IAEA-Bericht bestätigt: Iran arbeitete an Entwicklung der Atombombe
Der Iran habe zumindest bis 2010 an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet und tue dies möglicherweise noch immer. Teheran wies den Bericht als „politisch motiviert“ zurück.
Wien – Der Iran hat nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) in Wien an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Der Behörde liege eine Reihe von „glaubwürdigen“ Hinweisen vor, dass das islamische Land zumindest bis 2010 Projekte und Experimente zur Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes durchführte, hieß es am Dienstag im jüngsten Iran-Bericht der Organisation.
Einige dieser Aktivitäten seien möglicherweise noch im Gang. Teheran wies den Bericht als „unausgewogen, unprofessionell und politisch motiviert“ zurück, wie die iranische Agentur Fars berichtete.
Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, sagte am Dienstagabend, es werde keine „automatische Reaktion“ geben. Israel müsse den Bericht erst studieren. Israels Präsident Shimon Peres hatte zuvor einen Angriff seines und anderer Länder auf iranische Atomanlagen als „immer wahrscheinlicher“ bezeichnet. Russland, Deutschland und Frankreich hatten hingegen vor einem solchen Angriff gewarnt.
Russland: Bericht schädlich
Das russische Außenministerium bezeichnete den neuen IAEA-Bericht zum Iran als schädlich für eine diplomatische Lösung. Der Bericht verursache „steigende Spannung“, hieß es am Dienstag in Moskau. Aus dem russischen Außenministerium hieß es zudem, Russland habe die IAEA schon vor langer Zeit über eine mögliche Beteiligung russischer Wissenschafter an dem iranischen Atomprogramm informiert. Der nun bekanntgewordene Bericht bringe nichts Neues. Es gebe ernsthafte Zweifel daran, ob die weitreichende Veröffentlichung von Informationen aus dem Iran-Bericht der IAEA gerechtfertigt sei.
Das Papier enthält die bisher eindeutigsten Aussagen der IAEA zur Existenz eines Atomwaffenprogramms des Iran. „Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat“, erklärt IAEA-Chef Yukia Amano in dem Bericht. Die Organisation habe Hinweise auf Aktivitäten die „spezifisch für Nuklearwaffen“ seien, hieß es in dem IAEA-Bericht. So habe es Experimente mit Sprengwaffen gegeben.
Israel verlangt „lähmende Sanktionen“
Israels Außenminister Avigdor Lieberman hatte zuvor gefordert, die internationale Gemeinschaft müsse wegen des iranischen Atomprogramms „strenge und lähmende“ Sanktionen gegen Teheran verhängen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte sich am Dienstag aber bemüht, Sorgen vor einem unmittelbar bevorstehenden Krieg mit dem Iran zu zerstreuen. „Ein Krieg ist kein Picknick, und wir wollen keinen Krieg“, sagte Barak dem israelischen Rundfunk. „Israel hat sich noch nicht für einen militärischen Einsatz entschieden.“
Der Iran hat immer betont, dass er kein geheimes Atomwaffenprogramm habe. Auch zeigte es sich von Drohungen unbeeindruckt. Teheran werde seinen Kurs fortsetzen, hatte Präsident Mahmoud Ahmadinejad gemeint. Er warnte gleichzeitig Israel und die USA vor schwerwiegenden Konsequenzen im Falle eines Angriffs auf den Iran. In den vergangenen Tagen hatten sich Berichte über angebliche Angriffspläne Israels gegen iranische Atomanlagen gemehrt. (APA/Reuters/dpa)