Schild und Hirscher sorgen für positive Weihnachtsbilanz

Fünf ÖSV-Siege durch Schild und Hirscher - neun verschiedene Herrensieger, aber nur drei bei den Damen.

Wien/Flachau – Fünf von 21 Rennen und damit fast ein Viertel der bisherigen Bewerbe haben die ÖSV-Alpinskifahrer im noch jungen Alpinski-Weltcup 2011/12 gewonnen. Verantwortlich dafür zeichnen mit Marlies Schild (3 Siege) und Marcel Hirscher (2) aber lediglich zwei Athleten. Abseits der Siege von „M&M“ ist die Bilanz bei den ÖSV-Podestplätzen (jeweils 9) etwas breiter. Allerdings haben die Damen dies in neun Rennen geschafft, sorgen also pro Rennen praktisch für „Podestgarantie“, während die Herren dafür zwölf Rennen benötigt haben.

„Wir sind gut aufgestellt“

Besonders auffallend im noch jungen Skiwinter ist: Während sich bei den Herren neun verschiedene Läufer (Hirscher, Kostelic, Ligety, Miller, Cuche, Svindal, Blardone, Viletta, Feuz) die zwölf Siege teilten, gibt es bei den Damen wegen der Seriensiege von Lindsey Vonn (5) und Marlies Schild (3) bisher nur drei Saisonsiegerinnen. Die Ehre, die dritte im Bunde zu sein, geht an die Deutsche Viktoria Rebensburg.

Bevor es nun mit vollen Akkorden weitergeht, machte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum eine positive erste Zwischenrechnung. Er betonte dabei vor allem die Hoffnung, dass die Herren in diesem Winter nicht - wie im Vorjahr - ohne Kristallkugel bleiben.

„Wir sind nun gut aufgestellt, haben die Breite und nun auch junge Leute im Team“, gab sich Pum zuversichtlich. Einziger Wermutstropfen: „Im Super-G haben die Topergebnisse bisher gefehlt. Wahrscheinlich heben sie sich alles für die wichtigen Rennen im Jänner auf“, so der Oberösterreicher schmunzelnd. Die Hoffnung auf eine Kugel lebt auch bei Pum. „Das ist natürlich das Ziel und die beste Motivation dafür ist Erfolg.“

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Viel Lob für Hirscher

Nummer eins im ÖSV-Herrenteam ist derzeit Hirscher. Der Hype um den jungen Weltcup-Führenden soll sich nicht negativ auswirken. „Er hat ein gutes Team um sich, um ihn mach ich mir keine Sorgen“, so Pum. „Außerdem ist er ein zielorientierter Bursche, der genau weiß, was er will.“

Was der 22-jährige Hirscher bei den Herren, ist die 30-jährige Schild bei den Damen. „Wir haben aber auch im Riesentorlauf den Anschluss gefunden“, ist sich Pum einig mit Damenchef Herbert Mandl. In der Abfahrt hapert es hingegen trotz Doppelweltmeisterin Liz Görgl und Anna Fenninger ein wenig, der letzte Sieg der ÖSV-Damen (28.2.2009, Andrea Fischbacher in Bansko) ist bald drei Jahre her. Pum ist überzeugt, dass ohne Görgls Sturz in Lake Louise das vielleicht schon anders wäre. „Das dort hat ihr ein wenig den Nipf gezogen.“

Auch Kathrin Zettel wird immer stärker und nähert sich ihrer einstigen Topform. Probleme haben hingegen Nicole Hosp und Olympiasiegerin Andrea Fischbacher. Pum: „Erfolgen nachzufahren macht es noch schwieriger. Ich bin überzeugt, dass beide wieder kommen.“

„Muss die Kirche im Dorf lassen“

Auch Herrenchef Mathias Bertholds Bilanz fiel positiv aus, „obwohl in der Abfahrt einiges mehr möglich war. Aber zwei dritte Plätze (Reichelt, Kröll, Anm.) sind für den Saisonstart okay.“ Man müsse die Kirche im Dorf lassen. „Man darf von dieser Mannschaft nicht erwarten, dass sie jedes Rennen gewinnt.“ Junge Fahrer wie Max Franz oder Matthias Mayer haben stark aufgezeigt. „Aber sie brauchen Zeit. Und jetzt kommen die richtig schweren Rennen, das wird für die Jungen nicht ganz so einfach“, warnte Berthold.

Enttäuschend war auch für Berthold bisher der (podestlose) Super-G. „Die Mannschaft ist aufgestellt, um eine dominante Rolle zu spielen. Das haben wir bisher aber nicht umgesetzt.“

Raich bekommt „alle Zeit“

Ein Sorgenkind ist Benjamin Raich. „Er kämpft sich von seiner Verletzung zurück und tut sich dabei schwerer, als er erwartet hat“, weiß Berthold. „Es gibt viele Beispiele, dass erfolgreiche Athleten eine gewisse Zeit brauchen. Und diese Zeit kriegt Benni von mir hundertprozentig. Ich stehe hinter ihm, weil ich überzeugt von ihm bin“, erklärte der Vorarlberger.

Für den bald 34-jährigen Raich sei das eine schwierige Situation. Berthold: „Er war jahrelang vorne dabei und ist erfolgsverwöhnt. Für ihn ist das jetzt ein Neustart, eine neue Situation also. Aber er arbeitet wie ein Verrückter an seinem Comeback.“

Ob der zurückgetretene Michael Walchhofer seine Berater-Rolle in der Abfahrt schon vor dem Jahreswechsel in Bormio erstmals ausüben wird, wollte Berthold mit dem Salzburger erst noch besprechen. Zu vermeiden sei in erster Linie ein Medienwirbel. „Das würde der Sache nicht dienen, der Sinn würde auf der Strecke bleiben.“ (APA)


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