Auch Rettungsschirm verliert Topnote
Die Ratingagentur Standard & Poor‘s hat auch den Euro-Rettungsschirm EFSF abgewertet. Ihm droht ein Milliardenfinanzloch. Der befürchtete Crash ist am ersten Handelstag nach dem Ratingschock ausgeblieben.
1EFSF-Rettungsfonds: Nach der Abstufung mehrerer Eurostaaten, darunter auch die Triple-A-Länder Österreich und Frankreich, ist nun auch die Topbonität des milliardenschweren Rettungsfonds EFSF gefallen: Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsschirms abgestuft. S&P senkte das Rating von der Bestnote „AAA“ auf „AA+“, wie der Fonds am Montagabend in Luxemburg mitteilte. Dieser Schritt war nach der Abstufung Frankreichs und Österreichs erwartet worden.
Allein schon durch die schlechtere Einstufung von Frankreich und Österreich soll die verfügbare Kreditsumme von 440 Milliarden Euro um rund 180 Milliarden Euro schrumpfen, berechneten Finanzexperten. Eine Aufstockung des Fonds werde aber vor allem von Deutschland strikt abgelehnt. „Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten zu leisten hat, reicht die Garantie bei Weitem aus“, sagte der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
Ein Streit um den EFSF lohne sich ohnehin nicht, denn das Provisorium soll im Juli von dem permanenten Rettungsmechanismus ESM abgelöst werden. Dieser soll mit einem Kapitalstock von 80 Milliarden Euro ausgestattet werden und auf weitere 620 Milliarden Euro abrufbares Kapital bei höherem Bedarf zurückgreifen können. Unklar ist auch, wie sich die Herabstufungen auf das Rating des ESM auswirken werden.
2Börsen: Befürchtet wurde ein „schwarzer Montag“. Doch die europäischen Märkte sind am Montag, am ersten Handelstag nach dem S&P-Rundumschlag, erstaunlich gelassen geblieben und gingen schnell wieder zur Tagesordnung über. Europas Handelsplätze haben sich über das Wochenende vom Ratingschock der US-Agentur Standard & Poor‘s erholt. Der Wiener Aktienindex ATX rutschte Montagfrüh nur leicht ins Minus und schloss am ersten Tag ohne Triple-A-Kreditwürdigkeit mit einem Miniplus von 0,02 % bei 1924 Punkten. Auch die deutschen Anleger ließen sich nicht verunsichern, sodass der DAX um 1,25 % ins Plus auf 6220 Punkte kletterte. In den frühen Morgenstunden hatten die Händler an den asiatischen Börsen noch sehr zurückhaltend agiert. So verlor der Nikkei-Index in Tokio gestern 1,5 Prozent. Aufgrund eines Feiertages sind gestern die US-Börsen geschlossen geblieben, die Reaktionen an der Wall Street nach dem europäischen Ratingdrama werden sich erst heute zeigen.
3Kritik an Ratingagenturen: Drei Tage nachdem S&P den Daumen über die Eurozone gesenkt hatte, ist die Kritik an den Ratingagenturen immer lauter geworden. Die Christdemokraten in Deutschland drängen auf die Gründung eines eigenen europäischen Rating-Anbieters. Darüber sollten die Finanzminister bei einem ihrer nächsten Treffen beraten. Deutschlands Finanzminister Schäuble kündigte Regeln auf EU-Ebene an, welche die Agenturen zu Transparenz verpflichten und sicherstellen, „dass die Ratingagenturen nicht noch eigene Geschäftsinteressen haben“.
4Frankreich: Aufatmen konnte gestern auch Frankreich. Trotz der Herabstufung durch die Ratingagentur S&P konnte die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft am Montag die Finanzmärkte problemlos um frisches Geld anzapfen. Die Risikoaufschläge für die Anleihen mit kurzen Laufzeiten sind im Vergleich zu vergangenen Auktionen sogar gesunken. Eine Auktion von Geldmarktpapieren spülte insgesamt 8,59 Mrd. Euro in die Staatskasse, wie aus offiziellen Angaben hervorgeht.
Die große Nagelprobe steht aber noch bevor: Am Donnerstag will Frankreich noch einmal mehr als neun Mrd. Euro bei Investoren einsammeln. Dann geht es allerdings um langfristige Geldmarktpapiere, die auf längere Zeit Vertrauen in die Bonität eines Landes erfordern. „Wir lassen uns nicht verrückt machen“, stellte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gestern klar, „der Verlust des AAA-Ratings ändert grundsätzlich nichts.“
5 Ungarn: Das verschuldete Nachbarland steckt in einer schweren Krise. Aufgrund umstrittener Reformen, die etwa die Unabhängigkeit der Zentralbank gefährden, sind die Chancen auf einen Hilfskredit von IWF und EU massiv gesunken. Die EU-Kommission will heute Dienstag drei Verfahren wegen Verletzung der EU-Verträge gegen das Land eröffnen. (dpa, Reuters, dapd)
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