Keine ruhige Silvesternacht für österreichische Einsatzkräfte

Raufereien, Alkoholvergiftungen, kleinere Brände: Bis zum Neujahrsmorgen waren die Rettungsmannschaften im ganzen Land gefordert.

Wien – Land auf Land ab begrüßten die Österreicher 2012 mit ausgelassenen Feiern - und sorgten auch für viele Einsätze der Rettungskräfte.

Im Burgenland hat in der Silvesternacht ein Mann beim Hantieren mit einer Schreckschusspistole schwere Verletzungen erlitten. Dem 49-jährigen wurden nach Angaben der Polizei und der Landessicherheitszentrale (LSZ) mehrere Finger abgerissen. Für die Feuerwehr begann das neue Jahr mit mehreren Löscheinsätzen wegen verirrter Silvesterraketen. Mehrere Burgenländer hatten beim Feiern so tief ins Glas geschaut, dass sie von der Rettung ins Spital gebracht werden mussten, zog die LSZ am Sonntag in der Früh Bilanz.

Der 49-Jährige aus dem Bezirk Neusiedl am See hatte laut Polizei in Parndorf mit einer Schreckschusspistole hantiert, wie sie Weingartenhüter verwenden, um Stare von den Trauben fernzuhalten. Dabei kam es kurz nach 06.00 Uhr zu einer Explosion, bei der dem Mann an einer Hand mehrere Finger abgerissen wurden. Ob der Burgenländer die Schreckschusswaffe abgefeuert hat oder ob sich eine Patrone entzündet hatte, als er sie in der Hand hielt, war vorerst unklar. Ein Notarztwagen brachte den Schwerverletzten in das Krankenhaus Eisenstadt.

Mehrere Bände und Betrunkene

In der Landeshauptstadt überstand ein Bursch bei der Orangerie im Schlosspark den Sturz von einer etwa fünf Meter hohen Mauer mit leichten Verletzungen. Er habe sich lediglich Prellungen zugezogen, hieß es von der Polizei. In Eisenstadt verlief die Neujahrsnacht für die Exekutive ohne gröbere Zwischenfälle. Es habe lediglich „die üblichen Beschwerden“ wegen Lärm beim Silvesterfeiern gegeben, hieß es auf APA-Anfrage.

Die Feuerwehren mussten im Burgenland wegen einiger Brände ausrücken: Mehrere Silvesterraketen waren im Gebüsch gelandet. Löscheinsätze gab es laut LSZ etwa in Pöttsching (Bezirk Mattersburg), Deutsch Kaltenbrunn (Bezirk Jennersdorf) und Zillingtal (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), wo eine Hecke mit 22 Thujen Feuer fing.

In Breitenbrunn gingen 20 Heurundballen in Flammen auf. Auch hier dürften Raketen im Spiel gewesen sein. In Rotenturm (Bezirk Oberwart) brannte laut Sicherheitsdirektion eine Säulenzypresse in einem Garten. Und in Neufeld (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) löschten Feuerwehrleute eine brennende Restmülltonne.

Mehr als 100 Rettungseinsätze

Die Vorarlberger Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) hat in der Silvesternacht 102 Rettungs- und sechs Feuerwehreinsätze verzeichnet. Fünf Personen wurden verletzt. Die Polizei registrierte 14 Sachbeschädigungen, neun Verwaltungsanzeigen und vier Organmandate.

In Alberschwende und in Au im Bregenzerwald wurden drei Personen durch Feuerwerkskörper verletzt. Die Silvesterraketen waren vorzeitig explodiert und hatten Verletzungen an den Händen verursacht. Ein 30-jähriger Mann aus Reuthe im Bregenzerwald erlitt schwere Augenverletzungen.

Die Einsätze lagen im „normalen Bereich“, betonte Martin Hron von der RFL gegenüber der APA. Die häufigsten Gründe für Rettungseinsätze waren laut Hron, übermäßiger Alkoholkonsum sowie unsachgemäßes Hantieren mit Feuerwerkskörpern.

Raufereien in Kärnten

Bei vier Raufereien in Lokalen in Villach und Klagenfurt in Kärnten sind in der Neujahrsnacht drei Personen verletzt worden. In der Villacher Innenstadt schleuderte eine unbekannte blonde Frau einer 18-Jährigen Schülerin einen Aschenbecher ins Gesicht. Die Polizei fahndet nach einer Weißrussin, die auf den Namen „Vica“ oder „Devica“ hören soll. Die Schülerin wurde ins Landeskrankenhaus Villach gebracht.

