Nach Berlusconi-Abgang ist Napolitano am Zug
Nach dem Rücktritt von Italiens Ministerpräsident Berlusconi nimmt in Rom Präsident Napolitano das politische Steuer in die Hand. Das Staatsoberhaupt startet am Sonntag mit einer Konsultationsrunde unter den Parteien, um einen Ausweg aus der Krise zu finden. Der Präsident wird erst die Parlamentspräsidenten Fini und Schifani und dann die verschiedenen Parteichefs treffen.
Laut informierten Kreisen in Rom könnte der Staatschef bereits am Sonntagabend den ehemaligen EU-Kommissar Monti mit der Regierungsbildung beauftragen. Damit will Napolitano vor der Eröffnung der Börsen am Montag ein klares Zeichen der Zuverlässigkeit Italiens setzen.
Napolitano unterstützte die Kandidatur des ehemaligen EU-Kommissars Mario Monti für das Amt des Premiers einer Übergangsregierung, die Italien bis Ende der Legislaturperiode 2013 führen soll. Berlusconi hatte Monti am Samstag grundsätzlich seine Unterstützung signalisiert.
Bei einem zweistündigen Gespräch im Regierungssitz stellte ihm Monti auch schon eine mögliche Ministerliste für seine eventuelle Regierung vor, die ausschließlich aus parteilosen Experten bestehen sollte. Berlusconi habe sich bereit gezeigt, das neue Kabinett zu unterstützen, aber nur unter Einhaltung eines Regierungsprogramms bestehend aus Maßnahmen, die von Italien seitens der EU verlangt werden, verlautete aus Rom.
Die mit Berlusconi verbündete rechtspopulistische Lega Nord will eine Übergangsregierung mit Monti als Premier nicht unterstützen und fordert vorgezogene Parlamentswahlen. Die Bildung einer neuen Regierung in Rom könnte sich mithin als hürdenreich erweisen.