Live-Ticker zur Schuldenkrise

Papandreou übersteht Vertauensabstimmung im Parlament

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) kommen an diesem Freitag in Cannes zum zweiten und letzten Tag ihrer Beratungen zusammen. In den Gesprächen soll es um die Themen Klima und Energie gehen. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Schulden- und Griechenlandkrise auch den zweiten Tag des Gipfels sehr stark überlagern wird. Denn in Griechenland droht der Sturz Papandreous.

Innsbruck – Am Montag hat der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou mit seinem Vorhaben eine Volksabstimmung über das Rettungspaket abzuhalten weltweit für Aufregung gesorgt. Gestern gab er diesen Plan auf, im Gegenzug einigte er sich mit der Opposition auf eine Übergangsregierung. Heute Abend wird er im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Experten gehen von einem Sturz Papandreous aus. Derweil tagen die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) im französischen Cannes. Auf der Tagesordnung sollten Themen wie Klima, Energie und Bankenregulierung stehen. Jedoch überschattet die Euro-Krise den G-20-Gipfel. Hier die Ereignisse des Tages im Live-Ticker.

23.57 Uhr: Die Regierung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgios Papandreou hat die Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament überstanden.

23.38 Uhr:

Nach der Rede des Finanzministers Evangelos Venizelos hat die Abstimmung begonnen. Jeder der 300 Abgeordneten wird namentlich aufgerufen und muss seine Entscheidung bekanntgeben.

Zuvor hat Venizelos die Bildung einer neuen Übergangsregierung bis zum kommenden Montag gefordert. Die Lage sei „sehr ernst“, sagte Venizelos am späten Freitagabend im Parlament in Athen. Er verwies auf das Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel am Montag.

Die Übergangsregierung solle bis Ende Februar agieren. Dann solle es Neuwahlen geben, sagte Venizelos. Der Finanzminister gilt als möglicher neuer Ministerpräsident, falls Regierungschef Giorgos Papandreou sein Amt niederlegen sollte.

23.27 Uhr:

Die Vertrauensabstimmung verzögert sich. Noch spricht der r griechische Finanzminister Venizelos. Zur Zeit ist nicht absehbar, wie lange die Debatte noch laufen könnte.

23.05 Uhr: Papandreou kündigte an, er werde am Samstag den Staatspräsidenten besuchen und ihn informieren, dass er bereit sei, mit den anderen Parteichefs Gespräche über die Bildung einer breiten Regierung aufzunehmen. Er fügte hinzu: „Und dann wollen wir sehen, wer diese Regierung führen wird.“

22.57 Uhr:

Papandreou hat einen breiten politischen Konsens in dem hoch verschuldeten Land gefordert. Dies sei die einzige Chance, um die nächste Milliarden-Hilfstranche der internationalen Geldgeber zu erreichen, sagte Papandreou im Parlament in Athen.

Die Regierung brauche das Vertrauen der Bevölkerung, es sei nun Stabilität in Griechenland notwendig. Ohne die acht Milliarden starke nächste Hilfstranche der internationalen Geldgeber drohe dem Land im Dezember die Pleite. Man wolle den Verpflichtungen nachkommen, um die Hilfszahlungen zu bekommen.

Papandreou betonte, jetzt sei die Zeit, einen Neuanfang zu machen. „Und wenn ich dazu beitragen kann, dann tue ich es.“ Er sei nicht beruflich in der Politik und er wolle helfen. Auch morgen müsse das Land weiter regiert werden: „Deswegen brauche ich Ihre Stimme“ wandte er sich an die Parlamentarier.

22.34 Uhr:

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat die Beschlüsse des EU-Krisengipfels als „letzte Chance“ für die Entwicklung des Landes bezeichnet. Diese „letzte Chance“ sollte sich Griechenland nicht verbauen, sagte Papandreou in seiner Rede, die er etwas früher als erwartet kurz nach 22 Uhr begann. Das Land erlebe „historische Momente“, in denen die Opposition teilnahmslos sei, kritisiere und blockiere. „Wir tragen das Kreuz des Leidens, obwohl wir nicht für die Probleme verantwortlich sind“, sagte der Ministerpräsident weiter.