Ebenfalls einen Verletzten forderte in Villach eine Rangelei zwischen einem 18 Jahre alten Lehrling und einem 20 Jahre alten Techniker. Der Techniker stürzte eine Treppe hinunter und wurde von der Rettung ins Krankenhaus gebracht.

In Klagenfurt schlug ein 20-Jähriger einem gleichaltrigen Angestellten ein Glas auf den Kopf. Der Angestellte wurde mit einer stark blutenden Wunde ins Klinikum Klagenfurt eingeliefert. In der Innenstadt der Kärntner Landeshauptstadt hielt ein 21 Jahre alter Arbeiter bei einem Streit einem 20 Jahre alten Kontrahenten ein Messer an die Kehle. Der 21-Jährige wurde festgenommen und in das Polizeigefangenenhaus gebracht.

Rakete landete in Menschenmenge

Eine Leuchtrakete ist in der Silvesternacht gegen Mitternacht vor einem Hotel in der Gemeinde Weißensee (Bezirk Spittal/Drau) in einer Menschenmenge gelandet. Dabei wurden zwei Urlauberinnen verletzt.

Ein Wiener hatte den Feuerwerkskörper abgeschossen, die Rakete flog aber nicht in die Höhe, sondern in die Urlaubergruppe. Eine Frau aus Deutschland erlitt Verletzungen im Gesicht, sie wurde von der Rettung ins Krankenhaus Spittal gebracht. Eine Urlauberin aus Niederösterreich erlitt Beinverletzungen, sie wurde von einem praktischen Arzt versorgt.

Turbulente Silvesternacht für niederösterreichische Feuerwehren

Für die niederösterreichischen Feuerwehren war die Silvesternacht turbulent. Das Landesfeuerwehrkommando berichtete von mehr als 70 Bränden - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Nach Mitternacht gab es im Minutentakt Einsätze, um brennende Wiesen, Wälder, Müllbehälter, Hecken, Fassaden, Gartenhütten, Holzzäune oder auch Scheunen zu löschen. Verletzt wurde dabei niemand.

Mehr als 2000 Kräfte waren in nahezu allen Bezirken des Landes gefordert. Allein 350 Feuerwehrleute waren bei zwei Großbränden in den Bezirken Neunkirchen und Krems beschäftigt: In Ternitz (Bezirk Neunkirchen) ging gegen 19.15 Uhr - vermutlich nach einem Raketeneinschlag - eine große Lagerhalle in Flammen auf, die Sicherheitsdirektion bezifferte den Schaden mit mindestens 400.000 Euro. 204 Feuerwehrmitglieder kämpften mit Hilfe von Drehleitern und Teleskopmastbühnen gegen das sich durch starken Westwind rasch ausbreitende Inferno. Die größte Sorge der Einsatzleitung galt den an das Brandobjekt angrenzenden Hallen. In der rund 1.000 Quadratmeter großen Halle hatte sich ein Lager für Messeaufbauten befunden.

In Egelsee bei Krems geriet nahezu zeitgleich ein Vierkanthof in Brand. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand ein Teil des Hauses bereits in Vollbrand, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Objekte wurde verhindert. Es entstand ein hoher, derzeit noch nicht bezifferbarer Sachschaden.

Im Bezirk Melk brach knapp nach dem Jahreswechsel in einer Maschinenhalle in Unterhaus Feuer aus. Das Gebäude und eine Scheune wurden laut Sicherheitsdirektion vernichtet, 87 Feuerwehrleuten gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf das angebaute Wohnhaus zu verhindern.

Mehr als 350 Einsätze für Rettungsorganisationen

Ausgelassene Feiern, viele Veranstaltungen und Feuerwerke boten auch den niederösterreichischen Rettungsorganisationen genug zu tun. „144 - Notruf NÖ“ bilanzierte mehr als 350 Einsätze und Krankentransporte. Die Zahl der Einsätze wegen Verletzungen durch Böller, Raketen und Kracher blieben im Vergleich zum Vorjahr zwar gleich, aber es gab ein Todesopfer zu beklagen: Im Waldviertel starb ein 18-Jähriger, nachdem laut Sicherheitsdirektion eine sogenannte Kugelbombe beim Zünden vorzeitig detoniert war und ihn am Kopf getroffen hatte.

Laut „144 - Notruf NÖ“ waren entgegen dem Trend der vergangenen Jahre die Dispositionen rückläufig, und zwar um 15 Prozent. Die häufigsten der 48 Notarzteinsätze im neuen Jahr erfolgten - neben Akuterkrankungen - wegen bewusstlosen Patienten nach übermäßigen Alkoholgenuss und Stürzen mit Kopfverletzungen. Bei einem Verkehrsunfall in Ladendorf (Bezirk Mistelbach) wurde der Lenker verletzt und noch von Ersthelfern aus seinem brennenden Fahrzeug gerettet - in der Silvesternacht ein Jahr zuvor hatte es zehn Verkehrsunfälle gegeben.

