Hypo-Aufsichtsratschef spricht von „kriminellen Machenschaften“

Das Millionendebakel der Hypo-Tirol in Italien wird zum Kriminalfall: Wilfried Stauder, Aufsichtsratschef der Hypo, sprach in einer Pressekonferenz von „kriminellen Machenschaften“.

Innsbruck – „Alle Verantwortlichen für die Italien-Pleite der Bank werden zur Rechenschaft gezogen.“ Mit dieser Ankündigung von Aufsichtsratchef Wilfried Stauder erhält das Millionendebakel der Hypo in Italien eine neue Dimension. Stauder sprach bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Freitagnachmittag von „kriminellen Machenschaften“. Eine Sachverhaltsdarstellung diesbezüglich wurde den Staatsanwaltschaften in Italien und Österreich bereits übermittelt.

Erstmal nahm Hypo-Vorstandsvorsitzender Markus Jochum am Freitag gegen Mittag zu den Verlusten der Landeshypo in Italien Stellung, nachdem die TT vorab exklusiv davon berichtet hatte: „Die Hypo Tirol Bank Italien, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Hypo Tirol Bank AG in Österreich, wird im laufenden Geschäftsjahr zusätzliche Kreditvorsorgen bis zu 120 Millonen Euro zu verzeichnen haben“, sagte Jochum.

Im Zuge der Umstrukturierung und Neuausrichtung durch den neuen Vorstand der Hypo Tirol Bank AG wurde das Kreditportfolio der Hypo Tirol Bank Italien eingehend geprüft und analysiert.

Vor diesem Hintergrund – in Verbindung mit den derzeitig schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – besteht die Notwendigkeit, das Kreditportfolio entsprechend den erkannten Risiken zu bereinigen.

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„Ergebnis der Hypo belastet“

Jochum: „Die Hypo Tirol Bank Italien wird somit im Geschäftsjahr 2011 einen Verlust in Höhe dieser zusätzlichen Kreditvorsorgen ausweisen. Die Hypo Tirol Bank AG, Österreich, wird ihre Tochtergesellschaft Hypo Tirol Bank Italien kapitalmäßig so ausstatten, dass sie über die gesetzlich erforderlichen Eigenmittel verfügt. Dadurch wird das Ergebnis der Hypo Tirol Bank AG, Österreich, aufgrund der Abschreibung des Buchwertes ihrer Beteiligung in derselben Höhe belastet.“

Trotz dieser Ergebnisbelastung sei es der Hypo Tirol Bank AG, Österreich, möglich, die Eigenmittelvorschriften des Bankwesengesetzes nach wie vor klar zu erfüllen. So wird die Konzernkernkapitalquote bei zumindest 5,8% sowie die Konzerneigenmittelquote bei zumindest 9,8% liegen. Überdurchschnittlich gut stelle sich die Liquiditätssituation der Bank dar.

Dennoch werden sich die Verluste dramatisch auf das Bilanzergebnis für 2011 auswirken. Denn inklusive der faulen Kredite in Italien geht die Hypo-Führung von einer notwendigen Wertberichtigung von 171 Millionen Euro und einem negativen Bilanzergebnis in Höhe von 110 Millionen Euro aus.

Die Bank sei in ihrem eigenständigen Bestand aber nicht gefährdet, da das operative Geschäft gut laufe und die Aussichten für 2012 gut seien, betont man bei der Hypo.

Erfolgreiche Zukunft gesichert

Nach der Neubesetzung und Komplettierung des österreichischen Vorstandes wurden laut Jochum Umstrukturierungen und die konsequente Ausrichtung der Bank auf den Kernmarkt Tirol vorgenommen. Damit ist eine erfolgreiche Zukunft der Bank gesichert.

Die Millionenverluste resultieren aus Kreditausfällen, die jetzt wertberichtigt werden müssen. Der entsprechende Bericht liegt den Gremien vor, seit Donnerstag laufen die Telefone heiß. Auch die Finanzmarktaufsicht wurde bereits davon informiert.

Schon in den Vorjahren muss die Hypo Tirol hohe Wertberichtigungen vornehmen, in den letzten beiden Jahren um über 140 Mio. Euro. In der Bilanz 2009 wurden die Kreditausfälle mit 72,5 Millionen Euro beziffert, im Vorjahr mit 71,6 Mio. Euro.

Die Kreditvergabe an eine Solarfirma in Bayern endete in einem 21 Millionen Euro-Debakel. Die Hypo hofft jetzt in einem Wirtschaftsprozess, einen Teil des Geldes zurückzuerhalten.

Führungsetage ausgetauscht

Die Hypo-Führungsetage wurde in den vergangenen zwei Jahren völlig umgekrempelt: Unter anderem wegen der umstrittenen Kreditvergabe in Bayern musste der ehemalige Hypo-Vorstand Hannes Gruber im Dezember 2009 den Hut nehmen, in der Folge wurden auch die beiden anderen Hypo-Vorstände abgelöst.

Vorstandsvorsitzender wurde Markus Jochum, er wird von Hans-Peter Hörtnagl als Vorstand für Markt Corporates und von Johann Kollreider als Vorstand für Markt Retail unterstützt.

Schon seit Monaten kursierten Gerüchte, dass im Italien-Geschäft einiges schief gelaufen sei. (TT)


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