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Strafanzeige gegen zwei Interfracht-Manager

Bei der ÖBB-Güterverkehrstochter Express Interfracht GmbH (EXIF) in Wien-Freudenau ist nach kurzen Recherchen am 4. November Strafanzeige gegen zwei Manager erhoben worden, sie wurden suspendiert. Der Vorwurf laute auf Untreue und schweren gewerbsmäßigen Betrug, berichtet das Nachrichtenmagazin „Format“. Tags darauf rückte demnach das Bundesamt zur Korruptionsbekämpfung zu Hausdurchsuchungen aus.

Mittlerweile sei einer der Beschuldigten geständig, so das Magazin. Seit 2008 sollen bei Lkw-Transporten nach Russland regelmäßig Zahlungen an zwei Personen beziehungsweise Scheinfirmen erfolgt sein. Es gehe um Schmiergeld an die Einkäufer einer russischen Papierfabrik, um an Aufträge von dort zu kommen. Die Schadenssumme betrage zwischen 200.000 und 300.000 Euro.

Die ÖBB wollen allgemein im Kampf gegen die Korruption im Güterverkehr Ernst machen: Insgesamt wurden laut „Format“ bereits über zehn Manager gefeuert und auch Strafanzeigen in mehreren Ländern eingebracht. ÖBB-Chef Christian Kern nimmt nun die Auslandstöchter an die Kandare: „Sie werden voll ins Controlling des Konzerns integriert - was bei knapp 100 Gesellschaften ein Riesenaufwand ist“, wird der Bahn-Boss zitiert.

Headhunter Egon Zehnder soll nun zwischen 20 und 30 neue Manager für die Auslandstöchter suchen. So will Kern einerseits die Gefeuerten ersetzen, andererseits aber auch die Mannschaft ausbauen. Zudem werden die ÖBB in rund zwei Wochen einen Chief Compliance Officer bestellen, in dessen Bereich eine eigene Antikorruptionsstelle eingerichtet wird.

Die Geschäfte der Güterverkehrssparte der ÖBB samt Lkw-Speditionsgeschäft unter den früheren Vorständen Gustav Poschalko und Friedrich Macher werden von der internen Revision geprüft. Poschalko weist alle Vorwürfe zurück. „Ich habe mit absoluter Sicherheit nichts Unrechtes getan.“ Er lässt durchblicken, dass die Misere erst unter seinem Nachfolger Macher begonnen habe. Dieser wiederum argumentiert, dass er von Poschalko den ganzen Wildwuchs habe übernehmen müssen.