Fehlgezündete Feuerwerke: Zahlreiche Verletzte in Oberösterreich

Fehlgezündete Feuerwerke haben in der Silvesternacht in Oberösterreich zahlreiche Verletzte gefordert. Mindestens fünf Menschen sind teils durch ausländische Pyrotechnik erheblich verletzt worden. Auch zwei Polizisten wurden in der Silvesternacht bei ihren Einsätzen von Betrunkenen angegriffen und verletzt. Das berichtete die Sicherheitsdirektion in einer Presseaussendung am Neujahrstag.

Kurz nach 19.00 Uhr hantierte in Hörsching (Bezirk Linz-Land) ein 29-Jähriger betrunken mit Knallern. Ein Kracher ausländischer Herkunft explodierte plötzlich in dessen Hand, sein zwölfjähriger Neffe stand dabei direkt neben ihm. Dem Mann wurden mehrere Finger abgerissen, der Bub erlitt Verbrennungen am Hals. Der Schwerverletzte wurde vom Notarzt erstversorgt und in das Klinikum Wels-Grieskirchen gebracht.

Um Mitternacht passierten in Unterach am Attersee (Bezirk Vöcklabruck) gleich zwei schwere Zwischenfälle: Ein 34-jähriger Techniker wollte auf einem Parkplatz eine Rakete abfeuern. Er zündete die Lunte an, allerdings gab es aus vorerst unbekannten Gründen keine ausreichende Verzögerung der Brenndauer. Die Rakete schoss mit voller Wucht in das Gesicht des Technikers und verletzte ihn schwer am Kopf. Der Notarzt brachte den Mann in das Krankenhaus Vöcklabruck.

Zur gleichen Zeit wollte ein 40-Jähriger auf einem Feld vor seinem Haus eine ganze Feuerwerksbatterie abfeuern. Auch bei der Batterie entzündeten sich die gesamten 25 Schuss ohne Zeitverzögerung und erwischten den Mann im Gesicht. Er bekam einen Teil der Treibladung ab und musste in das Unfallkrankenhaus Salzburg eingeliefert werden. Das Feuerwerk wurde für weitere Untersuchungen sichergestellt. In beiden Fällen fehlen Zeugen zur Klärung des genauen Unfallherganges.

Betrunkener ging auf Polizisten los

Einen weiteren Schwerverletzten durch Fehlzündung eine Pyrotechnik-Batterie gab es um Mitternacht in Ölkam (Bezirk Linz-Land). Ein 40-Jähriger hatte betrunken mehrere Feuerwerke entzündet. Eine der Batterien detonierte sofort und verletzte den Mann oberhalb des rechten Auges schwer. Der Mann wurde in das AKH Linz eingeliefert. Die Feuerwerke stammten wegen fehlender deutscher Beschreibung vermutlich aus dem Ausland.

Auch Polizisten kamen bei Ihren Einsätzen in der Neujahrsnacht nicht ungeschoren davon. Im Bezirk Steyr-Land randalierte ein stark alkoholisierter 30-Jähriger in der elterlichen Wohnung. Zwei Polizisten versuchten den Mann wegen dessen Verhaltens festzunehmen. Er versetzte einem der Beamten einen Fußtritt und verletzte ihn dabei an der Hand, der zweite Ordnungshüter kassierte einen Kopfstoß. Alarmierte Verstärkung konnte den Tobenden letztlich bändigen. Ein Polizist konnte seinen Dienst nicht mehr fortsetzen.

In Leonding (Bezirk Linz-Land) fiel ein 24-Jähriger in der Neujahrsnacht betrunken über eine Stiege. Sanitäter, die dem Mann helfen sollten, griff er an. Auch anwesende Polizisten stieß er mit den Füßen rabiat weg. Einem Beamten trat er in den Rücken, einem anderen gegen das Schienbein. Der Betrunkene wurde mit Fuß- und Handfesseln fixiert und in das AKH Linz eingeliefert. Die Polizisten wurden bei dem Angriff nicht verletzt. Den jungen Mann erwarten eine Reihe von Anzeigen.

