„Melancholia“ ist Europäischer Film 2011 - Gala aber ohne Lars von Trier

Lars von Triers Drama „Melancholia“ hat den Europäischen Filmpreis gewonnen. „Pina“ wurde als bester Dokumentarfilm geehrt.

Berlin - „Melancholia“ von Lars von Trier ist der Europäische Film 2011. Das Endzeit-Drama des dänischen Regisseurs wurde am Samstagabend im Berliner Tempodrom bei der Verleihung des 24. Europäischen Filmpreises als bester Film ausgezeichnet - allerdings in Abwesenheit des Filmemachers. Seine Frau Bente Froge nahm den Preis entgegen. Zudem gingen die Ehrungen für Kamera und Szenenbild an den Dänen. Der deutsche Regisseur Wim Wenders bekam die Auszeichnung für seinen 3D-Tanzfilm „Pina“ in der Kategorie Dokumentarfilm.

Bente Froge hatte keine Dankesrede ihres Mannes dabei: „Er hat keine Nachricht für euch, weil er entschieden hat, keine Statements mehr zu geben.“ Er habe sie jedoch gebeten, „euch freundlich zuzuwinken“. Von Trier hatte im Mai beim Filmfest in Cannes mit Nazi-Äußerungen für einen Eklat gesorgt. Am Samstagabend war er mit acht Nominierungen, auch für Regie und Drehbuch, ins Rennen gegangen.

Zur Europäischen Regisseurin 2011 wurde jedoch die Dänin Susanne Bier für „In einer besseren Welt“ gekürt. Für das Drehbuch zu „Der Junge mit dem Fahrrad“ wurden die belgischen Regiebrüder Jean-Pierre und Luc Dardenne ausgezeichnet.

Europäische Schauspieler 2011 sind Tilda Swinton („We Need To Talk About Kevin“) und Oscar-Preisträger Colin Firth („The King‘s Speech“). Nominiert gewesen waren auch Kirsten Dunst, die bereits in Cannes geehrt worden war, sowie Charlotte Gainsbourg für „Melancholia“.

Wenders: „Ich bin Pina Bausch dankbar“

„Melancholia“ bekam derweil auch den Preis für den besten Kameramann (Manuel Alberto Claro). Für das Szenenbild in dem Drama wurde Jette Lehmann geehrt. „Melancholia“ inszeniert das Ende der Welt als intimes Drama über zwei unterschiedliche Schwestern, die ein auf die Erde zurasender Planet zwingt, Bilanz zu ziehen.

Ebenfalls ins Rennen um den wichtigsten Preis für den besten Film waren die Oscar-Gewinner „The King‘s Speech“ (Bester Film) und „In einer besseren Welt“ (Bester fremdsprachiger Film) sowie „The Artist“, „Der Junge mit dem Fahrrad“ und „Le Havre“ gegangen.

Wenders, der auch Präsident der European Film Academy (EFA) ist, setzte mit „Pina“ der 2009 plötzlich verstorbenen Leiterin des Wuppertaler Tanztheaters ein filmisches Denkmal. Wenders betonte: „Ich bin Pina Bausch sehr dankbar.“ Eine Tänzerin aus der Compagnie sagte: „Der Film war ein großer Trost für uns.“

„Pina“ erhielt bereits den Deutschen Filmpreis. Zudem bewirbt sich die Dokumentation zwei Mal um einen Oscar: Sie wurde als deutscher Beitrag für das Rennen um den besten nicht englischsprachigen Film ausgewählt und ist unter den Bewerbern in der Kategorie Dokumentarfilm.

Ehrenpreis an Michel Piccoli

Der besondere Ehrenpreis der EFA ging an den französischen Schauspieler Michel Piccoli, auch als bester Schauspieler in „Habemus Papam“ ins Rennen gegangen war. Bruno Ganz und Volker Schlöndorff sagten, sie überreichten Piccoli den Preis „aus Liebe“.

Der britische Regisseur Stephen Frears („The Queen“) wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Manche seiner Filme habe das Publikum gemocht, manche nicht, sagte er. Der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen („Adams Äpfel“) erhielt die Trophäe für seinen Beitrag zum Weltkino. Dies sei die Art von Preis, die einen spüren lasse, dass man „alt“ sei, sagt Mikkelsen.

Drei Österreicher fieberten mit

Auch drei Österreicher hatten auf eine Trophäe gehofft. Gleich doppelt war man im „European Discovery - Prix Fipresci“ der Nachwuchsfilmer vertreten: Mit Karl Markovics‘ „Atmen“ und Markus Schleinzers „Michael“ kamen zwei der fünf Nominierten aus Österreich. Überdies hatte Josef Habernig Chancen auf eine Auszeichnung. Der Filmer war in der Kurzfilm-Sparte mit seinem siebzehnminütigen Werk „Hypercrisis“ vertreten. Letztlich gingen aber alle drei leer aus.

Kunst- und Kulturministerin Claudia Schmied (S) zeigte sich dennoch erfreut: „Drei Normierungen beim Europäischen Filmpreis unterstreichen die Qualität des österreichischen Filmschaffens und verdeutlichen die wichtige Rolle des Bundes den heimischen Film zu fördern. Ich freue mich in meiner Funktion als Kulturministerin diesen selbstbewussten Auftritt der österreichischen Filmschaffenden zu begleiten.“

Die Nominierungen reihten sich an zahlreiche internationale Preise in den letzten Jahren ein, so die Ministerin: „Sie sprechen eine klare Sprache, auch wenn unsere Nominierungen dieses Mal nicht zum Zug kamen: Österreich zählt längst zu jenen Ländern, die herausragende Erfolge feiern und für ihr Filmschaffen wahrgenommen werden.“

Der erneut von Anke Engelke moderierte 24. Europäische Filmpreis wurde in insgesamt 17 Kategorien verliehen. (dapd/APA/dpa)


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