Protestcamp vor St. Paul‘s Cathedral darf bis 2012 bleiben
Rund 200 Aktivisten von „Occupy London“ haben Mitte Oktober vor der Londoner St. Paul‘s Cathedral ihre Zelte aufgestellt.
London – Das Protestcamp gegen die Macht der Finanzwelt vor der Londoner St. Paul‘s Cathedral darf nach Angaben eines Anwalt bis mindestens Neujahr dortbleiben. Rechtsanwalt John Cooper, der die Gruppe „Besetzt die Londoner Börse“ vertritt, erklärte über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter, die zuständigen Stadtbehörden hätten ihm das bei einem Treffen am Mittwoch zugesagt. Ein Sprecher der City of London wollte das zunächst weder bestätigen noch dementieren. Die Stadt hatte am Dienstag angekündigt, dass sie ihre juristische Aktion zur Räumung des Camps zunächst aussetze, nachdem sich die Kirchenleitung aus dem Verfahren zurückgezogen habe.
Die Finanzmarktkritikerin Tina Rothery sagte, die Aktivisten würden nun über die Aufforderung der Stadt beraten, die Zahl der derzeit rund 200 vor der Kathedrale aufgestellten Zelte zu verringern. Die Demonstranten orientieren sich am Protest gegen die New Yorker Wall Street (Occupy Wall Street). Mitte Oktober wollten sie vor der Londoner Börse campieren, um gegen die Macht der Banken, staatliche Sparmaßnahmen und soziale Ungleichheit zu protestieren. Als ihnen das untersagt wurde, wichen sie zu der nahe gelegenen Kirche aus.
Wegen des Protestcamps wurde St. Paul‘s Cathedral, ein Touristenmagnet, am 21. Oktober erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg für eine Woche geschlossen. Dadurch gingen pro Tag 20.000 Pfund (23.000 Euro) an Spenden und Eintrittsgeldern verloren. Zwei Geistliche, Domherr Giles Fraser und Kaplan Fraser Dyer, legten aus Solidarität mit den Demonstranten ihre Ämter nieder. Dekan Graeme Knowles, der das Zeltlager vor der Kathedrale beenden wollte, trat am Montag zurück. Die Anglikanische Kirche ist in ihrer Haltung gegenüber dem Protest zunehmend gespalten. (APA/AFP)