Er sprach zudem von dem seit 24 Monaten laufenden Kampf um die Zukunft des Landes. In diesem Kampf sei die Opposition teilnahmslos gewesen. Griechenland zahle heute die Fehler der Vergangenheit. Die Defizite des Landes aber seien auf die heutige Oppositionspartei Nea Dimokratia zurückzuführen. Nun werde eine breite Unterstützung gebraucht. Ein Volksreferendum hätte seiner Ansicht nach eine klare Antwort des Volkes gegeben, das Volk hätte mit „Ja“ gestimmt. Das Referendum sei aber vom Tisch.

21.54 Uhr:

Die US-Ratingagentur Moody‘s hat die langfristige Kreditwürdigkeit des Eurolandes Zypern abgestuft. Sie senkte ihr Rating von „Baa1“ auf „Baa3“. Eine weitere Herabstufung sei möglich, teilte das Institut am Freitag mit. Nur eine Stufe unter der aktuellen Bewertung beginnt bei Moody‘s das „Ramsch“-Niveau, also der Bereich der besonders riskanten Anlagen. Die Agentur begründete ihren Schritt mit der „hohen Wahrscheinlichkeit“, dass die zypriotischen Banken staatliche Hilfe benötigen werden. Die kurzfristige Bewertung senkte das Institut von „Prime-2 „ auf „Prime-3“. Auch hier sind weitere Abstufungen möglich, die dann ebenfalls zum „Ramsch“-Status führen würden.

21.15 Uhr:

Zweifel an der Euro-Rettung und der anhaltend schwache US-Arbeitsmarkt haben die Wall Street zum Wochenausklang ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging am Freitag 0,5 Prozent tiefer auf 11.983 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 0,6 Prozent auf 1253 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,4 Prozent auf 2686 Punkte.

20.54 Uhr:

In der am späten Freitagnachmittag begonnenen griechischen Parlamentsdebatte zur Vertrauensfrage in Athen haben sich zunächst nur Abgeordnete der sozialistischen Regierungspartei PASOK von Premier Giorgos Papandreou zu Wort gemeldet. Diese wollen den gefährdeten Regierungschef tendenziell stützen. Bis kurz nach 20.00 Uhr sprachen mehr als 20 PASOK-Abgeordnete. Grundtenor ihrer Beiträge: Unterstützung für Papandreou - aber nur, wenn er die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vorantreibt, also eine breite Basis organisiert. Abgeordnete der Oppositionsparteien hingegen begründeten jeweils ihr klares Nein zu Papandreou.

20.00 Uhr:

Die Demonstration vor dem Parlament in Athen verlief nach Angaben der Polizei zunächst friedlich. Gespannt warten nun alle auf die Rede von Papandreou, die der Ministerpräsident voraussichtlich kurz vor der Abstimmung um 23 Uhr halten wird.

19.26 Uhr:

Die Probleme Italiens an den Finanzmärkten sind nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch einen Mangel an Glaubwürdigkeit zu erklären. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte am Rande des G-20-Gipfels im französischen Cannes, dies werde sowohl von der italienischen Regierung als auch ihren Partnern so gesehen. Den angekündigten italienischen Maßnahmen gegen die Krise fehle es an Glaubwürdigkeit, fügte sie hinzu.

18.31 Uhr:

Irland hat neue Sparmaßnahmen angekündigt, mit denen das Land die Vorgaben für das EU-Hilfspaket erfüllen will. Im Jahr 2012 soll die Schuldenlast um 3,8 Milliarden Euro reduziert werden, sagte Finanzminister Michael Noonan am Freitag. 1,6 Milliarden davon sollen durch Steuererhöhungen finanziert werden, 2,2 Milliarden Euro durch Ausgabenkürzungen. Mit weiteren Einschnitten soll das Haushaltsdefizit bis 2015 auf die Zielvorgabe von drei Prozent des BIP gedrückt werden. Die geplanten Maßnahmen fallen härter aus als erwartet. Grund dafür ist unter anderem, dass Irland seine Wachstumsprognosen für

2013 bis 2015 von 2,5 Prozent auf 1,6 Prozent reduzieren musste.

