Libanon-Einsatz: Das Christkind brachte Käsekrainer

Österreichische Soldaten feierten Weihnachten mit Verteidigungsminister Darabos zwischen Bananenplantagen und Olivenbäumen.

Naqoura - Direkt am Meer zwischen Bananenplantagen und Olivenbäumen liegt das Camp der UNIFIL-Mission im Südlibanon. Dort feiern heuer das erste Mal rund 160 österreichische Soldaten bei 20 Grad Tagestemperatur und Sonnenschein Weihnachten. Viel Heimisches ist in Naqoura (Nakura) aber nicht zu sehen, auch das Essen im Camp ist alles andere als österreichisch, an die Alpen erinnert einzig der Name der Camp-Schenke „Zum Edelweiß“, in der Mittwochabend das österreichische Kontingent mit Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) Weihnachten feierte.

Der neue Einsatz des Bundesheeres ist trotz Sonne und Meer alles andere als Urlaub. Die rund 160 Soldaten sind für Transport von Personal und Ausrüstung, das Bergen und Reparieren von Fahrzeugen und die Versorgung der UNO-Truppe mit Treibstoff zuständig. Die Soldaten dürfen außerhalb der Einsätze nicht raus und zwischen Camp und Meer ist Stacheldraht aufgespannt.

Gemeinsam mit 12.000 anderen Soldaten aus 35 Ländern versuchen die Blauhelme, bewaffnete Konflikte zwischen Israel und dem Libanon zu verhindern und die libanesischen Streitkräfte dabei zu unterstützen, die Kontrolle über das Staatsgebiet wieder herzustellen. Diese Aufgabe erfordert politisch und militärisch Fingerspitzengefühl, denn die Situation in der Krisenregion ist angespannt, die Stabilität fragil. Immer wieder werden Raketen abgeschossen und Minen gelegt. Entsprechend vorsichtig müssen sich die Soldaten im Gebiet bewegen, der Transport ist umständlich.

Lange haben die Österreicher deshalb auch auf die erste Post aus der Heimat gewartet. Die ersten Pakerl haben es aber rechtzeitig zu Weihnachten ins Camp in Naqoura geschafft. Weihnachtsstimmung kam beim Truppenbesuch von Verteidigungsminister Darabos aber schon beim Anblick des Buffets auf, das Schnitzel, Schweinsbraten und Rindfleisch zu bieten hatte. Als Darabos als Geschenk neben einem Laufband auch noch Käsekrainer, Speck und österreichisches Brot überreichte, war das vorweihnachtliche Fest perfekt. Dass der Weihnachtsbaum etwas klein geraten war, wurde gelassen aufgenommen: „Man muss mit dem haushalten, was da ist“, meinte ein Soldat.

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Die deftige Kost ist vielen Soldaten abgegangen, denn die Camp-Küche serviert als kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Christen und Muslimen bzw. zwischen den Nationalitäten sieben Tage die Woche Huhn, vier davon Huhn mit Reis. Anlässlich des Ministerbesuchs wurde auch zum Dessert die Heimat verspeist und zwar als Torte in Form einer Österreichkarte. Auf dieser waren zwar nur Wien und Salzburg beschriftet, die fehlenden sieben Bundesländer schienen den Soldaten aber keine besondere Sorge zu bereiten: „Die wichtigsten sind eh drauf“, meinte ein Wiener.

Was die Soldaten aber sehr wohl zu schaffen macht, ist neben der eintönigen Küche der Zustand der sanitären Einrichtungen und „andere Kleinigkeiten“, wie am Abend zu hören war. Daher wollen sich die Männer und sieben Frauen demnächst dem Verschönern der Quartiere widmen. „Die Dänen haben uns ein bisschen Arbeit hinterlassen. Aber wir fühlen uns schon zuhause“, sagte Kommandant Thomas Erkinger. Darabos betonte am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten, dass er alle Beschwerden mitgenommen habe und man sich um Verbesserungen bemühen werde. (APA)


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