Diktatoren-Sohn muss Macht teilen

Kim Jong Un wird Nordkorea zunächst gemeinsam mit einem Onkel regieren, heißt es aus informierten Kreisen. Auch das Militär wird ein gewichtiges Wort mitzureden haben.

Pjöngjang – Nordkoreas Militär hat sich Kreisen zufolge hinter den Sohn des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il gestellt. An der Staatsführung des noch jungen Kim Jong Un würden sich die Generäle aber beteiligen, sagte eine Person mit engen Verbindungen zu den Regierungen Nordkoreas und Chinas am Mittwoch zur Nachrichtenagentur Reuters.

Auch werde der Herrschersohn die Macht mit einem Onkel teilen müssen. Mit der Aussicht auf eine Führungsriege sei ein Putsch nun sehr unwahrscheinlich, sagte der Informant, der zuvor wichtige Ereignisse wie den ersten Atomtest des Landes vorausgesagt hatte.

Raketentest als Warnung

In naher Zukunft sei nicht mit einem weiteren Atomtest zu rechnen, sagte der Kenner weiter. Der Raketentest am Montag habe den USA als Warnung vor einem Vorgehen gegen Nordkorea gelten sollen. „Mit dem Raketentest wollte (Nord-)Korea signalisieren, dass es sich selbst schützen kann.“ Sollten sich die Spannungen nicht weiter verschärfen, erwarte er in Kürze keine weiteren Tests.

In den Jahren 2006 und 2009 schockierte das verarmte und isolierte Land die Weltgemeinschaft mit zwei Atomtests. Bis heute ist unklar, ob das Militär im Besitz einer einsatzfähigen Kernwaffe ist. Die Furcht vor einem Machtvakuum nach dem Tod des langjährigen Herrschers sorgte in der Region für Unruhe.

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Nordkorea ist international weitgehend isoliert und von gravierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Versorgungsproblemen betroffen. Ob die kommunistische Führung in Pjöngjang nach dem Machtwechsel zu dringend notwendigen Kurskorrekturen bereit wäre, gilt als ungewiss.

Das mächtigste Entscheidungsgremium in Nordkorea ist die Nationale Verteidigungskommission, die die Kontrolle über die 1,2 Millionen Mann starke Armee ausübt. Als Vorsitzender der Kommission war Kim Jong Il oberster Machthaber des Staates.

Drei Jahre vor dem Tod seines Vaters und „ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung 1994 war Kim bereits oberster Befehlshaber der Streitkräfte, die ebenso einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im Staat bilden.

Beileidsbekundung für US-Regierung „unangebracht“

Die US-Regierung lehnt eine offizielle Beileidsbekundung zum Tod des nordkoreanischen Diktators ab. „Wir halten dies in diesem Fall für unangebracht“, sagte die Sprecherin des UA-Außenministeriums, Victoria Nuland, am Dienstag.

Nulands Worten zufolge haben die USA noch nicht über Nahrungsmittelhilfen für das bitterarme Land entschieden. Gespräche darüber mit nordkoreanischen Unterhändlern in der vergangenen Woche in Peking seien ohne Ergebnis geblieben.

Außenministerin Hillary Clinton hatte zuvor in einer kurzen Mitteilung erklärt, die USA seien „zutiefst besorgt“ über das Wohlergehen des nordkoreanischen Volkes. (TT.com, APA/Reuters/dpa)


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