Genuss

Im Zauberwald zum Zäunlkopf

Das reine Skivergnügen hält sich in Grenzen, dafür punktet dieser biedere Vorberg des Karwendels bei Scharnitz mit einer überwältigenden Traumaussicht.

Von Kurt Pokos

Scharnitz –Wie ein Skiberg schaut er wirklich nicht aus, der Zäunlkopf, den man erstens vom Tal aus gar nicht richtig wahrnehmen kann und zweitens auch gar nicht vermutet, dass man doch relativ gut durch den dichten Wald hinauf ins freie Gelände findet. Ein paar Abstriche muss man bei dieser Skitour auf den weit vorgeschobenen Ausläufer der Erlspitzgruppe wohl machen, aber es gibt dafür auch genügend Gründe, die den Tourengeher reichlich entschädigen.

Die Westecke des Karwendels hat heuer eine Menge Schnee abgekriegt und darum verläuft der Aufstieg auf den Zäunlkopf momentan durch einen wahren Zauberwald, wo die alten Bäume wie weiße Kerzen in den Himmel ragen. Je höher man kommt, desto weitläufiger wird die Aussicht auf die umliegende Bergwelt und am Gipfel bietet sich ein unvermutetes und seltenes Prachtpanorama zu den nahen Karwendelbergen und -tälern, die wie ein aufgeklapptes Buch vor dem Beschauer liegen. Zudem ist der Zäunlkopf kaum lawinengefährdet.

Früher einmal war diese Skitour ein richtiger Geheimtipp, jetzt ist sie bereits in der neuesten Kompasskarte als Skiroute eingezeichnet, was aber keineswegs bedeutet, dass die Orientierung für den Ortsunkundigen ganz einfach ist, denn der dichte Wald bietet nicht viele Anhaltspunkte.

Zurzeit allerdings zieht eine feste Spur und eine fast schon ausgefahrene Piste durch die schmalen Waldschneisen, welche sich die Skitourengeher mit den zahlreichen Schneeschuhtretern teilen müssen, bei denen der Zäunl­kopf ebenfalls schon ein fixes Winterziel ist.

Die Skitour gliedert sich in drei ganz unterschiedliche Abschnitte. Zum Beginn steigt man auf der alten aufgelassenen Lifttrasse im idealen Skigelände auf den Mühlberg, wo man abrupt in den dichten Wald eintaucht, in dem man sich durch schmale Lichtungen in die Höhe arbeiten muss. Am vorgelagerten Mittagskopf erreicht man dann das freie Gelände und kann wenigstens im Gipfelhang des Zäunlkopfs ein paar Wedelspuren in den Schnee zeichnen.

So kommt man hin

In Scharnitz (von Seefeld kommend) von der Bundesstraße unmittelbar nach der ersten Tankstelle rechts in den Mühlbergweg, über das Bahngleis und wiederum rechts zurück zur Talstation des aufgelassenen Mühlberg­liftes. Gut geräumter Parkplatz, der Kassenautomat steckt – so wie es aussieht – tief im Winterschlaf.

Gleich kann man schon in die Skier steigen. Zuerst auf der ehemaligen Pistentrasse im freien Gelände eher rechts haltend immerhin an die 300 Höhenmeter auf den Mühlberg. Weiter geht es nun rustikaler. Im Prinzip folgt man dem Verlauf des Sommerweges, den man jetzt natürlich nicht sieht und schon froh ist, wenn man ab und zu eine Markierung auf den Bäumen entdeckt.

Aber bald werden die Lichtungen um eine Spur weitläufiger. Man hält sich nun an dem schwach ausgeprägten Waldrücken, stets Richtung Nordost, mit kleinen Querungen nach rechts. Je höher man kommt, umso lockerer werden die Lichtungen und das Gelände wird übersichtlicher. Eine deutliche Schneise steigt man bergan, an ihrem Ende nach rechts und über kurze Steilstufen auf den bereits frei in der Sonne liegenden Mittagskopf, der vom Zäunlkopf noch deutlich abgesetzt ist.

Steil abwärts in das trennende Schartl und jetzt im freien Gelände am Rücken oder rechts daneben zur Gipfelkuppe. Bei der Abfahrt hält man sich genau an die Aufstiegsroute, ein paar Gegenanstiege muss man hinaufbretteln.