UNO-Arbeitsorganisation ruft G-20 zur Schaffung von Jobs auf
ILO-Chef Somavia fordert die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.
München – Die Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen hat die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer der Welt aufgefordert, konsequent gegen die Arbeitslosigkeit vorzugehen. „Die Aussichten für den globalen Arbeitsmarkt sind düster“, schreibt der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Juan Somavia, in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe). Die Arbeitslosenzahl liege bei mehr als 200 Millionen und steige weiter an. Derzeit nehme die Beschäftigung nur um ein Prozent oder weniger pro Jahr zu. Damit würden die 30 Millionen Arbeitsplätze, die seit dem Beginn der Krise im Jahr 2008 weggefallen seien, nicht ersetzt werden können. Doch ohne entschlossenes Handeln der G-20 könne es noch schlimmer kommen.
„Durch die Verlangsamung der Weltwirtschaft seit Mitte 2011 stehen wir am Rande einer globalen Arbeitsmarktrezession, die ein ganzes Jahrzehnt andauern könnte.“ Die Staats- und Regierungschef müssten sich mit der gleichen Vehemenz wie sie die Finanzkrise bekämpften auch der Tragödie der Millionen Menschen ohne Arbeit oder in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen widmen. „Denn sie sind es, die den Preis für eine Krise zahlen, an der sie in keiner Weise Schuld sind.“
Innerhalb der nächsten fünf Jahre müssten deshalb die Investitionen in die Infrastruktur für Arbeitsplätze von derzeit fünf bis sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf acht bis zehn Prozent erhöht werden. Kleine und mittlere Unternehmen sollten Zugang zu Bankfinanzierungsmöglichkeiten und Managementunterstützungssystemen erhalten. Der Fokus müsse dabei auf jungen Menschen liegen - zum Beispiel durch die Schaffung von effektiven Ausbildungsprogrammen und Orientierungs-Angeboten, die den Wechsel von der Schule in die Arbeitswelt erleichtern.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat die Staats-und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) zu „mutigen Lösungen“für die gegenwärtige globale Vertrauenskrisegedrängt. In einem Gastbeitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag-Ausgabe)zu dem am Donnerstag in Cannes beginnenden G-20-Gipfel schrieb Ban, die Zeit des „Feilschens über schrittweise Zugeständnisse“ müsse vorbei sein. Er forderte die G-20 auf, die Entscheidungen des Brüsseler EU-Gipfels zur Beilegung der Euro-Krise zu unterstützen.
Der UNO-Generalsekretär setzte sich insbesonderefür die Armen, Frauen und jungen Menschen ein. Vonihnen Geduld zu verlangen, während andere Probleme gelöst würden, sei „unmoralisch“. Ein Scheitern des G-20-Gipfels wäre Ban zufolge „katastrophal“.(APA/AFP)