Kaufhof-Übernahme

René Benko schickt Ex-Porsche-Chef Wiedeking in den Ring

René Benkos Signa Holding soll Kaufhof-Mutter Metro einen Mindestpreis von 2,4 Milliarden Euro zugesichert haben, heißt es aus Branchenkreisen.

Wien - Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking „ist seit geraumer Zeit Mitaktionär bei Signa“, sagte René Benko, Geschäftsführer und Gründer der Signa-Gruppe, zum „Handelsblatt“: Er ziehe auch gerade in den Beirat und in die Aufsichtsräte verschiedener Signa-Beteiligungen ein. Nach Informationen der Zeitung war es auch Wiedeking, der das Interesse der österreichischen Immobilienfirma an Kaufhof anmeldete.

2,4 Milliarden Euro

Wiedeking und Metro-Chef Eckhard Cordes kennen einander als ehemalige Automanager gut, so das „Handelsblatt“: Cordes war im Vorstand der damaligen Daimler-Chrysler AG zuletzt zuständig für Mercedes-Benz während Wiedeking Porsche-Chef war. „Signa soll den Düsseldorfern einen Mindestpreis von 2,4 Milliarden Euro für das Gesamtpaket aus Immobilien und operativem Geschäft der Warenhäuser geboten haben, heißt es unter den mit der Angelegenheit Vertrauten“, so die Zeitung.

Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ sagte Benko, „die Metro fokussiert sich momentan stark auf uns. Sie halten uns für den idealen Eigentümer“. Das liege daran, dass Signa Erfahrung mit Handelsimmobilien und Warenhauskonzepten habe. „Zudem sind wir ein seriöser und glaubwürdiger Bieter“. Der Verkauf könne noch vor Weihnachten über die Bühne gehen. Das sei ehrgeizig aber nicht unmöglich, da Signa als Unternehmen in privater Hand schnell entscheiden könne.

Das Gegenangebot von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen beunruhige ihn nicht, sagte Benko. „Wir prüfen seit ein paar Wochen die Geschäftszahlen von Kaufhof. Soweit ich weiß, ist Herr Berggruen noch nicht so weit“. Es handle sich um ein Konkurrenzangebot, „aber wir nehmen es nicht besonders ernst“. Zugleich lässt Benko offen, ob er mit Karstadt zusammenarbeiten will. Momentan konzentriere sich Signa auf die Übernahme von Kaufhof, das Unternehmen sei auch alleine stark aufgestellt. „Wir sind aber für jede sinnvolle Lösung offen“.

Als Einheit kaufen

Benko betont, er sei nicht nur an den Immobilien interessiert, sondern auch am operativen Geschäft. „Wir wollen Kaufhof definitiv als Einheit weiterführen“. Signa sei eigenkapitalstark und liquide, „denn wir haben zwei wohlhabende Familien - eine aus Österreich und eine aus Deutschland - an Bord“. Außerdem halte der griechische Reeder und Milliardär George Economou 50 Prozent minus eine Aktie an Signa - sei aber nur Geldgeber und nicht im operativen Geschäft tätig. „Dafür bin ich zuständig“. Benko sieht sich auch dezidiert nicht als von Economou vorgeschoben.

Dennoch werde ein Teil des Deals über Banken finanziert werden. „Wir haben schon Gespräche mit großen österreichischen und deutschen Instituten geführt, die uns unterstützen würden“. Es stimme auch nicht, dass Economou in der Finanzbranche einen zweifelhaften Ruf habe. Der Firmensitz der Economou-Reederei Dry-Ships im Steuerparadies Marshallinseln bewahrte den griechischen Reeder bisher vor umfangreichen Nachforschungen der Finanzbehörden zu diversen Geschäften, so das „Handelsblatt“. Außerdem sei seit den Zeiten von Aristoteles Onassis die Branche in Griechenland von der Steuer befreit.

In der „Süddeutschen Zeitung“ meinte Benko, er sei nach wie vor Hauptgesellschafter der Signa-Gruppe und habe „in Verbindung mit der deutschen Centrum-Gruppe vor anderthalb Jahren begonnen, auch an geeigneten Stellen in Deutschland zu investieren, etwa in der Innenstadt von München und Düsseldorf. ... Natürlich ist die Kaufhof-Gruppe für uns ein strategisches Ziel mit vielen guten Objekten in bester Einkaufslage“. Der Zugang sei „natürlich primär der eines großen Immobilien-Investors. Die Gebäude stellen den größeren Teil des Kaufpreises dar. Aber in diesem Fall reizt es uns, in das gute operative Geschäft zu investieren, mit einem hochprofessionellen Management. Das ist neu für uns. Der Fokus liegt ganz klar darauf, die Warenhäuser von Kaufhof in die Zukunft zu führen“. Zu den Zahlen dürfe er nichts sagen, aber es gebe „seit geraumen Wochen“ intensive Gespräche mit der Metro-Gruppe.

Langfristige Ausrichtung

Wiedeking sei von Anfang an involviert gewesen. „Er war bei allen Gesprächen dabei. Er ist einer meiner Investoren und wird in Kürze in den Unternehmensbeirat und in den Aufsichtsrat der Signa-Gruppe einziehen. Wir sind aus Sicht der Metro-Gruppe, so glaube ich, ein sehr bevorzugter Investor, weil wir eine langfristige Ausrichtung haben. Dafür sind wir bekannt. Das kurzfristige Geld interessiert uns nicht. Wir sind kein Private-Equity-Fonds“. Wiedeking sei „ein enger Freund von mir und seit einiger Zeit Mitaktionär. Für den Fall, dass wir Kaufhof erwerben, wird er sich an meiner Seite engagieren. Mein wichtigster Wegbegleiter ist der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Er steht auch dem Unternehmensbeirat vor“, so Benko zur „Süddeutschen“.

Ferraris hat Benko demnach zwar gehabt, aber inzwischen wieder verkauft: „Das kauft man sich als solventer Jung-Unternehmer, so wie jeder seinen Jugendtraum von einem Sportwagen hat. Ich fahre jetzt normale S-Klasse Mercedes.“ Außerdem habe er zwei Flugzeuge: „Die Flieger leugne ich insofern nicht, als mir das die Chance eröffnet, das Pensum zu bewältigen. Ich muss jeden Tag in einer anderen Stadt sein“.

Mit Karstadt-Besitzer Berggruen will sich Benko kein „Wettbieten“ liefern. „Signa bietet einen attraktiven Preis, das ist am Ende des Tages auch für Metro attraktiv“. Noch heuer soll unterschrieben werden. (APA)