Hilfe! Mein Firmenfoto taucht bei Sex-Anzeigen im Internet auf
Unbekannte haben offenbar mehrfach Bilder von Tiroler Firmen-Internetseiten gestohlen. Diese entfernen zu lassen, stellt sich nun als kaum möglich heraus.
Von Uwe Pfefferkorn
Innsbruck – Frau Doreen aus Hall ist geschockt! Ein Portraitfoto der Wahltirolerin taucht seit einigen Monaten auf verschiedenen Sex-, Seitensprung und Kontaktanzeigen im Internet auf. Alle Unternehmungen ihr Konterfei von den ungustiösen Seiten nehmen zu lassen, schlugen fehl. „Man ist machtlos“, schildert sie ihre Bemühungen.
Im Herbst 2011 wurde Doreen von der Betreiberin einer deutschen Hausfrauen-Webseite kontaktiert. Die Unternehmerin hatte bereits mehrfach mit gestohlenen Bildern im Internet zu tun und schöpfte auch beim Bild der Tirolerin Verdacht. Volltreffer! Unbekannte hatten Doreens Portraitbild von der Internetseite ihres Arbeitgebers gestohlen. Nicht etwa ein freizügiges Bild in knapper Sommerbekleidung, sondern ein ganz normales Portraitbild, wie es auf Firmenseiten oder auch auf Social-Media-Plattformen wie Facebook üblicherweise verwendet wird.
Doreens Versuche, die Betreiber der dubiosen Seiten über die angegebenen E-Mail-Adressen zu kontaktieren schlugen fehl - niemand antwortete, keiner reagierte.
Auf der Suche nach Hilfe ging Doreen zur Polizei: „Wir können da leider nichts machen“, schildert sie die Aussagen eines Beamten der Inspektion Hall. Doch die deutschstämmige Tirolerin gab nicht auf und versuchte sowohl bei der Arbeiterkammer, als auch über den Internet-Dienst Ombudsmann.at Hilfe zu bekommen. „Sie waren alle sehr freundlich. Helfen konnte mir aber auch dort niemand.“
Erst nachdem Doreen die Anwaltskanzlei Waizer&Waizer in Hall beauftragte, gab es erste kleine Erfolge: „Wir haben zwei IT-Unternehmen beauftragt, die herausfinden sollten, wer diese Internetdienste betreibt“, erklärt Anwalt Hansjörg Waizer. „Die IT-Experten brachten schließlich in Erfahrung, dass die betreffenden Seiten, auf denen auch das Foto von Doreen auftauchte, auf Servern in Holland, England, der Schweiz und in Panama gespeichert sind. Auf der Suche nach den Betreibern führte die Spur dann nach Nassau auf den Bahamas.“ Doch auch hier war vorerst Endstation: „Wir haben mehrfach versucht, die Betreiber zu kontaktieren. Doch niemand reagiert auf unsere Schreiben“, schildert der Anwalt die verfahrene Situation. Anstatt Antworten fanden die Anwälte weitere Betroffene, die von ihrem Anzeigen-Unglück mehrfach noch gar nichts wissen, wie der Anwalt vermutet.
Für Frau Doreen ist die Tatsache, dass ihr Foto auf Sex-Seiten auftaucht „sehr belastend. Dennoch würde ich jedem raten zur Polizei zu gehen oder einen Anwalt zu kontaktieren. Auch wenn man nicht viel erreicht, hat man doch zumindest das Gefühl, etwas getan zu haben.“
Bei ihren Recherchen ist die Haller Anwaltskanzlei auf weitere Opfer gestoßen. Offenbar wurden sowohl Bilder von Frauen, als auch von Männern gestohlen und für dubiose Internetseiten verwendet. „Auch eine Mitarbeiterin der Kanzlei hat von einer Bekannten erfahren, deren Bild plötzlich auf solchen Seiten auftaucht“, erzählte Hansjörg Waizer.
Frau Doreen hat ihr Profilfoto inzwischen von der Webseite ihres Arbeitgebers entfernen lassen. Von den Erotik-Seiten verschwunden, ist ihr Bild deshalb aber nicht.
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