Gesellschaft

Norwegischer Attentäter am Montag persönlich vor Gericht erwartet

Die Angehörigen wollen nicht, dass die kommende Haftprüfungsverhandlung von Anders Behring Breivik öffentlich abgehalten wird.

Oslo - Die nächste Gerichtsanhörung des geständigen Attentäters der Anschläge in Norwegen, Anders Behring Breivik, soll am Montag in Anwesenheit des Verdächtigen stattfinden.

Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte am Freitag eine entsprechende Entscheidung getroffen. Behring Breivik sollte zunächst lediglich per Videolink bei der Anhörung zugeschaltet werden, bei der über die Verlängerung seiner Untersuchungshaft um zwölf Wochen entschieden werden soll. Die Anhörung soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die Angehörigen der Opfer von Anders Behring Breivik haben sich kritisch gegen den Beschluss der Justiz gewandt, die kommende Haftprüfungsverhandlung des mutmaßlichen Terroristen und Massenmörders öffentlich abzuhalten. Breivik erhalte dadurch erneut eine Bühne für seine Ansichten. Die erwartete erhöhte Aufmerksamkeit löse Bedenken aus. „Für uns ist das eine sehr große Extrabelastung“, sagte ein Sprecher anlässlich eines Treffens der Opfer-Angehörigen am Sonntag.

Die Angehörigen der 77 bei den Anschlägen Breiviks im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utöya, Getöteten veröffentlichten nach ihrem Treffen am Osloer Flughafen Gardemoen auch eine entsprechende gemeinsame Erklärung. Auf gewisse Weise könne man die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom vergangenen Freitag, die Haftprüfungsverhandlung am Montag öffentlich durchzuführen, als neuerlichen Übergriff auf die Gefühle der unmittelbar Betroffenen betrachten, sagte ein Opfer-Anwalt.

Breivik selbst hatte am Freitag nach Angaben eines seiner Verteidiger, Tord Jordet, mit Verwunderung und zufrieden reagiert. Jordet zufolge legt Breivik nach wie vor keine Reue oder ein schlechtes Gewissen über sein Handeln an den Tag.

Behring Breivik hatte am 22. Juli zunächst im Regierungsviertel von Oslo eine Autobombe gezündet und damit acht Menschen getötet. Anschließend eröffnete er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya das Feuer und erschoss 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer. (APA)