Gesellschaft

Erdbeben in der Türkei: Zahl der Opfer steigt, Kritik an Regierung

In der Osttürkei steigt die Zahl der Erdbebentoten weiter. Wie viele noch unter den Trümmern verschüttet sind, ist unklar. Die Kritik an der Regierung wächst.

Van – Nach dem neuen heftigen Erdbeben im Osten der Türkei haben Einsatzkräfte einen weiteren Menschen aus den Trümmern geborgen. Insgesamt seien somit 30 Verschüttete seit Mittwoch gerettet worden, teilte ein Sprecher des lokalen Krisenzentrums der Nachrichtenagentur dpa am Freitag mit. Wie viele Menschen noch unter den Trümmern begraben seien, wollte er nicht sagen. Die Zahl der Toten stieg unterdessen auf mindestens 19.

In der Stadt Van gruben Bagger im Schutt der Hotels Bayram und Aslan. Nach Berichten vom Donnerstag ist unter den Todesopfern auch ein japanischer Arzt, der nach dem Erdbeben im Oktober nach Van gereist war, um zu helfen. Er konnte zwar unter den Trümmern des Bayram Hotels rausgezogen und wiederbelebt werden, starb aber im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen.

Der Erdbebenexperte Dogan Kalafat warnte im Sender CNN Türk vor weiteren schweren Nachbeben in drei Wochen. Die Menschen sollten nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke des Bebens mit 5,6 an. Das Zentrum der Erdstöße von Mittwoch 21.23 Uhr Ortszeit (20.23 Uhr MEZ) lag in Edremit, einem Ort 20 Kilometer südwestlich der Stadt Van. Die Einsatzkräfte widersprachen Berichten, dass noch bis zu 150 Menschen begraben sein könnten. Erst am 23. Oktober war die Provinz von einem noch schwereren Erdbeben der Stärke 7,2 heimgesucht worden.

Protest gegen Innenminister

Unterdessen wurde Kritik an Gouverneur Munir Karaloglu laut: Er hatte der Bevölkerung nach dem Oktober-Beben geraten, wieder in ihre Häuser zurückzukehren, falls sie nicht zerstört seien. Am Donnerstag protestierten Menschen in Van gegen Innenminister Beshir Atalay. Es kam zu Ausschreitungen, Polizisten setzten Gummiknüppel und Tränengas ein. (APA/dpa)