Syrische Opposition fordert internationalen Schutz für Homs
Die syrischen Regierungstruppen setzen die Angriffe auf die Protesthochburg fort. Wieder seien zahlreiche Menschen getötet worden. Zudem werden Lebensmittel- und Wasservorräte knapp, auch Strom gibt es nicht mehr.
Homs - Die Opposition in Syrien hat „internationalen Schutz“ für die belagerte Stadt Homs im Zentrum des Landes gefordert. Homs sei mittlerweile eine „Katastrophenstadt“, und Sicherheitskräfte von Staatschef Bashar Assad verübten dort „barbarische Massaker“ an Zivilisten, erklärte der oppositionelle syrische Nationalrat am Montag. Die syrische Führung warf den USA vor, in die Gewalt im Land verstrickt zu sein.
Der oppositionelle Nationalrat forderte die Entsendung von arabischen und internationalen Beobachtern nach Homs, die die Lage überwachen und weitere Massaker verhindern sollten. „Das Regime umzingelt Homs jetzt bereits den fünften Tag in Folge, um den Willen seiner Einwohner zu brechen“, erklärte der Nationalrat. Er rief die UNO, die Organisation der Islamischen Konferenz sowie andere internationale und arabische Organisationen zum Handeln auf, um die Zivilisten in Homs zu schützen.
Frankreichs Außenminister Alain Juppe erklärte, er werde mit weiteren Außenministern über den Hilferuf beraten. Der Führung in Damaskus könne nicht vertraut werden, ihr Verhalten sei „inakzeptabel“.
Dem Nationalrat zufolge setzte die syrische Armee am Montag im Morgengrauen ihren Einsatz gegen Homs fort. Die Soldaten würden dabei „schwere Artillerie, Raketen und ihre Luftwaffe“ einsetzen. Der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge kamen zudem bei nächtlichen schweren Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren der syrischen Armee „dutzende Menschen“ ums Leben oder wurden verletzt.
Syriens Außenminister Walid Muallem warf den USA in einem Brief an die Arabische Liga vor, in die „blutigen Ereignisse in Syrien“ verstrickt zu sein. Er forderte die Arabische Liga in dem Schreiben auf, die Verstrickung zu verurteilen und „das Notwendige zu tun, sie zu beenden“, erklärte die Staatenorganisation. Nähere Angaben zu den Vorwürfen wurden nicht gemacht.
Seit dem Beginn des gewaltsamen Vorgehens der syrischen Sicherheitskräfte gegen die Demokratiebewegung im März wurden nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 3000 Menschen getötet. Am vergangenen Mittwoch hatte die syrische Führung einem Plan der Arabischen Liga für einen Ausweg aus der Krise zugestimmt, der unter anderem ein vollständiges Ende der Gewalt und den Rückzug der Armee aus den Städten vorsieht. Seit der Unterzeichnung des Friedensplans hält die Gewalt jedoch unvermindert an, nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten starben seitdem mindestens 70 Menschen.
Am Sonntag warf die Arabische Liga der syrischen Regierung vor, ihre Verpflichtungen zur Umsetzung des Planes nicht einzuhalten. Am kommenden Samstag wollen die Außenminister der Mitgliedstaaten daher in Kairo zu einer Krisensitzung zusammenkommen. (APA/AFP)