Architekt des Euro-Beitritts als neuer Premier im Gespräch
Ausgerechnet Lucas Papademos, der Architekt des griechischen Euro-Beitritts, könnte die geplante Übergangsregierung in Athen anführen.
Athen/Brüssel – Griechenland wartet gespannt auf den Namen des neuen Ministerpräsidenten, der das Land an der Spitze einer Übergangsregierung retten soll. Wie der staatliche Rundfunk NET berichtete, sollten am Montag der scheidende sozialistische Premier Giorgos Papandreou und der konservative Oppositionschef Antonis Samaras, mit ihren Mitarbeitern über die Zusammensetzung der neuen Regierung entscheiden.
Am Sonntagabend war bei einem dramatischen Treffen von Staatspräsident Karolos Papoulias mit Papandreou und Samaras vereinbart worden, dass die neue Regierung mit möglichst breiter Unterstützung das Land bis Februar führen soll. Für vorgezogene Parlamentswahlen sei der 19. Februar als „bester Zeitpunkt“ ins Auge gefasst worden, verlautete aus dem Finanzministerium.
Papademos als Favorit
In Athen liefen die Gerüchte auf den ehemaligen Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Lucas Papademos als Übergangs-Premier hinaus. In der schwersten Krise Griechenlands seit dem Euro-Beitritt könnte damit ausgerechnet der Mann an die Spitze der Regierung treten, der als Architekt der Aufnahme der Hellenen in die Währungsunion gilt.
Papademos studierte und promovierte in den USA, kehrte dann Mitte der 1980er Jahre nach Griechenland zurück, wo er 1994 zum Gouverneur der nationalen Notenbank aufstieg. Zusammen mit der sozialistischen Regierung bereitete er die Aufnahme Griechenlands in die europäische Währungsunion 2001 vor. Dafür erntete er im eigenen Land großen Respekt.
Die nationalreligiöse „Völkische Orthodoxe Gesamtbewegung“ (LAOS) erklärte am Montag ihre Bereitschaft, die Übergangsregierung zu unterstützen. Insgesamt gibt es im griechischen Parlament fünf Fraktionen: Neben PASOK (152 Abgeordnete) und ND (85) die Kommunistische Partei (KKE) mit 21, LAOS mit 16 und das Bündnis der Radikalen Linken (SYZIZA) mit neun Abgeordneten.
Griechische Presse reagiert erleichtert
Die griechische Presse reagierte erleichtert auf die Perspektive der Übergangsregierung: „Endlich! Der erste Schritt für die Rettung des Landes wurde gemacht“, lautete der Tenor in der Athener Zeitung „Ta Nea“. „Sie sitzen im gleichen Boot für noch härtere Maßnahmen“, prophezeite „Eleftherotypia“. „Historisches Abkommen der nationalen Einheit“, titelte das Boulevardblatt „Ethnos“.
Die Europäische Kommission forderte inzwischen „Klarheit“ über die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Athen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel appellierte an die künftige Übergangsregierung, unverzüglich die Sparbeschlüsse des EU-Gipfels umzusetzen. Erst danach sollte es Parlamentswahlen geben, sagte Merkel in einem Telefongespräch mit Papandreou. (APA/dpa/AFP/Reuters)