Guatemala: Vergangenheit des neuen Präsidenten im Zwielicht
Kritikern werfen dem neu gewählten Präsidenten Guatemalas, Otto Pérez Molina, die Verantwortung für Massaker im Bürgerkrieg vor.
Guatemala – Zum ersten Mal seit dem Ende des blutigen guatemaltekischen Bürgerkrieges (1960-1996) steht wieder ein Offizier an der Spitze des mittelamerikanischen Landes. Anders als seine militärischen Vorgänger errang Otto Pérez Molina (60) das Präsidentenamt am Sonntag in einer demokratischen Wahl. Gegner werfen ihm Verantwortung für Gräueltaten im Bürgerkrieg vor.
Pérez Molina verspricht, das von Gewalt und Armut erschütterte Land mit harter Hand zu regieren. Das hat die Bürger des Landes mehr überzeugt als die Ankündigung seines Herausforderers Manuel Baldizón, ein neues Guatemala zu schaffen.
Der General im Ruhestand Pérez Molina trat für die rechtsgerichtete Patriotische Partei (PP) an. Ihm gefällt es, wenn man ihn „General des Friedens“ nennt. Das ist eine Anspielung auf seine zentrale Rolle bei den Friedensverhandlungen der Regierung mit den Untergrundkämpfern zum Ende des vergangenen Jahrhunderts. In dem Bürgerkrieg waren mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen.
Vorwurf der Menschenrechtsverletzungen
Auch Pérez Molina wird vorgeworfen, sich als junger Kommandant schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht zu haben. So war er in einer der schlimmsten Phasen des Konfliktes in den 1980er Jahren in die Region Quiché abkommandiert, wo nach Angaben der Vereinten Nationen fast die Hälfte der Massaker geschehen sein sollen. Die meisten Opfer gehörten der indigenen Volksgruppe der Mayas an.
Pérez Molina hat die Beschuldigungen von Menschenrechtsorganisationen stets zurückgewiesen. „Die Kritiker haben nichts gegen mich gefunden, weil es nichts gibt“, sagt er.
2000 beendete Pérez Molina seine Militärkarriere und ging in die Politik. 2003 wurde er Parlamentsabgeordneter; 2007 bewarb er sich erstmals für das Amt des Präsidenten. Damals unterlag er dem linksorientierten Álvaro Colom, von dem er das Amt jetzt übernimmt.
Otto Pérez Molina wurde am 1. Dezember 1950 in Guatemala-Stadt geboren. Er ist seit 1971 verheiratet und hat mit seiner Frau Rosa Leal zwei Kinder. Sein Sohn Otto wurde am 11. September zum Bürgermeister von Mixco gewählt, der zweitgrößten Stadt Guatemalas. (APA/dpa)