Hamilton gewinnt in Abu Dhabi, mysteriöser Plattfuß stoppt Vettel
Für Sebastian Vettel dauerte der Grand Prix in Abu Dhabi gerade einmal bis Kurve zwei.
Abu Dhabi - Sebastian Vettel schlug wütend mit der Faust aufs Lenkrad und musste von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone getröstet werden. Ein mysteriöser Reifenplatzer nach wenigen Metern hat dem Weltmeister am Sonntag in Abu Dhabi die bittersten Stunden in dieser Saison und den ersten Ausfall seit über einem Jahr im Red Bull beschert. Die sonst zu Statisten degradierten Konkurrenten konnten die Gunst beim Großen Preis im Wüstenstaat nutzen. Den Sieg holte sich Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes vor Ferrari-As Fernando Alonso und Jenson Button im zweiten McLaren.
Vettel hat damit keine Chance mehr, den Siegrekord in einer Saison von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 mit 13 Grand-Prix-Erfolgen zu egalisieren. Vor dem Saisonfinale in zwei Wochen in Sao Paulo hat Vettel weiter elf Erfolge auf dem Konto.
Paul McCartneys Gitarre brachte kein Glück
Ausgerechnet am Ort seines ersten WM-Triumphs gab es für Mr. Makellos nichts zu feiern; eine geschenkte Gitarre von Paul McCartney brachte dem Beatles-Fan kein Glück. Dabei hatte Vettel am Tag zuvor noch den Ton angegeben: Mit seiner 14. Pole Position in diesem Jahr stellte der Heppenheimer den fast schon verstaubten Rekord des Briten Nigel Mansell (1992) ein. Und auch beim Rennstart fand Vettel gleich den Rhythmus.
Der 24-Jährige, der bis dahin nur einmal in diesem Jahr das Podest verfehlt hatte, bog bereits mit einigen Metern Vorsprung ungefährdet in die erste Kurve auf dem 5,554 Kilometer langen Yas Marina Circuit ein. Doch unmittelbar danach rutschte Vettel mit seiner sonst zu zuverlässigen „Kinky Kylie“ von der Strecke: Der rechte Hinterreifen war geplatzt, das Gummi bereits von der Felge gerutscht. Der Hesse tuckerte rund fünf Kilometer über die Strecke bis zur Box. Nachdem Vettel das letzte Mal am 24. Oktober 2010 klar auf Siegkurs liegend beim großen Preis von Südkorea wegen eines Motorschadens ausgeschieden war, musste er diesmal nach einer Runde raus.
Hamilton nutzte Gunst der Stunde
Sichtlich deprimiert zog Vettel seinen Glitzerhelm aus und warf einen Blick auf das Corpus Delicti, während seine Rivalen ohne den Dominator um den Sieg bei dem Wüsten-Grand-Prix rasten. Als wäre der Vettel-Ausfall für die «Roten Bullen» nicht schon ärgerlich genug gewesen, verabschiedete sich auch Teamkollege Mark Webber durch einen verpatzten Boxenstopp von den Siegkandidaten. Statt der üblichen drei bis vier Sekunden verharrte der Australier knapp zehn Sekunden beim ersten Reifenwechsel.
Einem war‘s gerade recht. Hamilton, der sich in der Qualifikation in letzter Sekunden von Vettel die Pole aus den Händen reißen lassen musste, übernahm die Führung. Auch nach dem ersten Stopp der Topfahrer war der Brite weiter in Front. Dahinter Alonso, der vor einem Jahr in Abu Dhabi in einem atemraubenden Finale den WM-Kampf gegen Vettel verloren hatte. Ganz so spannend gestaltete sich das vorletzte Saisonrennen in diesem Jahr nicht. (dpa)
F1-Grand-Prix von Abu Dhabi, Endstand:
1. Lewis Hamilton (GBR) McLaren 01:37:11,886 Stunden
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +08,457
3. Jenson Button (GBR) McLaren +25,881
4. Mark Webber (AUS) Red Bull +35,784
5. Felipe Massa (BRA) Ferrari +50,578
6. Nico Rosberg (GER) Mercedes +52,317
7. Michael Schumacher (GER) Mercedes +01:15,964
8. Adrian Sutil (GER) Force India +01:17,122
9. Paul di Resta (GBR) Force India +01:41,087
10. Kamui Kobayashi (JPN) Sauber +1 Runde
weiters: 15. Jaime Alguersuari (ESP) Toro Rosso +1 Runde
Ausgeschieden: Sebastien Buemi (SUI) Toro Rosso, Jerome D‘Ambrosio (BEL) Virgin, Daniel Ricciardo (AUS) Hispania, Sebastian Vettel (GER) Red Bull
Schnellste Runde: Mark Webber (AUS) Red Bull, 51. Runde, 1:42,612 Min.
WM-Stand (nach 18 von 19 Rennen):
1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 374 Punkte
2. Jenson Button (GBR) McLaren 255
3. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 245
4. Mark Webber (AUS) Red Bull 233
5. Lewis Hamilton (GBR) McLaren 227
6. Felipe Massa (BRA) Ferrari 108
7. Nico Rosberg (GER) Mercedes 83
8. Michael Schumacher (GER) Mercedes 76
Konstrukteurs-WM (nach 18 von 19 Rennen):
1. Red Bull 607 Punkte
2. McLaren-Mercedes 482
3. Ferrari 353
4. Mercedes 159
5. Lotus-Renault 72
6. Force India 57
7. Sauber 42
8. Toro Rosso 41
9. Williams 5