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Umfrage: Hälfte der Lehrer ist gegen die Ganztagsschule

Zu den Hauptforderungen der Lehrer zählen der Wunsch nach mehr Platz und ausreichend Zeit zur Betreuung der Kinder. Kritik gibt es an der Lehrer-Gewerkschaft.

Wien - Die heimischen Lehrer stehen dem Konzept der Ganztagsschule gespalten gegenüber. Während 45 Prozent eine derartige Form befürworten würden, lehnen dies 50 Prozent ab. Das geht aus einer aktuellen market-Umfrage im Auftrag der Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens hervor. Zu den Hauptforderungen der Lehrer zählen der Wunsch nach mehr Platz, ausreichend Zeit zur Betreuung der Kinder und der „Erwerb von sozialen Kompetenzen“. Kritik gibt es an der Lehrer-Gewerkschaft. Volksbegehren-Mitinitiator Bernd Schilcher forderte aus diesem Anlass den Chef der Beamtengewerkschaft, Fritz Neugebauer (ÖVP), zum Rücktritt auf.

Gegenüber der Ganztagsschule sind vor allem dienstältere Lehrer offen: Jene mit mehr als 20 Dienstjahren treten zu 48 Prozent für eine Ganztagsschule ein. Demgegenüber lehnen 60 Prozent jener Lehrer, die weniger als 20 Jahre im Dienst stehen, dieses Konzept ab.

Gefragt wurden die Lehrer auch danach, welchen Begriff sie bevorzugen würden, sollte es nur mehr eine einzige Schulform für alle 10- bis 14-Jährigen geben. 48 Prozent würden demnach den Begriff „Gemeinsame Schule“ bevorzugen. 14 Prozent der Befragten lehnen ein derartiges Konzept komplett ab.

Der Hauptwunsch der Lehrer ist jener nach ausreichend Platz für Schüler und Lehrer - 98 Prozent halten dies für „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“. Dahinter folgt der Erwerb von sozialer Kompetenz (96 Prozent) sowie „ausreichend Zeit für die Lehrer zur Betreuung der Kinder“ (95 Prozent). Ebenfalls weit oben auf der Prioritätenliste: Die Möglichkeit des individuellen Lernens und einer motivierenden Leistungsbeurteilung für jedes Kind (90 Prozent) sowie mehr Unterstützung von Lehrern, Schülern und Eltern durch psychosoziale Dienste (86).

Relativ gering ist der Wunsch der Lehrer nach einem Ende des Durchfallens: Nur für 26 Prozent ist dies „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“. Auch eine längere Anwesenheit der Schüler in der Schule ist kein absoluter Top-Wunsch der Pädagogen: Nur bei 38 Prozent steht dies weit oben auf der Wunschliste.

Unzufriedenheit mit Gewerkschaft

Keine besonders guten Noten bekommt die Lehrer-Gewerkschaft in der Umfrage. Nur acht Prozent sind der Ansicht, diese treibe die Bildungsdebatte „positiv voran“, für 18 Prozent blockiert sie „alles“. 31 Prozent vergeben hier auf der vierstufigen Skala Note zwei, 35 Prozent Note drei. Auf das Image der Lehrer wirkt sich der Einfluss der Gewerkschaft für 34 Prozent der Befragten eher negativ aus, für 21 Prozent eher positiv. 37 Prozent vergaben hier Note drei auf einer fünfstelligen Skala.

Volksbegehrens-Mitinitiator und VP-Bildungsexperte Bernd Schilcher nahm die Umfrage-Ergebnisse als Anlass, GÖD-Chef Neugebauer zum Rücktritt aufzufordern: „Statt anzutreten für eine neue Amtszeit sollten Sie zurücktreten“, erklärte er in einer Stellungnahme gegenüber der APA in dessen Richtung. Die Umfrage würde deutlich zeigen, „dass eine wachsende Zahl von Lehrern mit der vorherrschenden Reformblockade-Politik von Teilen der Lehrergewerkschaft nicht einverstanden ist“.

Für die Umfrage wurden Ende Oktober 499 Lehrer telefonisch befragt. (APA)