Pleite des Börsenhändlers zu so weitreichenden Folgen führt wie der Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers vor gut drei Jahren. MF Global gilt als international nicht so stark vernetzt wie es die Lehman-Bank war.