Kurs bestätigt: Pfarrerinitiative bleibt weiterhin „ungehorsam“
Der Aufruf zum „Ungehorsam“ hatte im Sommer für Aufsehen gesorgt und zu scharfen Diskussionen zwischen Schüller und Kardinal Christoph Schönborn geführt.
Linz – Die Pfarrerinitiative bleibt weiterhin auf ihrem Kurs des „Ungehorsam“. Bei der Jahresversammlung in Linz am späten Sonntagnachmittag wurde der Kurs des bisherigen Vorstandes einstimmig bestätigt, sagte Obmann Helmut Schüller nach der Veranstaltung in der Linzer Ursulinenkirche gegenüber der APA. Insgesamt hatten 81 Mitglieder - Priester und Diakone - an der Versammlung teilgenommen.
Mit dem Beschluss sei auch „die Fortsetzung des Weges gekennzeichnet“, so Schüller. Der Aufruf zum „Ungehorsam“ hatte im Sommer für Aufsehen gesorgt und zu scharfen Diskussionen zwischen Schüller und Kardinal Christoph Schönborn geführt. Die an der Initiative beteiligten Pfarrer wollen unter anderem Laien predigen lassen und die Kommunion auch Geschiedenen und Ausgetretenen spenden. Außerdem sprechen sie sich für die Frauen-Weihe und die Zulassung von Verheirateten zum Priesteramt aus.
Schüller sagte, es habe auf der Jahresversammlung auch eine Diskussion um den Begriff des „Ungehorsam“ gegeben. So hatte etwa die Innsbrucker Diözese einen Antrag auf Umbenennung in „Aufruf zur Selbstverantwortung“ gestellt. Man habe darüber gesprochen, weil der bisherige Begriff auch missverstanden werden könne, so Schüller. Letztlich aber habe es ein „überwiegendes Votum“ dafür gegeben, dabei zu bleiben. Denn das „Ungehorsam“ würde „mehr Klarheit in die Diskussion“ bringen und auch ansprechen, worum es insgesamt gehe.
Als nächster Schritt sollen die bereits formulierten Anliegen nun weiter entwickelt und „detaillierter dargelegt“ werden, sagte Schüller. Außerdem werde die Initiative weiterhin darauf drängen, dass die Bischöfe in einen „neuen Dialog mit dem Kirchenvolk“ eintreten. Gleichzeitig fordert die Pfarrerinitiative „mehr Transparenz“ seitens der Bischöfe ein - und zwar darin, was sie gegenüber der Initiative, den Laienorganisationen und in Rom vertreten.
Die Diskussion mit den Bischöfen will die Initiative nicht alleine, sondern gemeinsam mit den zahlreichen Laienorganisationen führen. Die am Sonntag gefällten Beschlüsse seien „die Vorgabe“, einen genauen Fahrplan für das weitere Vorgehen gibt es aber noch nicht. Die Pfarrerinitiative stehe aber dauernd in Kontakt mit den Laieninitiativen.
Schüller sieht jedenfalls die Bischöfe am Zug. Diese Erwartung sei schon ausgesprochen, sagte er mit Verweis auf frühere diesbezüglich Forderungen.
Gelegenheiten, sich mit den Beschlüssen der Pfarrerinitiative sowie jener der Laienorganisationen vom Samstag zu befassen, haben die Bischöfe schon am Montag: In Salzburg kommen sie zu ihrer traditionellen Herbst-Vollversammlung zusammen. Hauptthema der Bischofskonferenz werden die Pfarrgemeinderatswahlen 2012 sein - aber auch eine „Aussprache über verschiedene Initiativen und Reformvorschläge in der Kirche“, wie Peter Schipka, Generalsekretär der Bischofskonferenz, im Vorfeld angekündigt hatte. (APA)