Cross-Border: Tiwag bangt mit Tirols Bonität
Einige Cross-Border-Verträge orientieren sich auch an der Bonitätsstufe des Landes. Wallnöfer: „Noch genügend Spielraum vorhanden.“
Von Peter Nindler
Innsbruck –Dass Tirol aufgrund der Herabstufung Österreichs heuer ebenfalls seine beste Bonitätsstufe, das Triple A, verliert, gilt als sicher. Die Ratingagentur Standard & Poor‘s teilte gestern mit, dass dies bereits innerhalb der nächsten vier Wochen erfolgen könnte. Zu eng sind Tirols Verflechtungen mit der Finanz- und Steuerpolitik des Bundes. Die finanziellen Auswirkungen auf das Land dürften vorerst beschränkt sein, der Landesenergieversorger Tiwag blickt hingegen mit Argusaugen auf die Bonität des Landes. Schließlich geht es um die bis 2003 abgeschlossenen Cross-Border-Verträge.
14 Tiwag-Kraftwerke wurden mehr als 90 Jahre ver-least und dann zurückgemietet (Rückmietverträge). Nach amerikanischem Recht werden die Cross-Border-Verträge als Kauf/Besitz gewertet. Die Investmentfonds leisteten Gesamtmietvorauszahlungen, das Geld wurde für die Rückmietzahlungen der Tiwag auf Depotbanken hinterlegt. Das Cross-Border-Volumen der Tiwag beträgt rund drei Milliarden Dollar.
Die Trusts wollten sich natürlich bestens absichern. Zum einen dürfen die Tiwag-Depotbanken nicht unter ein bestimmtes Mindestrating fallen. „Bei einigen Cross-Border-Verträgen ist allerdings die Bonitätsstufe des Alleinaktionärs, sprich des Landes Tirol, ausschlaggebend“, bestätigt Tiwag-Vorstandsvorsitzender Bruno Wallnöfer auf Anfrage der TT. Doch aktuell bestehe kein Handlungsbedarf, „auch der Verlust des Tiroler Triple A hat noch keine Auswirkungen.“ Erst bei einem mehrstufigen Downgrading des Landes, „wovon wir aber weit entfernt sind“, (Wallnöfer), würde es zusätzliche Sicherungsmaßnahmen benötigen. Diese musste die Tiwag bereits 2008/2009 vornehmen.
Depotbanken rutschten damals unter das vereinbarte Rating, mit „Letters of Credit“ der Deutschen Bank wurden die Depots besichert. Die Eventualhaftung für die Besicherungen machen rund 307 Mio. Euro aus. „Für die Besicherung unserer Depots werden wir heuer wieder rund zwei Millionen Euro aufwenden“, betont Wallnöfer. Positiv bewertet der Tiwag-Chef die Tatsache, dass die Ratingagentur Standard & Poor‘s das Top-Rating Deutschlands bestätigt und die Bundesrepublik mit einem stabilen Ausblick versehen hat. „Eine Herabstufung Deutschlands hätte sich nämlich negativ auf die Banken, und da vor allem auf die Deutsche Bank ausgewirkt.“ Schließlich habe die Tiwag ihre Depots bei der Schweizer UBS durch die Deutsche Bank besichert.
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