17.51 Uhr:

Der Kurs des Euro ist am Freitag nach dem Ende des G-20-Gipfels stark unter Druck geraten. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,3738 US-Dollar gehandelt. Zur Mittagszeit hatte der Euro noch 1,3862 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3773 (Donnerstag: 1,3773) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7261 (0,7261) Euro.

„Die Enttäuschung über die Ergebnisse des G-20-Gipfels hat den Euro belastet“, sagte Sebastian Sachs, Devisenexperte beim Bankhaus Metzler. So habe man die Entscheidung über die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) beim erweiterten Rettungsfonds EFSF auf den Februar vertagt. Die Hoffnung, dass die Politik ein klares Signal in der Schuldenkrise gibt, wurde nicht erfüllt.

„Die anfängliche Erleichterung über die Absage des griechischen Referendums ist einer neuen Unsicherheit gewichen“, sagte Sachs.

Endspiel in Athen

17.27 Uhr: Im griechischen Parlament hat am Freitag die entscheidende Debatte zur Vertrauensfrage begonnen, die der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou gestellt hat. Die Abstimmung dazu sollte gegen Mitternacht Ortszeit (23.00 MEZ) beginnen. Am Platz vor dem Parlament versammelten sich mehrere tausend Mitglieder der Kommunistischen Partei und forderten Neuwahlen. An der Debatte nimmt die konservative Partei nicht teil. Sie werde nur zur Abstimmung erscheinen, sagte ein Sprecher der Partei.

15.33 Uhr:

Im genauso wettverrückten wie euroskeptischen Großbritannien laufen bei den Buchmachern die Wetten auf den Zusammenbruch der Eurozone. „Es gibt ein lebhaftes Interesse an dieser Art von Wetten“, sagte der Sprecher der Buchmacher-Kette William Hill, Graham Sharpe, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in London. Allerdings reiche das Volumen der Einsätze längst nicht an das von Wetten auf Fußball oder Pferderennen heran. „Das ist eine andere Liga.“

Noch seien die meisten Wetter der Meinung, dass die Gemeinschaftswährung überlebe, sagte Sharpe. Wer ein Pfund darauf wettet, dass der Euro noch im Jahr 2012 als Währung von der Bildfläche verschwindet, bekommt im Erfolgsfall 3,75 Pfund zurück. Wer darauf setzt, dass der Euro als Währung den Silvesterabend überdauert, bekommt für ein Pfund Einsatz nur 1,25 Pfund ausbezahlt.

Auf die Frage, ob Griechenland Ende des Jahres noch Mitglied der Eurozone ist, sind sich die britischen Wetter uneinig. Mit einer Quote von jeweils 5/6 (1,83 Pfund für ein Pfund Einsatz) liegen die Skeptiker und die Optimisten gleich. Bei der Frage, welches Land als erstes die Eurozone verlässt, sind allerdings die Griechen der haushohe Favorit bei Buchmacher William Hill - vor Italien, Portugal und Spanien.

15.29 Uhr: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat sich angesichts der Schuldenkrise in Europa kämpferisch gezeigt. Die Euro-Zone werde nicht durch Druck von außen auseinanderfallen, sagte Sarkozy am Freitag zum Abschluss des G-20-Gipfels im französischen Cannes. Sarkozy hob die Fortschritte bei einer Reihe von wichtigen Themen hervor. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) hätten einen Aktionsplan zur gemeinsamen Stärkung der Weltwirtschaft verabschiedet, teilte Sarkozy mit, dessen Land in diesem Jahr die G-20-Präsidentschaft hat.

Vertrauensfrage immer um Mitternacht

15.10 Uhr: In den Statuten des griechischen Parlaments ist festgelegt, dass eine Vertrauensfrage immer drei Tage lang debattiert wird. Die eigentliche Abstimmung erfolgt dabei immer am dritten Tag um Mitternacht, auch das ist festgelegt.

Die Regel sieht vor, dass die Debatte an allen drei Tagen gegen 18.00 Uhr (17.00 MEZ) beginnt. Am dritten Tag unterbricht der Parlamentspräsident um Mitternacht (23.00 MEZ) die Diskussion. Dann beginnt die Abstimmung. Alle Abgeordneten werden namentlich aufgerufen, stehen auf und stimmen mit einem „Ja“ oder einem „Nein“ oder auch mit „Anwesend“ (Stimmenhaltung) ab.

