Berlusconi vor seiner Residenz ausgepfiffen und beschimpft
„Geh nach Hause!“ und „Du bist die Schande Italiens!“, riefen dem scheidenden italienischen Premier Silvio Berlusconi die aufgebrachten Demonstranten zu.
Rom - Der scheidende italienische Premier Silvio Berlusconi muss nach dem Scheitern seines Kabinetts eine weitere Demütigung hinnehmen. Beim Verlassen seiner römischen Residenz, in der er am Freitagabend zu einem Gipfeltreffen seiner Mitte-Rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL - Popolo della liberta) geladen hatte, wurde der Regierungschef von einer Gruppe von Personen ausgepfiffen und heftig beschimpft. „Geh nach Hause!“ und „Du bist die Schande Italiens!“, riefen ihm die aufgebrachten Demonstranten zu. Berlusconi stieg schnell in sein Auto ein und fuhr mit seinen Leibwächtern davon.
Es wird erwartet, dass Berlusconi am Samstag seinen Rücktritt einreicht. Am Freitag bemühte er sich in Gesprächen mit seinen bisherigen Regierungspartnern, einen Ausweg aus der politischen Krise zu finden. Er konnte jedoch die mitregierende rechtspopulistische Lega Nord nicht dazu überreden, eine Übergangsregierung unter Führung von Ex-EU-Kommissar Mario Monti zu unterstützen. Berlusconi ist auch mit Widerstand aus den eigenen Reihen konfrontiert. Mehrere Spitzenvertreter seiner PdL stemmen sich gegen eine Übergangsregierung, an der auch die oppositionelle Mitte-Links-Gruppierung „Demokratische Partei“ (PD) beteiligt wäre.
Ein Teil der Regierungspartei fordert, dass die Regierung Monti nur extern unterstützt wird. Dies würde bedeuten, dass die bisherige Regierungspartei keine eigenen Minister in Montis Kabinett schicken würde. Die neue Regierung solle ausschließlich aus parteiunabhängigen Fachleuten bestehen, fordern mehrere Berlusconi-Parlamentarier. Kreisen zufolge erwäge Berlusconi sogar, einen alternativen Kandidaten zu Monti vorzuschlagen.
Präsident Giorgio Napolitano beobachtet besorgt die politischen Verhandlungen in Rom. Der Staatschef, der am Freitagabend EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy traf, rief die Parteien zu raschem Handeln in der Krise auf. Italien könne sich in dieser akuten Phase der Schuldenkrise kein politisches Vakuum erlauben. Das Land brauche eine funktionsfähige Regierung, die die mit Brüssel beschlossenen Sparmaßnahmen zügig umsetzen könne. (APA)