Syrerin in Innsbruck wegen Schlepperei zu Haftstrafe verurteilt

Dreieinhalb Jahre unbedingt - 35- Jährige schleppte offenbar 170 Personen von Italien nach Deutschland.

(Symbolfoto)
© TT / Thomas Böhm

Innsbruck - Wegen des Verbrechens der Schlepperei ist eine 35-jährige Syrerin am Freitag am Landesgericht Innsbruck zu einer unbedingten Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Die Angeklagte soll teils als unmittelbare Täterin und teils als Bestimmungstäterin zwischen Jänner 2009 und Ende Juli 2011 in 32 Fahrten mindestens 170 Personen, großteils Iraker und Iraner, mit dem Zug von Verona über den Brenner und Innsbruck nach Rosenheim in Bayern geschleppt haben. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Die Angeklagte soll einige Male auch ihre beiden Söhne zur Schlepperei angestiftet haben. Sie zeigte sich im Prozess wie auch schon in den Polizeivernehmungen umfassend geständig. Sie habe als vierfache Mutter wegen ihrer finanziellen Situation keinen anderen Ausweg gefunden. Zudem sei sie von ihrem Mann dazu gezwungen worden. „Ich schwöre, ich musste das für ihn tun. Es tut mir leid“, sagte die 35-Jährige unter Tränen vor Gericht. Darüber hinaus sei sie herzkrank und bekomme Anfälle und falle in Ohnmacht, wenn sie nervös sei.

Die Frau soll laut Staatsanwalt Hansjörg Mayr die „Hintergrundzelle Verona“ im Jahr 2009 von ihrem Mann übernommen haben, nachdem dieser in Deutschland verhaftet worden war. „Das war quasi ein Familienbetrieb und die Fahrten kann man sich wie eine Reisebegleitung mit Reiseführer vorstellen“, meinte der Staatsanwalt. Im Hintergrund soll jedoch eine „vom Nahen Osten bis Italien“ operierende kriminelle Vereinigung stehen, die zuvor den Transport der Menschen per Lkw über Griechenland und die Türkei bis nach Italien organisiert habe. Die 35-Jährige habe die Geschleppten in Verona übernommen und sie „portionsweise mit Regionalzügen“ bis nach Rosenheim gebracht. Am Innsbrucker Bahnhof wurde sie offenbar von Überwachungskameras dabei gefilmt, wie sie für die Flüchtlinge die Bahntickets kaufte und sie ihnen übergab.

Von der kriminellen Vereinigung habe die Beschuldigte laut eigenen Angaben bis zu 150 Euro pro geschleppter Person bekommen. Insgesamt rund 18.000 Euro habe das „Familienunternehmen“ insgesamt unrechtmäßig eingenommen, rechnete ihr der Staatsanwalt vor. Man gehe jedoch, davon aus, dass es sich insgesamt um bis zu 300 Geschleppte handle, ergänzte Mayr. Man habe der Beschuldigten jedoch nur 170 betroffene Personen nachweisen können. „Sie hat sich freiwillig dazu entschieden, den Familienbetrieb nach der Verhaftung ihres Mannes aufrechtzuerhalten. Es war auch kein sozialer Zwang da. Sie hat gut gelebt von der Armut anderer Menschen. Für sie war es ein Wirtschaftszweig“, meinte der Vertreter der Anklagebehörde.

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Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Günther Böhler folgte letztlich der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Als mildernd habe es der Senat gewertet, dass die Syrerin ein umfassendes und reumütiges Geständnis abgelegt habe und dabei auch Beteiligte sowie Hintermänner der kriminellen Vereinigung genannt habe. (APA)


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