Die eigentliche Abstimmung dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Einen speziellen Grund für die Abstimmung um Mitternacht gibt es nicht. Aber diese Tradition gibt es seit Jahrzehnten in allen griechischen Parlamenten. In anderen Fällen finden Debatten auch am Vor- und Nachmittag statt.

15.04 Uhr: Das französische Kabinett wird voraussichtlich am Montag weitere Ausgabenkürzungen von bis zu acht Milliarden Euro auf den Weg bringen. Zwar stand am Freitag eine offizielle Bestätigung aus, im Parlament hieß es aber, die wöchentliche Sitzung der Ministerrunde sei von Mittwoch auf Montag vorgezogen worden. Budgetministerin Valerie Pecresse hat zudem angekündigt, die Regierung werde sich sehr rasch nach dem G-20-Gipfel in Cannes, der am Freitag zu Ende gehen sollte, des Themas annehmen.

14.41 Uhr: EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat ein „Diktat“ beim G-20-Gipfel gegen Italien, sein Reform- und Sparprogramm auch vom IWF bewerten zu lassen, zurückgewiesen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte in der gemeinsamen Pressekonferenz im französischen Cannes, dass die Brüsseler Behörde nächste Woche eine Expertenkommission zur Einschätzung der Lage in Italien entsenden werde.

Van Rompuy betonte gleichzeitig, dass die Lage in Italien „völlig unterschiedlich“ zu der in Griechenland sei. Dies könne man nicht vergleichen. Italien selbst habe den Internationalen Währungsfonds eingeladen. Es habe eine korrekte Aussprache gegeben „und kein Diktat von irgendjemand, sondern Zusammenarbeit“.

14.34 Uhr: Der griechische EU-Abgeordnete und Ex-Außenminister Dimitris Droutsas hat einen Staatsbankrott Griechenlandes und ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone ausgeschlossen. Zu den Rettungsmaßnahmen der Europäischen Union und den geplanten Einschnitten gebe es keinen Plan B. „Darüber haben wir niemals gesprochen“, sagte der Politiker am Freitag im Gespräch mit der APA in Wien.

13.30 Uhr: Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im Oktober nur leicht aufgehellt. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 80.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Befragte Analysten hatten ein Plus von 95.000 erwartet. Die auf einer separaten Haushaltsbefragung basierende Arbeitslosenquote sank auf 9,0 von 9,1 Prozent. Zugleich wurden aber die September-Daten kräftig auf 158.000 von 103.000 Stellen nach oben revidiert.

13.00 Uhr: Die führenden Industriestaaten der Welt (G-20) wollen, dass die weltweit größten Banken ihre Geschäfte sicherer machen. Diese sogenannten systemrelevanten Banken sollen so umgebaut werden, dass Steuerzahler nicht mehr für Verluste aufkommen müssten, sagte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag nach dem G-20-Gipfel in Cannes. Zu den 29 weltweit betroffenen Finanzinstituten, die ihr Kapital stärken müssen, gehören laut Merkel die Deutsche Bank und die Commerzbank.

12.12 Uhr: Die privaten Gläubiger Griechenlands müssen sich nach Einschätzung von BayernLB-Chef Gerd Häusler auf noch höhere Verluste als ohnehin schon bekannt einstellen. Verbleibe Griechenland in der Währungsunion, werde letztlich ein noch größerer Forderungsverzicht unumgänglich, sagte der Chef von Deutschlands zweitgrößter Landesbank am Freitag bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Die Regierungschefs der 17 Euro-Länder hatten Ende Oktober ein umfassendes Paket geschnürt, das auch einen Schuldenerlass von 50 Prozent für Griechenland vorsieht. Dieser sogenannte Haircut löse aber noch nicht das „gravierende Wettbewerbsfähigkeitsproblem“ Griechenlands.

