Akten-Affäre: SP-Kräuter fordert Prüfung von U-Haft gegen Grasser

Der Anwalt eines Grasser-Partners in Liechtenstein soll brisante Akten unterschlagen haben. Die Regierung in Vaduz hat für Donnerstag eine Sondersitzung zu der Causa anberaumt.

Wien – Anlässlich der nun bekanntgewordenen neuen Verdachtsmomente in der Causa Buwog, wonach gegen einen Liechtensteiner Anwalt wegen Verdachts auf Unterdrückung von beschlagnahmten Akten ermittelt wird, fordert SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter die Justizbehörden auf, die Verhängung der Untersuchungshaft gegen Karl-Heinz Grasser zu prüfen.

„Es handelt sich mittlerweile um einen geradezu klassischen Fall von Verabredungs- und Verdunkelungsgefahr. Neben den verschleierten Stiftungskonstruktionen des Grasser-Netzwerkes in Liechtenstein besteht nun sogar der konkrete Verdacht einer Manipulation von Dokumenten durch einen Rechtsvertreter“, so Kräuter heute Mittwoch in einer Aussendung.

Grasser klagt SP-Kräuter

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) klagt nun SPÖ-Bundesgeschäftsführer Kräuter auf Üble Nachrede und Kreditschädigung, teilte Grassers Anwalt in Mediensachen Michael Rami Mittwochabend der APA mit.

Regierungssondersitzung in Liechtenstein

Die Affäre um die entwendeten Akten schlägt im Fürstentum hohe Wellen: Am Donnerstag wird die Liechtensteinische Regierung zu diesem Thema eine außerordentliche Sitzung abhalten.

„Gestützt auf einen beim Gericht in Auftrag gegebenen Bericht werden an dieser Sitzung entsprechende Maßnahmen beschlossen. Die Regierung verlangt, dass alles Notwendige zur raschen und vor allem lückenlosen Aufklärung des Falles unternommen wird“, heißt es in einer der APA übermittelten Aussendung.

Akten bei Hausdurchsuchung nicht gefunden

Das Liechtensteinische „Volksblatt“ berichtete auf seiner Homepage indes von einem neuen Verdacht in der Aktenaffäre. Nachdem der Anwalt des Grasser-Geschäftspartners die Akten entwendet hatte, genehmigte das Landgericht unverzüglich die Anträge der Staatsanwaltschaft für Hausdurchsuchungen. Zwei Razzien bei besagtem Anwalt seien aber ergebnislos geblieben, die Akten wurden nicht gefunden.

Ob die Liechtensteiner Behörden nicht gründlich genug nachschauten, oder ob der Anwalt die heiklen Akten womöglich weitergegeben hatte, lässt sich offenbar nicht klären. Daher ist auch offen, ob die brisanten Schriftstücke nicht eventuell nach Österreich kamen.

Gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wird in der Buwog-Affäre wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch und Untreue ermittelt, es gilt die Unschuldsvermutung.

Grasser hat stets bestritten, irgendwie von der Provision des siegreichen Buwog-Bieters Immofinanz profitiert zu haben. Die fast 10 Mio.-Euro Provision der Immofinanz an Peter Hochegger und Walter Meischberger wurde über Zypern nach Liechtenstein transferiert. (TT.com, APA)


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