Nach Entführungsversuch in OÖ: Lange Einvernahme von Angeklagtem
Die Einvernahme des Hauptangeklagten in einem Linzer Prozess nach der versuchten Entführung einer Bankiersfrau hat sich am Donnerstag langwierig gestaltet.
Linz - Der 56-jährige Deutsche gab vor dem Geschworenensenat an, er habe das Opfer lediglich vor seinem angeblich sehr gefährlichen Komplizen schützen wollen. Dieser wiederum wollte mit der Sache hingegen gar nichts zu tun haben. Am 17. November wird wie geplant weiterverhandelt, auch ein dritter Prozesstag wurde nicht ausgeschlossen.
Als am 8. September 2010 an der Haustür geläutet wurde und die Bankiersgattin die Tür öffnete, versuchte ein Unbekannter, ihr den Mund zuzuhalten. Sie schrie und trieb den Mann in die Flucht. Das Opfer rannte ihm einige Meter nach und sah noch einen Komplizen. Die Frau lief zu den Nachbarn, diese verständigten die Polizei. Für die Staatsanwältin lag auf der Hand, dass die beiden Männer eine Entführung planten. Sie hätten vorgehabt, ihr Opfer im Bad zu fesseln, dort festzuhalten und vom Ehemann 300.000 bis 400.000 Euro Lösegeld zu fordern.
In der Nähe des Tatorts fanden die Ermittler eine Sporttasche mit einer Handgranate inklusive Zünder, aber ohne Sprenginhalt sowie Perücken, Handschuhe, einen falschen Bart und zwei Funkgeräte. Auf den Gegenständen wurden DNA-Spuren des Hauptangeklagten und Fingerabdrücke des mutmaßlichen Komplizen gefunden. Zudem wurde den Männern nachgewiesen, dass sie vor der Tat die Umgebung der Arbeitsstätte des Ehemannes und deren Umgebung ausgekundschaftet hatten sowie, dass sie mehrmals im Wohnort des Paares waren.
Vor Gericht schoben sich die Männer die Verantwortung gegenseitig zu. Der Hauptangeklagte, der in Tschechien gefasst wurde, hat bereits einige Kapitalverbrechen in den USA auf dem Kerbholz, nach eigenen Angaben arbeitete er dort im Sicherheitsbereich. Er gestand den Tatablauf zwar, sagte jedoch, er habe die Frau schützen und nicht lebenslänglich ins Gefängnis gehen wollen. Sein Komplize und dessen Vater, der ein kolumbianischer Drogenboss sei, hätten die Erpressung geplant und er habe nur aus Angst vor angeblichen Hintermännern sowie aus Geldnot mitgemacht. „Er ist sicher ein Täter, aber er ist gleichzeitig auch ihr Retter“, formulierte sein Verteidiger. Der Anwalt des 32-Jährigen sah das ganz anders: Sein Mandant sei nicht an dem Verbrechen beteiligt gewesen. „Er war zur falschen Zeit am falschen Ort.“
Der 56-Jährige war wegen Parallelen auch im deutschen Mordfall Maria Bögerl ins Visier der Kriminalisten geraten. Es habe sich aus den Ermittlungen aber kein Hinweis ergeben, dass der Mann etwas mit dem Verbrechen zu tun habe, teilte die Polizei in Heidenheim am Donnerstag auf APA-Anfrage mit. Die Bankiersgattin Maria Bögerl war am 12. Mai 2010 in ihrem Haus überfallen und im eigenen Wagen entführt worden. Eine Lösegeldübergabe scheiterte. Die Frau wurde 22 Tage danach erstochen; ihr Mann erhängte sich gut ein Jahr nach der Entführung in seinem Haus. (APA)