Länder bekennen sich zum verstärkten Schuldenabbau

11.30 Uhr: Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer haben sich einem Entwurf zufolge darauf geeinigt, die Binnennachfrage zu stärken und ihre Schulden abzubauen. Deutschland etwa habe sich verpflichtet, den privaten Konsum und die Investitionen anzukurbeln, wie am Freitag aus dem Entwurf für die Abschlusserklärung des G-20-Gipfels in Cannes hervorgeht. Auch Schwellenländer mit Überschüssen hätten sich bereiterklärt, stärker auf Binnenmarkt-gestütztes Wachstum zu setzen.

Das Statement enthält zudem länderspezifische Pläne für den Abbau von Schulden und Verpflichtungen zur Stabilisierung von Schulden. Auch die USA bekennen sich dem Entwurf zufolge dazu, die Erholung mit kurzfristigen Maßnahmen zu stützen. Zudem wolle China beim Wechselkurs seiner Währung mehr Flexibilität zeigen. Insgesamt sprechen sich die G-20 dafür aus, sich schneller auf ein flexibles und markt-orientiertes Wechselkurssystem zuzubewegen.

11.04 Uhr: Wegen der seit Sommer massiv verschärften Euro- und Griechenland-Schuldenkrise haben die Zukunftssorgen der Österreicher in diesem Bereich stark zugenommen. Während im Juli erst 17 Prozent sagten, die Themen Wirtschaftskrise, Finanzkrise und Euro würden sie im Sinne von Zukunftssorgen „besonders beschäftigen“, waren es im Oktober schon 47 Prozent. Und immerhin 55 Prozent glaubten zuletzt, dass von den Griechen-Finanzproblemen „auch Österreich bedroht“ sein könnte, im Sommer waren es nur 44 Prozent. „Der Trend ist ganz klar“, sagte der Politologe Peter Filzmaier, Chef des Instituts für Strategieanalysen (ISA), am Donnerstagabend vor Journalisten.

10.54 Uhr: Die Geschäftsbanken der Eurozone gehen vor dem Hintergrund der unsicheren Lage im hoch verschuldeten Griechenland immer stärker auf Nummer sicher. Die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) haben am Freitag massiv zugelegt und ein neues Jahreshoch erreicht. Sie stiegen von 252,95 Mrd. Euro am Vortag auf 275,23 Mrd. Euro. Damit parkten die Banken bei der Notenbank über Nacht so viel Geld wie seit 16 Monaten nicht mehr.

Wahrscheinlichkeit einer Rezession über 50 Prozent

10.34 Uhr: Nach der Zinswende der EZB hat Ratsmitglied Yves Mersch mit einem düsteren Konjunkturausblick Spekulationen über eine weitere geldpolitische Lockerung genährt. „Noch vor einigen Monaten veranschlagten wir die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall in die Rezession bei weniger als zehn Prozent, jetzt liegt sie bei mehr als 50 Prozent“, warnte der luxemburgische Notenbankchef in einem Rundfunk-Interview am Donnerstagabend.

10.09 Uhr: Mit Gesprächen über die Finanzmarktregulierung haben die Staats- und Regierungschefs der G-20-Länder am Freitag ihren Gipfel im südfranzösischen Cannes fortgesetzt. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) wollen am letzten Tag ihres Treffens zudem einen Aktionsplan verabschieden, um gemeinsam das weltweite Wachstum anzukurbeln. Dabei sichern die Länder dem Entwurf für das Abschlussdokument zufolge je nach ihrer Lage bestimmte Maßnahmen zu; Deutschland soll seine Binnennachfrage stärken, falls das weltweite Wachstum noch weiter zurückgeht.

10.00 Uhr: Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (V) wollte am Freitag noch nicht sagen, ob die Absage des umstrittenen griechischen Referendums schon reicht, um die zuletzt eingefrorenen Hilfskredite von 8 Mrd. Euro an Athen loszueisen. Dazu wartet sie auf Berichte an die Finanzminister der Eurogruppe am Montag. Dort werde diskutiert, „ob die Nachhaltigkeitsanalyse noch aufrecht ist“. Griechenland werde der erste Tagesordnungspunkt des Ministertreffens sein.

09.52 Uhr: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat nach Angaben aus italienischen Regierungskreisen eingewilligt, sein Reform- und Sparprogramm auch vom IWF bewerten zu lassen. Damit solle Vertrauen an den Märkten geschaffen und die Finanzierung der Schuldenlast erleichtert werden, hieß es am Freitag am Rande des G-20-Gipfels in Cannes. Am Vorabend hatten EU-Spitzen und US-Präsident Barack Obama erneut über die Schuldenkrise beraten.

