Doppelmord an Schwestern: Onkel steht vor Gericht
Auf bestialische Weise wurden die beiden Mädchen im bayerischen Krailling vor gut zehn Monaten ermordet. Ihr eigener Onkel soll der Täter sein.
Krailling – Chiara (8) und Sharon (11) kämpfen in jener Nacht um ihr Leben. Der Täter hat eine schwere Hantel, ein Seil und ein Steakmesser bei sich, um die beiden Schwestern zu töten.
Laut Ermittlern geht er zunächst auf das Nesthäckchen los, würgt sie mit dem Seil. Ihre große Schwester hört Geräusche, versucht zu fliehen. Sie läuft zur Wohnungstür, die ihre Mutter immer offenlässt. Zur Sicherheit, damit die Mädchen im Falle eines Brandes schneller fliehen können.
Diese offene Wohnungstür wird jetzt allerdings zur Todesfalle. Der Mörder fängt Sharon ab, noch bevor sie an der Tür ankommt. Er schlägt mit der schweren Hantel nach ihr. Zuerst kann sie ihm mehrfach ausweichen, doch dann trifft er sie. Zwei Mal am Kopf, ein Mal an der Schulter. Als die Elfjährige am Boden liegt, schnappt sich der Täter das Messer und sticht auf den leblosen Körper ein. Er trifft die Lunge, die linke Herzkranzarterie und durchsticht das Herz. Gerichtsmediziner weisen Stiche mit einer Tiefe von 17 Zentimetern nach. Obwohl die Klinge des Messers nur zwölf Zentimeter lang ist.
Chiara muss den Todeskampf ihrer Schwester mitanhören. Sie versucht, sich gegen ihre Zimmertür zu stemmen. Doch der Angreifer ist stärker. Mit einer Hantelstange und dem Messer geht er auch auf die Achtjährige los. „Er hat ihr den Schädel zertrümmert und die Schlagader durchtrennt“, weiß die Staatsanwaltschaft.
Als die Mutter gegen 4.45 Uhr Früh nach Hause kommt – sie hat bei ihrem Freund in der angrenzenden Kneipe gearbeitet – findet sie ihre Töchter tot am Boden liegen. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass der Täter auch auf sie gewartet hat. So zumindest die Vermutung der Staatsanwaltschaft.
Nach Tagen Onkel festgenommen
Tagelang geht in Krailling nach dem bestialischen Mord die Angst vor einem Serienmörder um. Während die Gemeinde, Freunde und enge Familienangehörigen die beiden Mädchen zu Grabe tragen, klicken im 60 Kilometer entfernten Peißenberg die Handschellen. Kein kranker Psychopat, kein Serienmörder wird verhaftet: Es ist der Onkel der beiden Mädchen. Und die Ermittler sind sich sicher, dass er aus Geldgier gehandelt hat. Denn er wollte an das Erbe der Schwägerin, so die Staatsanwaltschaft.
Ab Dienstag wird dem 51-jährigen Postboten der Prozess gemacht. Und die Vorwürfe der Münchner Staatsanwälte sind offenbar mit Indizien und DNA-Spuren untermauert. Der Onkel selbst schweigt – er bezeichnete sich im Vorfeld immer wieder als „nicht schuldig“. Doch das will nicht einmal mehr seine Frau bezeugen, die ihm anfänglich noch den Rücken stärkte.
Der Onkel soll den Mord genau geplant haben – er wollte die Mädchen und deren Mutter umbringen, um es als erweiterten Selbstmord zu tarnen. Das Geld der Familie hätte seine Frau geerbt – und damit hätte er mit einem Schlag seine Schuldenmisere überstanden.
Denn der vierfache Familienvater hat sich schon lange finanziell überhoben, die monatlichen Raten für Kreditrückzahlungen kann er nicht mehr abstottern. Ein geplanter Wohnungsverkauf an die Schwägerin um 50.000 Euro platzt. Und da entsteht offenbar der Plan, die Familie der Schwester auzulöschen.
Ungeduldiger Täter
Doch der Plan läuft schief. Nachdem die Schwägerin nicht wie geplant gegen 2 Uhr Früh auftaucht, wird der mutmaßliche Täter offenbar nervös. Je heller es wird, desto größer ist die Gefahr, dass er entdeckt wird. Außerdem muss er zur Arbeit, um sein Alibi nicht zu gefährden. So lässt er die ermordeten Mädchen zurück. Ebenso wie die Tatwaffen.
Damit hat er der Staatsanwaltschaft die Haupt-Indizien in die Hand gespielt, denn auf den Waffen finden sich eindeutige DNA-Nachweise. Die Ermittler stellen außerdem Blutspuren sicher, die eindeutig dem Onkel zuzuweisen sind. Über seinen Anwalt lässt er ausrichten, dass das Blut von einem Besuch zwei Wochen vor der Tat stamme, als er Nasenbluten hatte. Die Ermittler wollen aber herausgefunden haben, dass der Postbote schon seit Monaten nicht mehr in der Wohnung der Schwägerin war.
Für den Doppelmord von Krailling sind vorerst 13 Verhandlungstage angesetzt. Insgesamt 63 Zeugen sind geladen, neun Sachverständige werden gehört. Den Auftakt machen sechs Polizisten – darunter auch jene Beamten, die die grausam verstümmelten Mädchen zuerst gesehen haben. (rena)
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