Eurohypo soll in der Commerzbank aufgehen
Commerzbank-Chef Blessing gibt Pläne für eine Auslagerung in eine „Bad Bank“ auf.
Berlin/Frankfurt - Von Deutschlands größtem Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo soll Finanz- und Koalitionskreisen zufolge nur der gesunde Kern bleiben. Dieser soll nach den Vorstellungen von Commerzbank-Chef Martin Blessing in die Muttergesellschaft integriert werden, wie mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters sagten.
Ihr Vorhaben, die Eurohypo zumindest zum Teil in einer „Bad Bank“ beim Staat abzuladen, hat die Commerzbank den Informationen zufolge aufgegeben. Damit Blessings Plan Wirklichkeit werden kann, müsste die EU aber von ihrer Forderung an die Commerzbank abrücken, die Eurohypo bis 2014 zu verkaufen.
Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern. Sie muss den europäischen Bankenaufsehern bis zum Freitag einen Plan vorlegen, wie sie ihre Eigenkapitaldecke bis Juni 2012 um 5,3 Milliarden Euro aufbessern will. Die Lösung für die Eurohypo ist aber den Insidern zufolge nicht Teil dieses Plans. Damit kann Blessing sein Versprechen halten, das Kapitalloch ohne staatliche Hilfe zu stopfen.
Blessing hatte seine Pläne am Montag Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vorgestellt. Um die EU umzustimmen, braucht er den Rückhalt der Bundesregierung. Der Verkauf der Eurohypo war der Preis dafür, dass die Commerzbank in der Finanzkrise mit mehr als 18 Milliarden Euro vom Staat gerettet wurde. Doch ein Käufer für das großvolumige Geschäft mit Immobilienkrediten und -projekten ist kaum zu finden, wie der gescheiterte Verkauf der deutlich kleineren WestLB-Tochter Westimmo gezeigt hatte.
Von der Eurohypo bleiben soll Finanzkreisen zufolge nur das profitable Geschäft mit Immobilienkrediten in den europäischen Kernmärkten, auf das sich die Bank schon in den vergangenen zwei Jahren beschränkt hatte. Derzeit macht die Eurohypo jedoch kein Neugeschäft, weil die Commerzbank ihre Bilanzrisiken senken muss, um die Kapitalauflagen der EU-Bankenaufsicht zu erfüllen. Das Neugeschäft in der Finanzierung von Staaten und Kommunen hat die Eurohypo bereits aufgegeben. Doch die Probleme wirken nach: Die im Marktwert teils deutlich gesunkenen Staatsanleihen in der Eurohypo-Bilanz haben der Commerzbank allein ein Kapital-Loch von 4,8 Milliarden Euro beschert. Im restlichen Konzern sind es nur 500 Millionen.
Die Commerzbank und der Bund hatten seit November über eine Auffanglösung für die notorisch defizitäre Eurohypo verhandelt: Große Teile davon - etwa die Staatsanleihen - sollten in einer staatlichen „Bad Bank“ landen und damit aus den Büchern der Commerzbank verschwinden. Doch mit seinem öffentlichen Schwur, „nicht noch einmal“ zum Banken-Rettungsfonds SoFFin zu gehen, hatte sich Blessing in Zugzwang gebracht.
Aus Sicht des Bundes wäre eine Hilfsaktion für die Eurohypo nur zu rechtfertigen gewesen, wenn sie der Commerzbank aus einer akuten Kapitalklemme geholfen hätte, wie Branchenkenner übereinstimmend sagten. Doch dazu braucht Blessing den Staat nicht. Der für 2012 eigens wiederbelebte Bankenrettungsfonds SoFFin dürfe aber nicht dazu verwendet werden, die Commerzbank von einem hausgemachten Problem zu befreien, hieß es. (APA/Reuters)
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