Österreichs Kicker und ihre lange Tradition im Ausland
Von Deutschland über Malta bis nach Äthiopien - Österreichs Fußball hinterließ auf der ganzen Welt seine Spuren.
Wien - Sie zogen aus, um Fußball zu spielen oder zu lehren, sie wurden gefeiert, bejubelt, vergöttert. Egal, ob in Spanien, Frankreich, Malta, Rumänien, den USA oder Äthiopien - überall hinterließen sie ihre Spuren; manchmal bis heute. Von Weil und Pekarna über Uridil, Hiden, Rappan, Happel, Ocwirk, Stojaspal, Hasil, Prohaska, Krankl und Polster bis in die Gegenwart zu Alaba, Fuchs und Ivanschitz. In den vergangenen 110 Jahren prägten heimische Kicker den internationalen Fußball. Das Buch „Die Legionäre“ hat ihnen nun ein Denkmal gesetzt.
Es war eine schweißtreibende Arbeit, die von den Autoren Bernhard Hachleitner, Robert Hummer, David Forster und Robert Franta Akribie und Detailverliebtheit, fast schon Besessenheit verlangte. Über einige Jahre hinweg trugen die vier Fußballhistoriker Dutzende Biografien zusammen, die in Summe ein überaus interessantes, kurzweiliges, informatives und spannendes Standardwerk ergaben, das sich über mehr als 300 Seiten erstreckt.
Den Ball Richtung „Ausland“ ins Rollen gebracht hat der Vienna-Spieler Rudolf Weil, den es bereits vor der Wende zum 20. Jahrhundert nach Berlin und Hamburg zog, während man sich innerhalb der k.u.k.-Monarchie uneins darüber war, ob einem Wechsel von Wien nach Prag oder Budapest Legionärs-Charakter anhaftete. 1904 wurde dann Vienna-Goalie Karl Pekarna bei einem Turnier auf der Hohen Warte vom Fleck weg engagiert - und zwar von der damaligen Über-Mannschaft Glasgow Rangers.
In den folgenden Jahrzehnten, als sich Österreichs Fußball in ungeahnte Höhen emporschwang und mit dem „Wunderteam“ Anfang der 1930er Jahre Weltgeltung errang, zogen immer mehr heimische Akteure aus, um Nachhilfe zu erteilen. Frankreich etwa wurde als Destination derart beliebt, dass - angeführt von Rudi Hiden, Gustl Jordan und Henri Hiltl eine wahre Invasion in Rot-Weiß-Rot einsetzte. Seine rasante Entwicklung sowie seinen Aufstieg zur Weltmacht verdankt Frankreichs Fußball nicht zuletzt seinem Lehrmeister, der „Wiener Schule“.
Gespielt und gecoacht haben Österreicher in vielen Teilen der Welt. Eine der interessantesten Geschichten diesbezüglich ist jene von Wunderteamspieler Georg „Schurl“ Braun, der von 1952 bis 1956 Teamchef von Äthiopien war und dabei derart erfolgreich agierte, dass er von Kaiser Haile Selassie empfangen wurde. Oder jene von Leo Baumgartner, der in Australien bei insgesamt zehn Vereinen am Feld und an der Outlinie tätig war. Oder jene von Friedrich Donnenfeld: Flucht vor den Nazis, Widerstandskämpfer, Spieler in Israel und Frankreich, Trainer in den Niederlanden und Kolumbien.
Die Laufbahnen von Max Merkel, Felix Gasselich, Hans „Buffy“ Ettmayer, Karl „Vogerl“ Geyer, Ernst Stojaspal und Andreas Herzog mögen bekannt sein. Jene von Franz Hasil, Alfred Riedl, Gustl Starek, Willy Kreuz, Richard Niederbacher, Viktor Hierländer und Camillo Jerusalem vielleicht in Vergessenheit geraten und jene von Alexander Popovich, Johann Studnicka und Josef „Pepi“ Stroh völlig unbekannt sein. Das Buch „Die Legionäre“ macht keine Unterschiede, es beleuchtet jede einzelne Persönlichkeit, jeden einzelnen „Typen“, die ihre Koffer packten und dem Ungewissen, der Fremde furchtlos ins Auge zu blicken. Gerade in Zeiten wie diesen tut es doch gut zu sehen, dass die Entwicklung des Fußballs zu einem großen Teil von Österreich aus erfolgt ist. (APA)