Commerzbank reduzierte Anleihen von PIIGS-Staaten

09.30 Uhr: Die Commerzbank macht es ihren internationalen Wettbewerbern gleich und fährt ihr Engagement in den europäischen Schuldenstaaten zurück. Das Volumen der Staatsfinanzierung in den angezählten Peripherieländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien (PIIGS) belief sich Ende September noch auf 13 Mrd. Euro, wie Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus am Freitag mitteilte. Das waren gut 20 Prozent weniger als zu Jahresbeginn, Wertberichtigungen eingeschlossen. „Der Abbau von europäischen Staatspapieren soll in den kommenden Monaten weiter fortgesetzt werden“, erklärte das Institut.

09.10 Uhr: Die Absage des Griechen-Referendums zum Euro-Hilfspaket und die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank haben die Ölpreise zum Wochenschluss etwas steigen lassen. Im asiatischen Handel knüpfte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember am Freitag an die starken Vortagesgewinne an, konnte aber nur leicht um vier US-Cent auf 110,87 Dollar (80,5 Euro) zulegen. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 20 Cent auf 94,27 Dollar.

09.00 Uhr: Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) kommen an diesem Freitag in Cannes zum zweiten und letzten Tag ihrer Beratungen zusammen. In den Gesprächen soll es um die Themen Klima und Energie gehen. Außerdem stehen der Kampf gegen grenzüberschreitende Steuerflucht, die Regulierung der Finanzmärkte, die Bekämpfung der Korruption und explodierende Preise von Nahrungsmitteln auf dem Programm.

Es ist allerdings zu erwarten, dass die Schulden- und Griechenlandkrise auch den zweiten Tag des Gipfels sehr stark überlagern wird. Bereits am ersten Tag war das Treffen in Südfrankreich von den Unsicherheiten in der Eurozone und der Situation in Griechenland bestimmt worden.

08.45 Uhr: Für den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou geht es am (heutigen) Freitag ums politische Überleben: Er will sich nach bisherigen Plänen am Abend im Parlament in Athen einer Vertrauensabstimmung stellen. Es galt als offen, ob der Regierungschef das Votum überstehen würde.

08.30 Uhr: Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, hat an Athen appelliert, im nationalen Konsens die Voraussetzungen für die beschlossenen EU-Hilfskredite zu schaffen. Er halte es „für ganz wichtig, dass Griechenland sich jetzt mit allen politischen Kräften“ darum bemühe, sagte Keitel am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“.

Bereitschaft zum Rücktritt

08.15 Uhr: In Griechenland will die sozialistische Regierung offenbar Ministerpräsident Giorgos Papandreou opfern und die Macht mit der Opposition teilen, um die Zustimmung zum Euro-Hilfspaket zu bekommen. Der schwer angeschlagene Papandreou signalisierte am Donnerstagabend im Parlament seine Bereitschaft zum Rücktritt und forderte sofortige Gespräche mit der Opposition.

Regierungskreisen zufolge soll der auch in seiner eigenen sozialistischen PASOK-Partei umstrittene Papandreou eine Koalition mit der konservativen „Neuen Demokratie“ (Nea Dimokratia/ND), schmieden und dann seinen Hut nehmen. Doch ob die Opposition auf dieses Angebot eingehen würde, war zunächst nicht abzusehen. Am Freitag stellt sich der Regierungschef einer Vertrauensabstimmung.

05.00 Uhr: Die Absage der Volksabstimmung zum Euro-Hilfspaket hat auch an der Tokioter Börse für Erleichterung gesorgt. Der japanische Standardwerte-Index Nikkei legte im Vormittagshandel am Freitag um gut ein Prozent zu. Der 225 Werte umfassende Index stieg bis zur Mittagspause um 1,3 Prozent auf 8.750 Punkte. Auch der breiter gefasste Topix-Index legte um 1,3 Prozent auf 748 Zähler zu.

(tt.com/APA/dpa/Reuters/AFP)