Europäische Union

Düsterer Ausblick für Eurozone: Rezession droht, Schulden steigen

Die EU-Kommission hat die Prognose für die Eurozone erneut nach unten revidiert. Für 2012 wird nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent erwartet.

Brüssel – Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone ist nach einer Schätzung der EU-Kommission zum Stillstand gekommen. „Es besteht das Risiko einer erneuten Rezession“, sagte Wirtschaftskommissar Olli Rehn am Donnerstag in Brüssel bei der Präsentation der Herbstprognose.

Für die Eurozone hat die EU-Kommission die Aussichten deutlich nach unten revidiert: Gegenüber 1,8 Prozent Wachstum in ihrer Frühjahrsprognose rechnet die EU-Behörde nur mehr mit einen Zuwachs von 0,5 Prozent für 2012.

2012 Tiefpunkt auf in Österreich

Für Österreich hat die Kommission die Prognose nur für das laufende Jahr angehoben: Demnach wird das BIP heuer um 2,9 Prozent steigen, im Frühjahr hatte die Kommission noch 2,4 Prozent prognostiziert. 2012 wird das BIP-Plus dann aber auf 0,9 Prozent abgeschwächt. Für 2013 kann Österreich laut der Prognose wieder mit 1,9 Prozent Wachstum rechnen.

Für die gesamte EU sagt die Kommission für heuer 1,6 Prozent Wachstum voraus, für kommendes Jahr nur mehr 0,6 Prozent. Die Eurozone wird demnach 2013 auch nur einen schwachen BIP-Zuwachs von 1,3 Prozent verzeichnen, die gesamte EU von 1,5 Prozent.

Dramatische Prognose für Griechenland und Portugal

In den Schulden-Sorgenländern Griechenland und Portugal wird die Wirtschaft im kommenden Jahr weiter schrumpfen: Für Athen wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent prognostiziert, für Lissabon ein Minus von 3,0 Prozent. Deutschland kann der Prognose zufolge im kommenden Jahr mit einem BIP-Plus von 0,8 Prozent rechnen, Frankreich mit einen Zuwachs von 0,6 Prozent und Italien nur mehr mit plus 0,1 Prozent.

Angesichts der anhaltenden Finanzkrise dürfte 2012 nicht nur das Wirtschaftswachstum fast zum Erliegen kommen, sondern auch die Staatsverschuldung der Länder auf neue Negativ-Rekorde steigen. Für Griechenland, das heuer 162,8 Prozent des BIP an Gesamtverschuldung aufweist, ist ein weiterer Anstieg auf 198,3 Prozent prognostiziert.

Italien wird zwar seine Staatsschulden demnach nicht erhöhen, aber bei 120,5 Prozent bleiben und den zweithöchsten Wert der EU-27 aufweisen. Dann folgt Irland, wo eine Erhöhung von 108,1 im laufenden Jahr auf 117,5 Prozent vorausgesagt wird. Österreich liegt bei der Staatsschuld 2012 mit vorausgesagten 73,3 Prozent innerhalb der 17 Euroländer hinter Frankreich (89,2), Deutschland (81,2) und Spanien (73,8) an neunter Stelle.

Die steigenden Zinsen für italienische Staatspapiere können nach Worten von Rehn mittelfristig „beträchtliche Auswirkungen“ für das Wachstum der Realwirtschaft haben. Auf Fragen, ob er erwarte, dass Rom Hilfen vom Euro-Rettungsschirm EFSF beantrage, ging der Kommissar nicht näher ein.

Arbeitslosigkeit dürfte zunehmen

Es sei nicht davon auszugehen, dass 2012 die Arbeitslosigkeit in der EU abgebaut werde, sie könnte vielmehr zunehmen, sagte Rehn. In ihrer Prognose erwartet die EU-Kommission heuer 10,0 Prozent Arbeitslosigkeit in der Eurozone und 2012 10,1 Prozent. Für Österreich wird ein Anstieg von 4,2 Prozent im laufenden Jahr auf 4,5 Prozent 2012 vorhergesagt.

Die Inflation soll nach 2,6 Prozent heuer in der Eurozone im nächsten Jahr wieder auf 1,7 Prozent zurückgehen. Für Österreich wird ein Rückgang der Teuerung von 3,4 Prozent auf 2,2 Prozent prognostiziert.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa sei mit erheblichen negativen Risiken behaftet, sagte Rehn. Die Finanzmarktturbulenzen könnten weitere negative Auswirkungen haben. Die notwendigen Konsolidierungsanstrengungen könnten stärker als erwartet die Binnennachfrage dämmen. Auch sei nicht auszuschließen, dass der Welthandel weiter an Schwung verliere. (APA)