Verkauf von Airline

Lauda über Lauda: „Der lästige Molch Lauda ist nicht weg“

Niki Lauda sitzt in Zukunft im Board der Air Berlin. Ein Darlehen der Air Berlin an Laudas Privatstiftung wird per Aktienübertragung getilgt. Ruhe geben will Niki Lauda nicht.

Wien – Niki Lauda muss sich erst daran gewöhnen, dass er als Mitglied des Verwaltungsrats eines börsenotierten internationalen Konzerns öfter auch mal schweigen muss. Noch aber sitzt er nicht im „Board“ der Air Berlin. So konnte er am Dienstag unmittelbar nach Bekanntgabe des Komplettverkaufs seiner Fluggesellschaft „Niki“ (flyniki) an Air Berlin noch über den in den letzten Monaten eingebrochenen Aktienkurs der deutschen Airline sinnieren. Entwickle sich der Kurs weiter so, könne er sich schon vorstellen, groß einzusteigen, grinste Lauda vor Journalisten.

In den nächsten Wochen steigt Lauda total aus seiner Billigairline „Niki“ aus. Der Konkurrenz richtete er heute bereits aus, nicht an die Pension zu denken. „Der lästige Molch Lauda ist nicht weg.“ Er will wie bisher selbst Flugzeuge lenken. Als künftig unabhängiges Mitglied des Verwaltungsrats bei den Deutschen wolle er „oben mitmachen statt unten motzen“. In der Branche wird Laudas Rückzug als Niki-Gesellschafter als „perfekter Ausstieg“ gewertet - zudem als Formalakt, weil Air Berlin seit der Aufstockung und Option auf Laudas Anteile in der österreichischen Gesellschaft ohnehin schon den Durchgriff hatte.

„Nichts falsch gemacht“

Der im Vorjahr verkündete Plan, auf jeden Fall drei Jahre zu verbleiben, wurde um die Hälfte abgekürzt. „Wir haben nichts falsch gemacht“, versicherte Lauda heute. Bei Air Berlin wird argumentiert, dass man in turbulenten Zeiten enger zusammenrücke. Eine weitere Airline-Gründung plant Lauda nicht mehr. Ihm fielen auch gar keine Namen mehr dafür ein. Und die seiner Kinder wollte er nicht dafür hergeben.

Vor zwei Jahren ist Niki Lauda nochmals Vater geworden. Seine Zwillinge (Max, Mia) sind mittlerweile zwei Jahre alt, die zwei älteren Söhne aus seiner früheren Ehe (Mathias, Lukas) über 30.

Lauda erlebte viele Höhen und Tiefen in seiner Karriere, den Steuerknüppel hat er dabei nie gern aus der Hand gegeben. Als alle Welt erwartete, er würde nach seinem Horrorunfall auf dem Nürburgring am 1. August 1976 Abschied vom Rennsport nehmen, fuhr er 42 Tage später wieder „im Kreis“. Als TV-Experte ist Lauda der Formel 1 danach (bis jetzt) treu geblieben. Seit seinem Eintritt ins Airline-Business gab es kein Ereignis in der Luftfahrt, das von ihm unkommentiert blieb. Nicht nur das: Seine Sager machten ihn zu einem bevorzugten Ansprechpartner in Medien, Fachdiskussionen und Society-Events zu Gott und der Welt.

Lauda der „Airliner“

Seit er unter die Luftfahrtunternehmer ging, gilt Lauda als „Airliner“, eigentlich die Bezeichnung für ein Flugzeug. Ende der 90er Jahre trat er seine damalige Lauda Air an den Erzkonkurrenten AUA ab, um 2003 eine neue Fluggesellschaft zu gründen und abermals gegen die AUA anzufliegen. Ab jetzt gehört „Niki“ ganz der Air Berlin, die AUA schon seit zwei Jahren der deutschen Lufthansa.

Laudas Zahlen mit seinen Fluggesellschaften waren der breiten Öffentlichkeit weniger Begriff als seine diversen Sponsorenkapperln. Aktuell ist es wieder rot und von der Investmentfirma Aabar aus Abu Dhabi. Vorzeitig hingeworfen hat er das (blaue) Käppchen der mittlerweile insolventen Money Service Group. Nach seinem Rennunfall trug er mehr als zwei Jahrzehnte lang ein legendäres rotes Kapperl mit „Parmalat“-Schriftzug, danach waren es Viessmann und und Oerlikon, bis 2011 die MSG kurzzeitig Werbepartner war. Auch in seiner Airline „Niki“ gehörte ein rosarotes Kapperl zur Uniform der Flugbegleiterinnen.

Geboren wurde Andreas Nikolaus Lauda am 22. Februar 1949 als Sohn einer Wiener Industriellenfamilie. Zunächst ohne Sanktus der Eltern startete er früh seine Rennfahrerkarriere, der große Durchbruch gelang ihm bei Ferrari: Am 28. April 1974 gewann er seinen ersten - von insgesamt 25 - Grand Prix. Im Jahr darauf holte er den ersten von drei WM-Titeln.