Frieren wie am Südpol in Tirol: minus 23 Grad in Seefeld
Bereits gestern wurde der Kälterekord aus dem Jahr 2011 übertroffen. Autos machten reihenweise schlapp. Heute folgt der Höhepunkt der Kälteperiode.
Von Matthias Christler
Innsbruck –Der Morgen beginnt heuer meist mit einem bangen Moment: Muss ich das Auto vom Schnee freischaufeln oder zum Eiskratzer greifen? Bei Temperaturen von minus 20 Grad Celsius und darunter ist seit Sonntag eindeutig Kratzen angesagt – und vielleicht sogar fremde Hilfe vonnöten. Bei Hunderten Tirolern waren die Autos zwar vom Eis befreit, doch die Minusgrade gaben schon angeschlagenen Batterien den Rest. Die Pannenhilfe des ÖAMTC musste gestern zwischen sechs Uhr früh und 12 Uhr mittags 500-mal ausrücken; an einem normalen Tag fahren die Einsatzfahrzeuge 200-mal.
„Wir haben bei solchen extremen Temperaturen alle 70 Fahrzeuge im Einsatz, um meist Starthilfe zu geben“, sagt Ronald Kaplenig, Leiter der Einsatzzentrale. Trotzdem lagen die Wartezeiten an einigen Orten Tirols bei bis zu vier Stunden. Schon am Sonntag waren die Einsatzfahrzeuge 700-mal zu Hilfe gerufen worden.
Zumindest dem Eis an der Scheibe könne man außen mit einer Decke vorbeugen. Sollte es innen gefroren sein, „dann kommt das von der Feuchtigkeit – vielleicht durch Schnee im Auto und Schwitzen nach dem Skifahren“, erklärt Kaplenig.
Beim Starten droht heute wieder die nächste Schlüsselszene – spielt die Batterie mit oder nicht? Minus 20 Grad sind zwischen 8 und 9 Uhr ohne Weiteres möglich. Meteorologe Christoph Zingerle von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sieht sogar noch Luft nach unten, wenn auch begrenzt: „An die minus 30 Grad wird es nicht geben, weil in der Höhe die Luft mit minus 10 Grad zu warm ist“, verweist er auf die Inversionswetterlage.
Schon gestern wurde der Kälterekord aus dem Jahr 2011 gebrochen. In Seefeld wurden minus 22,9 Grad und damit die kälteste Temperatur des Winters gemessen. Der kälteste Ort im Vorjahr war am 23. Jänner St. Jakob im Defereggental mit 22,6 Grad.
Ähnlich kalt wie in Seefeld ist es derzeit in der Nähe des Südpols. Bei der Amundsen-Scott-Station in der Antarktis wurden gestern minus 24 Grad angezeigt. Für Tirol seien solche Kälteperioden im Jänner allerdings nichts Ungewöhnliches, sagt Zingerle. „Es gibt Winter, in denen es nie so kalt ist, und Winter, da gibt es 10 bis 15 so kalte Tage“, fügt der Meteorloge hinzu.
Diesmal dürfte die Kälteperiode vier Tage dauern. Am Donnerstag soll eine Wetterfront wärmere Temperaturen, mehr Bewölkung und auch Schnee und Regen mit sich bringen. Gerade rechtzeitig. Ohne den Wetterumschwung würde sich der Feinstaub in der Luft festsetzen. Seit Sonntag steigen die Werte stetig an. Andreas Weber, Fachbereichsleiter Luftgüte des Landes, führt das einerseits auf den erhöhten Heizbedarf und andererseits auf den nicht vorhandenen Luftaustausch zurück: „Bei kaltem Wetter wie jetzt haben wir in der Luft weder eine horizontale noch eine vertikale Durchmischung der Luft. Nach drei, vier Tagen bekommen wir größere Schwierigkeiten mit den Feinstaubwerten“, sagt Weber.
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