Zwischen Multikulti und Parallelgesellschaften
Kuratorium Sicheres Österreich veranstaltet Integrationsdiskussion mit Staatssekretär Sebastian Kurz. Motto: Integration ist ein Auftrag.
Von Mario Zenhäusern
Innsbruck –Derzeit leben in Österreich mehr als 1,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das sind 19 Prozent der Bevölkerung. In Tirol sind es laut der Statistik „Demographische Daten in Tirol 2010“, herausgegeben von der Tiroler Landesregierung, exakt 115.500 Personen oder 16,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. (Wobei als „Personen mit Migrationshintergrund“ alle jene Personen gemeint sind, deren Eltern im Ausland geboren wurden.)
Was den reinen Anteil an ausländischen Einwohnern anbelangt, zeigt die Statistik, dass ihr Anteil in 53 Gemeinden zwischen 10 und 15 Prozent sowie in 33 Gemeinden über 15 Prozent liegt. Die höchsten Ausländeranteile weisen die Bezirke Innsbruck-Stadt (16,5 Prozent), Reutte (14,9 Prozent), Kitzbühel (12,4 Prozent, wobei hier der Anteil der deutschen Staatsbürger überdurchschnittlich ist) und Kufstein (11,7 Prozent) auf. Was die Wohnbevölkerung aus den jugoslawischen Nachfolgestaaten und aus der Türkei anbelangt, liegen Innsbruck-Stadt (3,9 bzw. 2,5 Prozent), Reutte (3,3 bzw. 2,3 Prozent) und Kufstein (2,7 bzw. 2,0 Prozent) an der Spitze.
Diese Zahlen zeigen für das KSÖ-Präsidium mit Landespolizeikommandant Gen.-Mjr. Helmut Tomac an der Spitze, wie wichtig eine funktionierende Integration für die Zukunft Tirols und Österreichs ist. „Integration ist nicht nur für die kulturelle, ethnische und damit gesellschaftliche Entwicklung Österreichs ein wichtiges und ernst zu nehmendes Thema, sondern auch in puncto Sicherheit und volkswirtschaftliche Entwicklung maßgebend“, sagt Tomac.
Der Polizeioffizier weiß aber auch um die emotionale Aufladung des Themas. Integration, das ist für viele der missglückte Versuch, aus einem Neben- ein Miteinander zu machen. Nicht erst, seit die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die multikulturelle Gesellschaft für „gescheitert, absolut gescheitert“ erklärte, werden Integrationsbefürworter als hoffnungslose Sozialromantiker bezeichnet und verhöhnt.
In Tirol gibt es zwar immer wieder Initiativen, die das Miteinander fördern sollen. Die meisten aber scheitern – weniger am Unwillen der heimischen Bevölkerung als vielmehr an der strikten Ablehnung jeder Art von Integration insbesondere durch die türkische Bevölkerungsgruppe.
Dass es auch anders geht, zeigt sich am Beispiel des anfangs so heftig umstrittenen Minaretts in Telfs. Mittlerweile regt der Turm niemanden mehr auf. Ob er irgendwann zum Wahrzeichen einer gelungenen Integration werden kann, wird sich weisen. Aber es passiert schon jetzt viel in Richtung eines funktionierenden Gemeinwesens.
Um Fragen der Integration geht es auch bei einer Diskussion mit Staatssekretär Sebastian Kurz, die der KSÖ-Landesklub Tirol im Februar organisiert. Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft versuchen, sozial wie gesellschaftlich brisante Fragen zu beantworten.
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