GÖD-Chef Neugebauer weiter Feuer und Flamme für seinen Job
Der zweite Nationalratspräsident ist seit 14 Jahren oberster Beamtengewerkschaft und wird heute für weitere fünf Jahre gewählt.
Wien – Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden, sagt der Volksmund. Fritz Neugebauer müsste sich demnach derzeit ziemlich wohlfühlen: Dass er mit 67 Jahren noch einmal als Chef der Beamtengewerkschaft antritt, hatte er im Vorfeld der Wahl am Dienstag damit begründet, dass er von vielen Kollegen gebeten worden sei, weiterzumachen. Und er habe einfach Spaß an dem Job und spüre noch das „Feuer“, gab der Zweite Nationalratspräsident zuletzt zu Protokoll. Was passiert, wenn der GÖD-Chef Funken sprüht, war zuletzt wieder zum Auftakt der Beamten-Gehaltsverhandlungen zu erleben, wo er rund eine Woche vor dem GÖD-Bundeskongress ein knackiges Plus von 4,65 Prozent für die Staatsdiener forderte.
Bulliger Lobbyist mit Biss
Seit 14 Jahren steht Neugebauer der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst vor und hat sich seitdem einen Ruf als beinharter Lobbyist und Strippenzieher erarbeitet. Kritiker, die dem bulligen Vollblutpolitiker mangelhaften Bewegungswillen - politisch gesehen - attestieren, heißen ihn auch gerne Betonierer, nicht zuletzt in der Schuldebatte.
Seine Beamten konnten sich jedenfalls immer darauf verlassen, dass ihr Vorsitzender das Maximum an Gewinn bzw. das Minimum an Schaden für sie herausholen würde. Allerdings war er auch bei seinen jeweiligen Verhandlungspartnern nicht so unbeliebt wie manchmal in der Öffentlichkeit gedacht. Denn Neugebauer gilt als im persönlichen Umgang nicht unangenehm und letztlich auch im höchsten Maß pragmatisch.
Von der Lehrergewerkschaft zur GÖD
Neugebauer - am 10. Oktober 1944 in Wien geboren - war im Zivilberuf Lehrer für Deutsch, Geschichte und Geografie. Von 1965 bis 1997 unterrichtete er an Volks- und Hauptschulen sowie Polytechnischen Lehrgängen. Parallel dazu machte er Karriere in Gewerkschaft und Partei. Über diverse Funktionen in der Lehrergewerkschaft arbeitete er sich nach oben: 1989 wurde er stellvertretender Vorsitzender der GÖD, 1991 Vorsitzender in der FCG.
1997 dann trat Neugebauer als Beamtenchef die Nachfolge des legendären Siegfried Dohr an. Der Grad der Zustimmung durch die Delegierten hat indes seitdem tendenziell abgenommen: Bei seiner erstmaligen Kür hatte er 89,3 Prozent erreicht, 2001 waren es 85,2 Prozent gewesen und 2006 gut 80 Prozent. Heute, Dienstag, wird er für eine weitere fünfjährige Amtsperiode bestätigt.
Als Chef der einzigen Gewerkschaft mit schwarzer Mehrheit eroberte sich Neugebauer auch eine gewichtige Position in der ÖVP. Seit 2002 sitzt er durchgehend im Parlament, wo er u.a. Klubobmann-Stellvertreter, ÖVP-Bildungs- und Sozialsprecher war und seit Dezember 2008 Zweiter Nationalratspräsident ist. Von Herbst 2003 bis März 2009 war er überdies Chef des Arbeitnehmer-Bundes der ÖVP.
Rebell in den schwarzen Reihen
Als ÖAAB-Chef zog er sich indes nach parteiinterner Kritik zurück. Dem Mehrfachfunktionär wurde vorgehalten, sich zu sehr auf die Beamten zu konzentrieren. Als Beamtenchef hat es sich Neugebauer mehrfach auch mit der ÖVP angelegt. So irritierte er die Partei, als er dem Sparpaket 2010 zwar im Parlament zustimmte, dann aber eine Verfassungsklage dagegen ankündigte. Eine Niederlage musste Neugebauer Anfang 2007 einstecken. Er scheiterte bei der Wahl in den ÖGB-Vorstand - unter anderem weil er für die Teilrechtsfähigkeit der GÖD eingetreten war.
Neugebauer ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Als seine größten Hobbys gelten das Motorradfahren und die Operette. (APA)