Banken flüchten en masse aus Euro-Staatsanleihen
Die Schuldenkrise in Europa lässt Banken scharenweise aus Staatsanleihen in der Euro-Zone flüchten.
London – Europäische Großbanken haben im Strudel der Euro-Krise in Scharen die Flucht aus Staatsanleihen angetreten. Um das Risiko in ihren Bilanzen zu reduzieren, trennen sie sich vor allem von den Anleihen der gefährdeten südeuropäischen Staaten - aber auch bei Titeln von bessergestellten Schuldnern wie Frankreich drücken sie zunehmend auf den Verkaufsknopf. Dadurch geraten die ohnehin gebeutelten Preise für die Schuldpapiere weiter unter Druck. Die EZB gilt als wichtigster Käufer für die Anleihen, aber auf dem Markt tummeln sich auch zunehmend Hedge Fonds, die auf Spekulationsgewinne hoffen.
Einige Beispiele für die Verkäufe der Großbanken:
Die französische Großbank BNP ist der größte ausländische Privatgläubiger Griechenlands und nahm am Donnerstag eine Abschreibung von 2,1 Milliarden Euro auf die Papiere vor. Ein ranghoher Bankmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Regierung habe dem Institut im Sommer faktisch den Verkauf griechischer Papiere untersagt, um die Krise nicht zu verschärfen.
Das Institut trennte sich dennoch von Staatsanleihen im Volumen von insgesamt 25 Milliarden Euro - ein Viertel seiner Bestände. BNP verkaufte beispielsweise in den vergangenen vier Monaten italienische Anleihen über 8,2 Milliarden Euro und hält jetzt noch 12,6 Milliarden an den Papieren. Das Geldhaus verkaufte zudem 2,2 Milliarden an spanischen Titeln, eine Milliarde an französischen und 1,4 Milliarden an deutschen Schuldtiteln.
Die niederländische ING gab am Donnerstag bekannt, ihre Bestände an griechischen, italienischen, irischen, portugiesischen und spanischen Titeln in den vergangenen vier Monaten um 5,4 Milliarden Euro reduziert zu haben.
Die britische Barclays erklärte vergangene Woche, vor allem durch den Verkauf von Staatspapieren ihr Risiko in Spanien, Italien, Portugal, Irland und Griechenland um knapp ein Drittel auf acht Milliarden Euro reduziert zu haben.
Die Deutsche Bank hatte ihr Engagement in Italien bereits nach dem zweiten Quartal drastisch auf eine Milliarde von acht Milliarden Euro reduziert, indem sie sich gegen Verluste dort absicherte. Im dritten Quartal ist das Länderrisiko in Italien aber wieder auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen, weil die Bank den Auftrag hat, den Handel mit italienischen Staatsanleihen in Schwung zu halten.
Commerzbank-Chef Martin Blessing hat angekündigt, sich von Staatsanleihen zu trennen: „Ich fahre das runter, klar“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vergangene Woche. Das sei aber schwierig, weil es bei Staatsanleihen einen „Käuferstreik“ gebe. Griechische Staatsanleihen seien „de facto unverkäuflich. Die können Sie nur abschreiben.“ (APA)