Bergsteiger sitzen fest

Eisige Falle am Viertausender: Sechs Tage warten auf die Rettung

Banges Warten im Montblanc-Massiv: Seit einer Woche harren zwei französische Bergsteiger in 4000 Metern Höhe aus. Schlechtes Wetter behindert ihre Rettung. Die Lebensmittel gehen allmählich zur Neige.

Paris – Gefangen in Schnee und Eis, bei heulendem Wind und klirrend-kalten Minusgraden: Seit einer Woche sitzt ein französisches Bergsteiger-Paar in rund 4000 Metern Höhe am Montblanc fest. Auf der italienischen Seite hofft es in einer selbst gegrabenen Schneehöhle auf Rettung. Bisher vergeblich. Extreme Wetter- und Windverhältnisse verhindern immer wieder ein Happy End.

„Kein Mensch kann sagen, wie lange sie durchhalten können, aber je mehr die Zeit verstreicht, umso beunruhigender wird es“, sagte am Dienstag Jean-Baptiste Estachy von der Hochgebirgs-Gendarmerie in Chamonix auf der französischen Seite.

Eiskalter Behelfsschutz gebaut

Über eine steile Engstelle mit langen, vereisten Wänden hatten der 47-jährige Bergführer und seine 44-jährige Begleiterin den Aufstieg zur 4208 Meter hohen Walker-Spitze (Pointe Walker) versuchen wollen. Es ist eine gefährliche Route auf dem Weg zur Spitze, die nicht umsonst „Le Linceul“ heißt: das Leichentuch. Am Mittwochabend zog sich dann das Wetter zu.

In der Hoffnung auf eine Besserung bauten sich die Franzosen, die als erfahren gelten, einen eiskalten Behelfschutz unter einem schützenden Felsüberhang, gerade mal 150 Meter unterhalb der Spitze.

Als auch am Folgetag kein Vorankommen mehr möglich war, rief der Bergführer per Handy die Gendarmen in Chamonix an. Ruhig und sachlich habe er geklungen, heißt es dort. Bis die Handy-Batterie leer war, hielt der Mann die Retter auf dem Laufenden. Das war am Freitag. Seitdem herrscht Funkstille.

Am Dienstag verhinderte schlechtes Wetter bis zum Mittag weitere Rettungsversuche. „Sobald die Wolkendecke aufreißt, werden wir einen neuen Versuch starten“, teilte die Gendarmerie mit.

Schwierige Suche

Dort herrscht Skepsis, ob die Vermissten denn dann so schnell gefunden werden können - auch wenn das Handy-Signal geortet wurde. „Wir haben eine ungefähre Vorstellung von ihrer Position - aber das Gebiet rund um die Sende-Antenne ist riesig; zudem wissen wir nicht, ob die beiden ihre Position seit dem letzten Telefonat am Freitag beibehalten haben.“

Nach Ansicht von Herzspezialisten haben die beiden Alpinisten trotz allem durchaus Chancen, die eisige Hölle zu überleben. „Ein wichtiger Apsekt ist dabei, dass beide noch relativ jung und natürlich in optimaler Kondition sind“, sagt der Kardiologe Francesco Fedele in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Es sei allerdings wichtig, dass die Bergsteiger genug essen und trinken könnten und sich so wenig wie möglich anstrengten, um Energie zu sparen.

Essen dürfte langsam knapp werden

„In solchen Situationen liegt die schwierigste Phase am Anfang, wenn der Körper sich an die plötzlich widrige und schwierige Situation gewöhnen muss. Sobald er diesen Status überwunden hat, tendiert der menschliche Organismus dazu, sich anzupassen“, sagt auch Francesco Romeo vom Verband der italienischen Herzspezialisten. Gut sei, dass die in ihrem Schneeloch Gefangenen relativ geschützt vor dem eisigen Wind seien.

Nachts gehen die Temperaturen nach Angaben von Meteorologen in dieser Höhe auch schon mal auf minus 25 Grad herunter - der Wind macht es dann noch schlimmer für die festsitzenden Bergsteiger. Sie haben zwar wärmende Bekleidung und neben einem Stövchen auch Lebensmittel dabei. Doch dürften sie nach Ansicht der Bergrettung nach einer Woche allmählich zur Neige gehen. (dpa)