„Relativ ruhige Nacht“ in Salzburg

114 Mal wurde die Polizei der Stadt Salzburg in der vergangenen Nacht via Notruf verständigt und rückte zu Einsätzen aus. Die Hauptgründe waren elf Meldungen wegen Körperverletzung, zwei Sachbeschädigungen, sieben Verkehrsunfälle, fünf Einbruchs-Alarme, elf Beschwerden wegen Lärmbelästigung sowie 13 Anzeigen wegen Vergehen gegen das Pyrotechnik-Gesetz. Außerdem hat die Polizei fünf verwirrte oder alkoholisierte Personen in Krankenhäuser eingeliefert und zwei Personen festgenommen.

Die Polizei sprach dennoch von einer relativ ruhigen Nacht: „Die Menschen waren trotz des strömenden Regens fröhlich und haben auf den Straßen getanzt, gegessen und getrunken. Die Stimmung der Partygäste war angenehm und fast durchwegs friedlich“, sagte Hannes Seifried, Pressesprecher der Salzburger Sicherheitsdirektion, im APA-Gespräch.

Wegen der extrem unfreundlichen Witterung haben heuer nur einige Tausend Salzburger sowie Gäste aus Italien und Amerika im Zentrum der Stadt rund um die Staatsbrücke gefeiert. „Wir haben mit diesem Aufkommen an Menschen gerechnet und auch die Zahl der Einsätze und Interventionen entsprach unseren Erwartungen“, sagte Seifried. Die in normalen Nächten etwa 30 Beamte starke Polizei der Stadt wurde in der Sylvesternacht durch zusätzlich 25 Polizisten und Polizistinnen verstärkt.

44 Mal zu tief ins Glas geschaut

44 Alkoholvergiftungen, 40 bei Stürzen und 20 mit Feuerwerkskörpern verletzte Menschen, acht Brandalarm-Einsätze, acht Verkehrsunfälle und unzählige weitere Notfälle - das ist die Bilanz des Salzburger Roten Kreuzes über die Zeit von Samstag, 12.00 Uhr, bis Sonntag, 11.00 Uhr. Dennoch war es eine normale, eher ruhige und wenig aufregende Silvesternacht, wie ein Sprecher des Roten Kreuzes im APA-Gespräch erläuterte.

Insgesamt hat das Rote Kreuz 497 Transporte durchgeführt, 144 Sanitäter und 61 Rettungsautos waren im Einsatz. Das seien ungefähr doppelt so viele Mitarbeiter und Einsätze wie in einer normalen Nacht, so das Rote Kreuz in seiner Zusammenfassung.

Schlägereien im Land Salzburg

Polizisten der Salzburger Bezirke Pongau und Pinzgau hatten sich in der vergangenen Silvesternacht um vier verschiedene Körperverletzungsdelikte zu kümmern. Heute, 4.00 Uhr, versetzte ein 21-jähriger Engländer einem 27-jährigen Mann aus Mittersill in einem Saalbacher Lokal einen Kopfstoß. Eine Polizeistreife nahm den Mann fest, der sich heftig wehrte und wild um sich schlug.

Bei diesem Einsatz verletzte sich eine Polizistin am Knöchel und musste in Krankenhaus eingeliefert werden. Zugleich mischten sich etwa 50 Gäste und Passanten in den Streit ein und ergriffen zum Teil Partei für den gefesselten Engländer. Erst zwei weiteren Polizeistreifen mit insgesamt sieben Mann Besatzung gelang es, die aggressive Stimmung unter den Gästen zu entschärfen.

Um 1.40 Uhr randalierte ein 21-jähriger Einheimischer in einem Lokal in St. Johann im Pongau. Der schwer betrunkene und aggressive Mann attackierte einen Türsteher und einen Polizisten mit den Fäusten. Nach kurzer Rauferei wurde er aber überwältigt und festgenommen. Nicht weniger aggressiv ging es bei einem Familienstreit in einer St. Johanner Gastarbeiterfamilie zu. Die Polizei konnte einen 31-jährigen Bosnier, der davor bereits seine Frau bewusstlos geschlagen sowie die Mitarbeiter des Roten Kreuzes bedroht hatte, nur mit Pfefferspray bändigen. Der Bosnier wurde ebenfalls festgenommen.

Ach in einem Streit in Obertauern war Pfefferspray im Einsatz. Kurz vor Mitternacht besprühte ein Türsteher eines Lokales zwei möglicherweise aggressive Gäste aus Osttirol mit Pfefferspray. Die beiden 23 und 29 Jahre alten und leicht betrunkenen Männer beteuerten gegenüber der Polizei, sich davor keineswegs aggressiv verhalten zu haben. Vielmehr seien sie vom Türsteher ohne Grund belästigt und angegriffen worden. Alle Beteiligten wurden angezeigt. (APA)


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