Milliardendeal

Kaufhof-Übernahme: Tritt Benko gegen Karstadt in den Ring?

Karstadt will die Galeria Kaufhof übernehmen. Doch auch die Signa von Rene Benko und George Economou könnten in das Rennen um den Milliardendeal einsteigen.

Düsseldorf – Für die seit Jahren zum Verkauf stehende deutsche Kaufhauskette Kaufhof stehen die Interessenten plötzlich Schlange. Es gebe Sondierungsgespräche sowohl mit dem Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen als auch mit der österreichischen Immobiliengruppe Signa von Rene Benko, bestätigte laut dpa die Kaufhof-Mutter Metro am Mittwoch. „Wir haben der Metro ein offizielles Angebot für Kaufhof vorgelegt und befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen“, so Benko zu Reuters. „Wir sind stark interessiert und hoffen, die Verhandlungen in den nächsten Wochen zu Ende bringen zu können“, betonte er laut „Börse-Express“. Die spanische Kaufhaus-Gruppe Corte Inglés soll ebenfalls an Kaufhof mit den 139 Filialen interessiert sein.

Der Reeder Economou hält die Hälfte der Immobilienfirma Signa, die dem Tiroler Immobilien-Investor Benko untersteht. Den hat der Reeder nun auch vorgeschickt, um den Erwerb von Kaufhof einzufädeln, schrieb das „Handelsblatt“. Berichten zufolge sollen die Investoren seit Wochen die Zahlen der Metro-Tochter im Datenraum in Düsseldorf durchleuchten.

Nicht nur die Immobilien sind interessant

Economou und Benko sollen sich demnach nicht nur für die Kaufhaus-Immobilien interessieren, deren Wert Branchenexperten auf 1,3 Milliarden Euro taxieren. Auch das operative Warenhausgeschäft will die griechisch-österreichische Geschäftsverbindung laut Zeitung übernehmen. Der Betrieb ist nach Schätzungen von Einzelhandelsanalysten zwischen 600 und 700 Millionen Euro wert. Doch schon jetzt sollen die Kaufinteressenten der Metro einen Mindestpreis von 2,4 Milliarden Euro für das Gesamtpaket zugesichert haben, heißt es in der Branche.

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen will mit einer Übernahme des Konkurrenten Galeria Kaufhof eine gemeinsame Warenhaus-Kette schmieden. Am Mittwoch bestätigte der größte deutsche Handelskonzern Metro, dass der Unternehmer ein Angebot für die Tochter vorgelegt habe. Mit einem möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof käme die Bildung einer „Deutschen Warenhaus AG“ erneut auf die Tagesordnung.

Ziel sei es, Kaufhof und Karstadt unter einem Dach zu vereinen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Verhandlungskreisen. Allerdings ist Berggruen nicht der einzige Interessent: Ein Metro-Sprecher bestätigte, dass Signa ein Angebot für die Warenhaus-Vertriebsschiene abgegeben habe. An der Börse reagierten die Anleger erfreut auf die Neuigkeiten: Die Aktie lag am frühen Abend mit mehr als 2 Prozent deutlich im Plus.

Sondierungsgespräche mit beiden Interessenten

Mit beiden Interessenten würden Sondierungsgespräche, aber keine Verhandlungen geführt. Es lägen seriöse Angebote vor und die würden nun geprüft, hieß es. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über eine Angebot von Signa in Höhe von mindestens 2,4 Milliarden Euro berichtet.

Ein Berggruen-Sprecher wollte sich zu einem möglichen Angebot für Galeria Kaufhof nicht äußern. Er sagte der dpa am Mittwoch, Berggruen habe das Investment bei Karstadt immer als langfristig angesehen. „Wir glauben an das Geschäftsmodell Warenhaus.“ Berggruen hatte die insolvente Kette mit insgesamt 115 Häusern in Deutschland 2010 nach einer monatelangen Zitterpartie übernommen. Der Kaufhof ist an knapp 140 Standorten vertreten.

Gewerkschaft kritisch gegenüber deutscher Lösung

Ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi äußerte sich dagegen kritisch zu diesen Überlegungen: „Unsere Skepsis gegenüber einer deutschen Warenhaus AG ist seit langem bekannt“, sagte der Sprecher und wies auf mögliche Auswirkungen eines solchen Plans auf die Arbeitsplätze hin.

Der Aufsichtsrat der Metro wollte am Nachmittag in Düsseldorf zusammenkommen. Nach Angaben von Verdi gab es für die Sitzung des Kontrollgremiums aber keine Vorlagen zum Thema Verkauf. Die Gewerkschaft ist auf Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat vertreten. Am Donnerstag legt der scheidende Konzernchef Eckhard Cordes die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate vor.

Wie es aus Metro-Unternehmenskreisen weiter hieß, hat Berggruen für das operative Geschäft von Galeria Kaufhof alleine und für die Immobilien mit anderen Investoren Offerten abgegeben. Jeder zweite Standort des Warenhauses, das seit 1986 mehrheitlich zum Metro-Konzern gehört, befindet sich im eigenen Besitz. Mit einer Trennung von Immobilien und operativem Geschäft sei Metro immer sehr vorsichtig gewesen und es sei fraglich, ob sie sinnvoll sei, hieß es weiter.

Viel Kapital gebunden

Die Metro hatte Kaufhof 2008 offiziell auf die Verkaufsliste gesetzt, weil sich das Warenhausgeschäft nicht so leicht auf das Ausland übertragen lässt. Mit seinen anderen Töchtern Cash & Carry, Media-Saturn oder Real, ist der Handelskonzern hingegen stark im Ausland unterwegs und erwirtschaftet so inzwischen mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes außerhalb Deutschlands. Das Warenhaus-Geschäft hat zudem den Nachteil, dass es viel Kapital bindet.

Cordes steht seit einigen Wochen zudem enorm unter Druck: Nachdem monatelang öffentlich über seine Zukunft im Konzern spekuliert worden war, hatte der 60-Jährige Manager vor wenigen Wochen verkündet, dass er für eine Verlängerung seines noch bis Ende Oktober 2012 laufenden Vertrages nicht mehr zur Verfügung stehe. Seitdem wird nach einem Nachfolger gesucht. Cordes wird unter anderem angelastet, mit dem geplanten Verkauf von Galeria Kaufhof nicht vorangekommen zu sein. (APA/dpa/AFP/Reuters)