Kinderpornografie - die Täter im Netz verfolgen
Bei der Jagd nach Tätern im Bereich der Kinderpornographie setzt das BKA auf das Internet und verwertet Hinweise aus der Bevölkerung.
Innsbruck – Sexueller Missbrauch beginnt im Internet, mit obszönen Bildern und Videos von Kindern. Bei der Tagung „Täterarbeit im Spannungsfeld“ in Innsbruck gab Jürgen Ungerböck, Spezialist für Onlineermittlungen beim Bundeskriminalamt (BKA), Einblicke wie Täter im Internet agieren. Und wie sie verfolgt werden können. Seit zehn Jahren gibt es beim BKA eine eigene Meldestelle zur Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet. „Die verwertbaren Hinweise steigen kontinuierlich an“, sagte Ungerböck am Donnerstag.
Bei seinem Vortrag zu „Onlineermittlungen im Bereich sexueller Ausbeutung von Kindern“ erklärte er, wie das BKA-Team nach solchen Hinweisen mit internationalen Behörden zusammenarbeitet. Mit einem System zum schnellen Datenaustausch werden Bilder oder Videos zwischen den einzelnen Behörden der Länder ausgetauscht, um eine rasche Täter-Opfer-Identifizierung durchführen zu können.
Dadurch gelang es zum Beispiel, ein Bild von einem jungen Mädchen, das in Kanada aufgetaucht war, der Kamera eines Deutschen zuzuordnen. „Nach nur drei Wochen konnten wir den Mann ausforschen“, sagte Ungerböck.
Nach entsprechenden Hinweisen können auch mit einem Scan-Programm einschlägige Server abgesucht werden. „Die Community, die Kinderpornografie online stellt und konsumiert, existiert“, stellte der Ermittler klar. Um das zu untermauern, präsentierte er Zahlen zu der internationalen Operation „Sledgehammer“.
Im Zuge der Operation wurden innerhalb von 76 Stunden insgesamt 144.000 Zugriffe aus 170 Ländern auf obszöne Aufnahmen nachgewiesen. In Österreich wurden 1354 IP-Adressen ausgeforscht und 189 Anzeigen eingebracht. „Im Normalfall sind Pädophilen-Seiten geschlossen und sehr gut geschützt. Das bedeutet, dass wir als Ermittler auch verdeckt arbeiten müssten. Wir dürfen aber nur nach Hinweisen eingreifen und können nicht von selbst aus verdeckt arbeiten“, sagte Ungerböck. (chris)