Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics im Interview zu Betrugsvorwürfen

Im Nachrichtenmagazin „profil“ spricht der frühere Immofinanz-Chef über Betrugsvorwürfe und die Buwog-Privatisierung.

Wien – In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins „profil“ weist der frühere Chef der Immofinanz-Gruppe Karl Petrikovics die von der Staatsanwaltschaft Wien erhobenen Untreuevorwürfen zurück: „Ich bin absolut überzeugt, unschuldig zu sein und das werde ich bei Gericht auch entsprechend dokumentieren“, so Petrikovics gegenüber „profil“.

Die Staatsanwaltschaft lastet Petrikovics und vier weiteren Personen Untreue und die Bildung einer kriminellen Vereinigung in Zusammenhang mit privaten Aktiengeschäften aus dem April 2003 an. Das frühere Management soll sich im Vorfeld des Börsegangs der Immoeast AG ohne Genehmigung durch den Aufsichtsrat ein Aktienpaket gesichert und dieses der damaligen Constantia Privatbank AG mit Gewinn weiterverkauft haben.

„Wir hatten ganz im Gegenteil einen klaren Aufsichtsratsbeschluss des damaligen Immoeast-Alleinaktionärs Immofinanz AG, der uns das ermöglicht hat. Wir haben später im Interesse der Constantia Privatbank auf die Aktien, die uns zugestanden sind, verzichtet und diese der Bank geborgt.

Nachdem uns die Constantia Privatbank die Papiere nicht zurückgeben konnte, wurden wir wirtschaftlich so gestellt, als hätten wir diese immer gehalten“, argumentiert Petrikovics. Und weiter: „Ich habe Gewinne auf Aktien lukriert, auf die ich Anspruch hatte. Dem Unternehmen wurde kein Schaden zugefügt.“

Zur Buwog-Privatisierung 2004 in deren Gefolge das Immofinanz-Konsortium dem Lobbyisten Peter Hochegger ein Erfolgshonorar in der Höhe von fast zehn Millionen Euro überwies, erklärt Petrikovics im „profil“-Interview: „Herr Hochegger ist im Herbst 2003 an mich herangetreten. Er meinte, dass man sich im Hinblick auf die damals anlaufende erste große Immobilienprivatisierung Österreichs entsprechend vorbereiten müsse.“

Die Immofinanz sei zum damaligen Zeitpunkt lediglich an der Gesellschaft Buwog interessiert gewesen, nicht aber an dem aus insgesamt vier Bundeswohnungsgesellschaften bestehenden Gesamtpaket.

„Hochegger hat damals gemeint, dass, wenn wir nur die eine Gesellschaft Buwog wollten, wir dies nur im Rahmen eines Österreich-Konsortiums stemmen könnten. So ist das Konsortium aus Immofinanz auf der einen Seite, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Wiener Städtische auf der anderen entstanden.“

„Selbstverständlich“ hätte Raiffeisen Oberösterreich nicht nur von Hocheggers Engagement gewusst, sondern auch die Hälfte von dessen Provision getragen. „Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich war der eigentliche Konsortialführer. Das finale Gebot wurde in einer Sitzung unter deren Leitung beschlossen.“

Von Walter Meischberger, der Hochegger im Vorfeld der Privatisierung mit entscheidenden Hinweisen versorgt haben soll, will Petrikovics nach eigener Aussage erst „aus den Medien“ erfahren haben. „Sollte ich damals zur Buwog Informationen erhalten haben, dann immer nur über Herrn Hochegger.“ (OTS)


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