Aufruf zu Wende in Energiepolitik - Drastischer Ölpreis-Anstieg droht
Die Internationale Energieagentur prognostiziert einen enormen Anstieg beim weltweiten Energieverbrauch bis 2035.
Paris – Nur eine radikale Klimaschutz-Politik kann nach Ansicht der Internationalen Energieagentur (IEA) dafür sorgen, dass das Wachstum des weitweiten Energiehungers in den kommenden Jahrzehnten abgebremst wird.
Gibt es nur geringe Änderungen der bisherigen Politik, könnte der Energieverbrauch zwischen 2010 und 2035 um ein Drittel klettern, wobei 90 Prozent des Anstiegs aus Nicht-OECD-Ländern kommen würden. Ohne jede Änderung droht sogar ein Nachfrage-Zuwachs von über 40 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien werde im selben Zeitraum aber nur von 13 auf 18 Prozent steigen. Dies erklärte die IEA am Mittwoch in ihrem neuen „World Energy Outlook“.
Aufruf zur Wende in der Energiepolitik
In ihrem Jahresbericht ruft die IEA die Regierungen weltweit zur Kehrtwende in der Energiepolitik auf. „Ohne einen mutigen Richtungswechsel wird sich die Welt selbst in einem unsicheren, ineffizienten Energiesystem mit hohem Kohlendioxid-Ausstoß gefangennehmen“, heißt es in dem neuen Ausblick der Agentur mit Sitz in Paris.
„Wir können uns nicht länger auf unsichere und bezüglich der Umwelt nicht nachhaltige Energienutzung verlassen“, sagte die Exekutivdirektorin der Behörde, Maria van der Hoeven. „Die Regierungen müssen stärkere Maßnahmen ergreifen, um Investitionen in effektive und kohlendioxidarme Technologien zu fördern.“
Energieeffizienz erneut verschlechtert
Der Klimawandel könnte nach Ansicht der IEA unumkehrbar werden: Der Chefökonom der Behörde, Faith Birol, sagte am Mittwoch in London, um diesem Trend entgegenzuwirken, müssten Regierungen Subventionen für fossile Brennstoffe abschaffen und Energieeffizienz vorantreiben. Die Effizienz habe sich das zweite Jahr in Folge verschlechtert.
Birol sprach von realen Konsequenzen des Klimawandels. Sollte sich am jetzigen Trend bis 2017 nichts ändern, könne die international vereinbarte Obergrenze für die Erderwärmung von zwei Grad Celsius nicht eingehalten werden. Im Jahr 2010 sei der weltweite Ausstoß an Kohlendioxid auf ein Rekordniveau gestiegen so die IEA. China werde in 25 Jahren um 70 Prozent mehr Energie verbrauchen als die USA, so die Prognose.
Boom bei Atomstrom erwartet
Die Produktion von Atomstrom werde bis 2035 weltweit trotz der Reaktorkatastrophe in Japan um 70 Prozent zunehmen. In einem Szenario errechnete die Agentur, was passieren würde, wenn man die Atomstrom-Produktion halbiert: Die erneuerbaren Energien würden boomen, jedoch würden die Importkosten deutlich höher und die Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit größer.
Wasserkraft wird im Weltmaßstab von der IEA auch künftig eine recht bescheidene Rolle zugebilligt. Im Zusammenhang mit Strom weist die IEA darauf hin, dass die Zahl der Menschen ohne Zugang zu Elektrizität gegenwärtig mit 1,3 Milliarden - immerhin 20 Prozent der Weltbevölkerung - „weiterhin unvertretbar hoch“ sei.
Drastischer Anstieg des Ölpreises droht
Beim Ölpreis droht aus Sicht der IEA auf den Weltmärkten in den nächsten Jahren ein drastischer Preisanstieg. Entscheidend für die Entwicklung werde sein, wie viele Investitionen in die von politischen Umbrüchen erschütterte Großregion Nordafrika und Nahost (MENA) fließt.
„Auf die Verbraucher könnte auf kurze Sicht ein Preisanstieg auf 150 Dollar pro Barrel zukommen“, heißt es in dem Bericht. Der Ölpreis bleibt der Prognose der Agentur zufolge hoch. Die Nachfrage soll von 87 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag im Jahr 2010 auf 99 Mio. Barrel pro Tag im Jahr 2035 steigen. Die Zahl der Pkw auf den Straßen werde sich auf 1,7 Milliarden nahezu verdoppeln. (TT.com, APA)