Erzdiözese Wien mit Strukturreformen
Die Erzdiözese Wien will unter dem Titel „Apostel 2.1“ mit Strukturreformen auf eine veränderte Gesellschaft reagieren. „Wir stehen an einer Zeitenwende“, stellte Kardinal Schönborn am Montag fest und präsentierte ein Pilotprojekt für den Wiener Bezirk Favoriten. Wie genau die Kirche der Zukunft aussehen wird und ob etwa sakrale Gebäude abgegeben werden, sei offen.
„Apostel 2.1“, das sei ein bewährtes Programm in verbesserter Version. „Wir sehen heute, dass die Konstantinische Zeit der Kirche zu Ende ist. Diese Ära war geprägt von der Idee der Staatsreligion, in die man hineingeboren wird und sein Leben lang bleibt“, so Schönborn. Diese Zeiten seien vorbei.
Der Kardinal verwies auf die Situation in Favoriten: Im Stadtdekanat 10 leben über 177.000 Menschen, davon knapp 60.000 Katholiken. Die 15 Pfarren zählen zwischen 2.000 und 7.000 Katholiken. In den vergangenen zwanzig Jahren habe sich im Dekanat nicht nur der Katholikenanteil von 60 auf 34 Prozent massiv reduziert, sondern auch das Leben in der Kirche ausgedünnt. „Das sind enorme Veränderungen, die für die Gestalt der Kirche nicht ohne Folge bleiben“, so Schönborn. Er betonte jedoch: „Die Kirche der Zukunft in Wien wird weiterhin ein flächendeckendes Pfarrnetz haben. Aber die Pfarren werden teilweise größer sein.“
Das Dekanat Favoriten wurde nun beauftragt, ein Konzept für eine Neuordnung zu entwickeln. Ziel der Reorganisation seien „Pfarren und Gemeinden, die aufgrund struktureller Entlastung und stärkerer Zusammenarbeit an Lebendigkeit gewinnen“. Ab 1. September 2013 werde das Dekanat aus neu errichteten Pfarren und Gemeinden bestehen.
Die jüngsten Austrittszahlen aus der Kirche beunruhigten Schönborn nicht. Seit Jahrzehnten gebe es einen „hohen Sockel“ an Austritten: „Das signalisiert, dass sich die Einstellung gegenüber Institutionen grundlegend verändert hat.“
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