Kennenlernen steht bei Kollers Trainingsauftakt im Mittelpunkt

Mit eingehenden Gesprächen und medizinischen Untersuchungen startete das ÖFB-Team in die Vorbereitung auf das Ukraine-Testspiel.

Wien - Der Auftakt des ersten ÖFB-Trainingslagers unter Marcel Koller ist ganz im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens gestanden. Österreichs Fußball-Teamchef begrüßte die Nationalspieler am Dienstagmittag im Mannschaftshotel nahe des Happel-Stadions, danach folgten viele Gespräche und auch eingehende medizinische Untersuchungen.

Koller ließ den Kickern unter anderem Blut abzapfen, um über den aktuellen körperlichen Zustand jedes Einzelnen genau Bescheid zu wissen. „Die Spieler hatten in den letzten Tagen unterschiedliche Belastungen, daher werden wir auch viel individuell trainieren“, erklärte der Schweizer, der seine Kicker zudem über die von ihm erstellten Verhaltensregeln in Kenntnis setzte, diese aber nicht im Voraus öffentlich machen wollte.

Auch Präsident sprach vor Teamkickern

Neben dem Neo-Teamchef sprach am Dienstag auch ÖFB-Präsident Leo Windtner vor dem Team, Sportdirektor Willi Ruttensteiner wurde ebenfalls im Hotel erwartet. „Er gibt natürlich auch seine Inputs, wird aber nicht jeden Tag dabei sein“, meinte Koller zur Rolle von Ruttensteiner.

In seiner ersten Einheit am Mittwoch im Happel-Stadions will Koller die Spieler erstmals auch auf dem Platz mit seiner Philosophie vertraut machen. „In der Defensive werden wir versuchen, gut organisiert zu sein, und in der Offensive soll man spüren, was wir wollen“, sagte der frühere Schweizer Internationale.

Mit zu vielen Informationen sollen Marc Janko und Co. vor dem Testspiel am 15. November in der Ukraine jedoch nicht überfrachtet werden. „Sonst wissen die Spieler nicht mehr, in welche Richtung es überhaupt geht.“ Mit der Ukraine wird sich die ÖFB-Auswahl voraussichtlich erst ab Sonntag beschäftigen. „Jetzt ist es einmal wichtig, unsere Ideen an die Spieler weiterzugeben“, betonte Koller.

Teamchef nicht sehr auskunftsfreudig

Über seine Ideen zu den möglichen Positionen von Spielern wie Marko Arnautovic und David Alaba zeigte sich Koller nicht allzu auskunftsfreudig. Er werde Arnautovic „sicher nicht in der Verteidigung, sondern im Sturm“ bringen, meinte der 50-Jährige. Für Alaba dürfte eine Rolle im Zentrum vorgesehen sein - dort spielte der 19-Jährige als Ersatz für den verletzten Bastian Schweinsteiger auch beim 2:1 der Bayern am Sonntag in Augsburg.

„Aber ich sehe ihn nicht in der Schweinsteiger-Position, sondern in der Alaba-Position. Er ist einer, der ein Spiel entwickeln und Impulse nach vorne bringen kann“, sagte Koller über die wohl größte ÖFB-Zukunftshoffnung. „Es macht Spaß, wenn man solche Spieler trainieren und weiterentwickeln kann.“

Während Alaba topfit nach Wien anreiste, haben drei aktuelle Kadermitglieder mit Beschwerden zu kämpfen. Christopher Trimmel machen muskuläre Probleme zu schaffen, Zlatko Junuzovic und Georg Margreitter laborieren an einem grippalen Infekt - ob das Trio im ÖFB-Camp bleibt, entschied sich nach den Untersuchungen am Dienstagnachmittag. „Wenn sie drei oder vier Tage nicht mittrainieren können, macht es keinen Sinn“, erklärte Koller.

Tormann-Frage noch nicht geklärt

Von Kapitän Marc Janko, der zuletzt wegen einer Oberschenkelverletzung pausiert hatte, bekam der Teamchef am Freitag die Rückmeldung, dass eine Teilnahme am Trainingscamp kein Problem sei. Damit dürfte der Twente-Goalgetter in Lwiw (Lemberg) die Mannschaft aufs Feld führen. Eine andere Frage ist allerdings noch unbeantwortet. „Ich habe noch keine Entscheidung getroffen, wer gegen die Ukraine im Tor stehen wird. Ich schaue mir die drei Tormänner jetzt einmal im Training an“, sagte Koller.

Als weitere Nationalteam-“Baustelle“ gilt die Position des Außenverteidigers - hier könnte Hoffenheim-Legionär Andreas Ibertsberger Abhilfe schaffen. „Er hat jetzt lange nicht gespielt, aber wir werden uns mit ihm beschäftigen“, versprach der Schweizer, der auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, dass sich Dortmund-Talent Moritz Leitner doch noch für den ÖFB und gegen den DFB entscheiden könnte. (APA)