Nordkorea wirft Seoul nach Tod Kims „inakzeptable“ Reaktion vor

Zwischen Nord- und Südkorea droht neuer Streit. Pjögjang scheint verstimmt, weil Seoul keine Kondolenzdelegation zum Tode Kim Jong Ils schickt. Dabei wollte Nordkorea sie mit Bruderliebe begrüßen.

Seoul - Nach dem Tod von Machthaber Kim Jong-il hat Nordkorea der Regierung in Südkorea eine unangemessene Reaktion vorgeworfen. Den Beschluss Seouls, mit zwei Ausnahmen keine Besuche von Beileidsdelegationen zuzulassen, kritisierte die offizielle Propaganda-Website des kommunistischen Landes als „inakzeptable, unzivilisierte und unmenschliche Handlung“. Der Schritt könne eine bedeutende Auswirkung auf die Beziehungen haben, warnte die Internetseite Uriminzokkiri am Freitag.

Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte weiter Bilder von trauernden Menschenmassen in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Selbst Kindergartenkinder betrauerten trotz der bitteren Kälte schluchzend den Tod Kim Jong-ils, berichtete die Nachrichtenagentur KCNA.

Die Beisetzungsfeierlichkeiten für Kim Jong-il, der das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust regiert hatte, sind für Mitte nächster Woche geplant. Er war nach offizieller Darstellung am vergangenen Samstag im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Die Nachricht vom Tod des Diktators hatte weltweit Sorgen vor Instabilität ausgelöst.

Nordkorea werde alle Kondolenzbesuche aus Südkorea akzeptieren, hieß es bei Uriminzokkiri weiter. Delegationen aus Südkorea würden mit Bruderliebe empfangen. Der Landweg nach Pjöngjang über die Grenzstadt Kaesong und der Luftraum stehen demnach für Besuche offen. Die Zukunft der Beziehungen zwischen beiden Ländern hänge davon ab, wie Südkorea mit den Anfragen seiner Bürger umgehe, das kommunistische Nordkorea zu besuchen. „Wir beobachten genau die Haltung der südkoreanischen Regierung.“

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Südkorea: Werden keine Delegation entsenden

Ungeachtet der Spannungen mit Nordkorea hatte Südkoreas Regierung der Bevölkerung des abgeschotteten Nachbarlandes ihre Anteilnahme nach dem Tod des langjährigen Alleinherrschers ausgesprochen, jedoch nicht dabei direkt das Regime in Pjöngjang angesprochen. Die Regierung in Seoul wird keine eigene Beileidsdelegation entsenden.

Das Vereinigungsministerium in Seoul bekräftigte, die Entscheidung über die Genehmigung von Reisen nach Nordkorea habe sich nicht geändert. Nur Angehörige des früheren Präsidenten Kim Dae-jung und des ehemaligen Vorsitzenden des Konzerns Hyundai, Chung Mong-hun, dürften nach Pjöngjang. Kim Dae-jung war im Juni 2000 zum ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen nach Pjöngjang gereist. Die südkoreanische Hyundai-Gruppe hatte unter anderem mit Nordkorea ein Tourismusprojekt organisiert, das aber derzeit auf Eis liegt. (APA/dpa)


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