Anzeigenflut gegen Prostituierte

Mehrfach ertappte Geheimprostituierte müssen jetzt sogar ins Polizeigefängnis.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Die Rotlicht-Offensive der Innsbrucker Polizei hat die Anzahl der Anzeigen regelrecht explodieren lassen: „Wir hatten im Vorjahr 1725 Anzeigen wegen Verstöße gegen die Prostitutionsbestimmungen“, bestätigt Innsbrucks Polizeidirektor Thomas Angermair: „2010 waren es 284 Anzeigen.“

Ein Grund für den enormen Anstieg: Das neue Landespolizeigesetz, das Anfang 2011 in Kraft getreten ist, erleichtert den Polizisten die Arbeit. Salopp formuliert reicht es jetzt, wenn die Beamten eine aufreizend gekleidete Dame wiederholt am Südring antreffen. Früher mussten die Polizisten die Prostituierten zumindest beim Anbahnungsgespräch mit einem Freier erwischen.

„Die 1725 Anzeigen bedeuten natürlich nicht, dass ebenso viele Damen in Innsbruck als Geheimprostituierte gearbeitet haben“, erläutert Angermair: „Zahlreiche Frauen erhielten gleich mehrere Anzeigen.“

Unterm Strich schätzt der Polizeidirektor, dass 80 bis 100 Frauen gleichzeitig am Straßenstrich tätig sind.

Die Prostituierten gehen dabei ein hohes Risiko ein: „Die erste Anzeige wird mit Strafen zwischen 500 und 1000 Euro geahndet“, sagt Angermair: „Wer zum zweiten Mal angezeigt wird, muss inzwischen sogar mit einem Gefängnisaufenthalt bis zu vier Wochen rechnen.“ Allein zwischen 10. Dezember und 17. Jänner verhängte das Strafamt wegen wiederholter Prostitution gegen 30 Frauen insgesamt 1200 Tage Arreststrafen.

Die Gegenstrategie der Damen: Sie verstecken sich. „Wir registrieren in diesem Bereich zahlreiche Scheinmeldungen“, erklärt der Polizeidirektor. Anders ausgedrückt: „Dort, wo die Frauen gemeldet sind, wohnen sie nicht. Und dort, wo sie wohnen, sind sie nicht gemeldet.“

Der Sinn des Versteckspiels: Die Behörde hat Schwierigkeiten, den Prostituierten die Strafbescheide zuzustellen.

Aber auch gegen diese Taktik gibt‘s diverse Gegenmittel: „Alle diesbezüglichen Strafbescheide werden inzwischen von einer einzigen Dienststelle, der Polizeiinspektion Saggen, verwaltet. Wird eine Dame kontrolliert, so fragen die Beamten gleich nach, ob ein Bescheid vorliegt. Wenn ja, wird er der Frau sofort ausgehändigt.“

Eine weitere, sehr effiziente Methode: „Strafreferenten begleiten die Beamten teilweise bei den Kontrollen. So können noch vor Ort Strafbescheide erstellt, ausgedruckt und den Prostituierten ausgehändigt werden.“

Angermair muss allerdings einräumen, dass die verschärften Maßnahmen die illegale Prostitution in Innsbruck noch nicht eindämmen konnten. „Wenn‘s den meist osteuropäischen Frauen zu viel wird, übersiedeln sie in die nächste Stadt oder kehren sogar in die Heimat zurück. Sie werden aber schnell ersetzt. Mittelfristig hoffen wir schon, dass Innsbruck für die illegale Prostitution unattraktiv wird.“